Vor 75 Jahren: Stalinisten ermorden den vietnamesischen Trotzkisten Ta Thu Thau

Von Patrick Martin
10. Oktober 2020

Am 26. August hielt Dr. Joseph Scalice an der Nanyang Technological University in Singapur einen Vortrag über die Kommunistische Partei der Philippinen (CPP). Wie er nachwies, hatten die CPP und andere Organisationen mit verwandter politischer Linie den philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte im Jahr 2016 aktiv unterstützt. Scalice untersuchte die Ursprünge dieser Politik, indem er historische Parallelen zu den Aktionen der CPP und einer rivalisierenden Partei, der Partido Komunista ng Pilipinas (PKP), in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren aufzeigte. In diesem Zeitraum hatte der damalige Präsident Ferdinand Marcos Schritte zur Errichtung einer Militärdiktatur eingeleitet.

Joma Sison, der langjährige stalinistische Führer der CPP, reagierte auf Scalices Vortrag mit einer schamlosen Verleumdungskampagne gegen ihn. Ohne den geringsten Beweis vorzulegen, verunglimpfte er den Historiker als bezahlten „CIA-Agenten“. Sison und seine Unterstützer verbinden diese Lügen mit mehr oder weniger offenen Androhungen von Gewalt gegen Scalice und alle „Trotzkisten“.

In seiner Antwort auf Sison schrieb Joseph Scalice: „Sisons Anschuldigungen haben im Netz eine Flut von Eispickel-Darstellungen ausgelöst, die die 'einzige Antwort auf Trotzkisten' seien. Daran ist nichts lustig. Es handelt sich um eine Anspielung auf den Mord an Trotzki und den stalinistischen Massenmord an Mitgliedern der Vierten Internationale, der Linken Opposition und an den Altbolschewiki, dem buchstäblich Hunderttausende zum Opfer fielen. Darstellungen von Eispickeln erfüllen die gleiche Funktion wie das Hakenkreuz, auch wenn beide einen unterschiedlichen historischen Ursprung haben.“

In diesem politischen Kontext ist es angebracht und an der Zeit, an eines der größten Verbrechen des Stalinismus in Südostasien zu erinnern: die Hinrichtung von Ta Thu Thau, einem Führer der vietnamesischen Trotzkisten, vor 75 Jahren. Ta Thu Thau wurde am 14. September 1945 festgenommen und vor ein „Volksgericht“ gestellt, das ihn aber nicht verurteilte. Dennoch wurde er von einem stalinistischen Erschießungskommando des Viet Minh hingerichtet. Das exakte Datum seines Todes ist den vietnamesischen Behörden bekannt, aber bisher nicht veröffentlicht worden.

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Im September war der 75. Jahrestag der Hinrichtung von Ta Thu Thau. Ein Erschießungskommando des Viet Minh exekutierte den Führer der vietnamesischen Trotzkisten in der Nähe der Stadt Quang Tri in Zentralvietnam (Annam). Am 14. September 1945 war er auf dem Weg nach Saigon festgenommen worden. In dieser größten Stadt des Landes im Süden war der Einfluss der Trotzkisten in der vietnamesischen Arbeiterklasse am stärksten.

Man stellte Ta Thu Thau vor ein „Volksgericht“ des Viet Minh, der nationalistischen politischen Front, die der Indochinesischen Kommunistischen Partei (KPIn) unter der Führung von Ho Chi Minh unterstand.

Einigen Berichten zufolge lehnte das Gericht es ab, den bekannten Kämpfer für die Arbeiterklasse und Helden des Kampfs gegen den französischen Kolonialismus zu verurteilen. Dennoch führte ein Exekutionskommando des Viet Minh ein Todesurteil aus, angeblich auf Befehl von Tran Van Giau, Führer der Stalinisten in Südvietnam. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass Giau eine so weitreichende Entscheidung ohne vorherige Rücksprache mit der obersten Parteiführung in Hanoi getroffen hatte.

Ho Chi Minh verteidigte später die Hinrichtung. Er räumte ein, dass Thau ein „großer Patriot“ gewesen sei, aber, so Ho Chi Minh: „Alle, die nicht der Linie folgen, die ich festgelegt habe, werden vernichtet.“

Fahndungsfoto von Ta Thu Thau, aufgenommen nach seiner Festnahme bei einer Protestaktion in Paris 1930 gegen die französische Kolonialmacht in Vietnam

Die „Linie“, gegen die sich Ta Thu Thau wandte, war die Entscheidung der stalinistischen Führung in Vietnam, die Rückkehr der französischen Kolonialarmee nach Vietnam in Begleitung von britischen Truppen zu akzeptieren und sogar zu begrüßen. Die Entscheidung erfolgte auf Geheiß Stalins, nachdem die Kapitulation Japans den Zweiten Weltkrieg beendet hatte.

Auf der Konferenz von Teheran (1943) hatten Stalin, Churchill und Roosevelt beschlossen, die militärische Kontrolle über die frühere französische Kolonie Indochina zwischen der chinesischen Kuomintang (über den Norden) und Großbritannien (Süden) aufzuteilen.

Bei der folgenden Konferenz von Potsdam im Jahr 1945 zwischen Stalin, Truman und Churchill (ersetzt gegen Ende des Treffens durch Clement Attlee) wurde diese militärische Aufteilung bekräftigt. Die britischen Truppen sollten dabei den Willen der französischen Kolonialverwaltung, die erneut eingesetzt werden sollte, mit Waffengewalt durchsetzen.

Stalin traf diese Abmachungen ohne die geringste Rücksichtnahme auf den Kampf, den die Kräfte geführt hatten, die politisch von Ho Chi Minh und militärisch von Vo Nguyen Giap geführt wurden, wobei letztere einen Guerillakrieg gegen die japanischen Besatzer und ihre französischen Marionetten führten.

Ho Chi Minh unterwarf sich dem Diktat Stalins und versuchte, den Folgen auszuweichen, besonders der großen Kuomintang-Armee im Norden, wo seine Viet Minh-Kämpfer ihren wichtigsten Stützpunkt hatten. Er versuchte zwischen den diversen feindlichen Mächten, China, Frankreich und Großbritannien, zu manövrieren, anstatt sich an die Arbeiterklasse dieser Länder zu wenden und sie aufzufordern, Solidarität mit der vietnamesischen Revolution zu zeigen.

Ta Thu Thau und die vietnamesischen Trotzkisten kämpften gegen die Rückkehr der alten europäischen Kolonialmächte. Sie beteiligten sich an der Mobilisierung von Protesten breiter Bevölkerungsschichten, vor allem im Süden, wo Thau und seine Genossen seit über zehn Jahren eine wichtige Rolle in der Arbeiterbewegung spielten, namentlich auf den Werften und unter Eisenbahnern, Taxifahrern und anderen Arbeitern im Verkehrs- und Transportwesen.

Die vietnamesische Arbeiterbewegung

Die politischen Verhältnisse in der Arbeiterbewegung von Südvietnam zwischen 1931 und 1936 waren recht ungewöhnlich insofern, dass die stalinistische Partei der Komintern-Linie in der Frage der Verfolgung derjenigen, die mit der Linken Opposition von Leo Trotzki verbunden waren, nicht folgte. Es gab regen Austausch und sogar gemeinsame Aktionen von Stalinisten und Trotzkisten gegen die Unterdrückung durch die französischen Kolonialbehörden.

Beide Seiten brachten zusammen eine französischsprachige Publikation heraus, La Lutte (Der Kampf), die von der französischen Regierung weniger stark zensiert wurde als die Publikationen in vietnamesischer Sprache. Die von Ta Thu Thau geführte Fraktion der Trotzkisten nahm an mehreren gemeinsamen Wahlkampagnen mit den örtlichen Vertretern der Indochinesischen Kommunistischen Partei teil (wie die Stalinisten offiziell hießen), und Ta Thu Thau war 1935 auf einer dieser Listen in den Stadtrat von Saigon gewählt worden.

(Eine zweite Fraktion der Trotzkisten lehnte eine Zusammenarbeit mit den Stalinisten ab. Die politischen Fragen, um die es dabei ging, sind vielschichtig und müssen noch ausführlicher untersucht werden. Hier wollen wir nur darauf hinweisen, dass später, unter dem Einfluss der Moskauer Prozesse und dem Beginn eines politischen Völkermords an Trotzkisten und Altbolschewiki in der Sowjetunion, die KPIn alle gemeinsamen Aktivitäten mit den vietnamesischen Trotzkisten einstellte, und die fraktionellen Differenzen unter den Trotzkisten sich abschwächten).

Im April 1939 kandidierte Ta Thu Thau als Spitzenkandidat einer „Arbeiter- und Bauernliste“. Bei den Wahlen für den Provinzrat von Cochinchina (wie die südliche Region unter französischer Herrschaft hieß) erhielt er mehr Stimmen als die bürgerlichen „Konstitutionalisten“ und die von den Stalinisten unterstützte „Demokratische Front“. Wichtigstes Thema im Wahlkampf war die Opposition der Trotzkisten gegen eine „nationale Verteidigungsabgabe“ zur Finanzierung des französischen Militärs. Die Stalinisten dagegen unterstützten diese Abgabe, weil sie mit der zu jener Zeit in Frankreich amtierenden Volksfrontregierung zusammenarbeiteten.

Wie Ngo Van Xuyet, ein führendes Mitglied der trotzkistischen Fraktion, die Ta Thu Thau kritisch gegenüberstand, später berichtet hat, erklärte der Generalgouverneur Joseph-Jules Brévié das Ergebnis der Wahlen zum Provinzparlament von 1939 mit der Begründung für ungültig, dass „die Trotzkisten unter der Führung von Ta Thu Thau einen möglichen Krieg ausnutzen [wollten], um die vollständige Befreiung zu erreichen“. Die Stalinisten, „die die Position der Kommunistischen Partei Frankreichs unterstützten“, würden dagegen „loyal bleiben, falls ein Krieg ausbräche“.

Diese Einschätzung erfolgte vor dem Hitler-Stalin-Pakt vom August 1939. Dieser bewog die französischen und auch die vietnamesischen Stalinisten, abrupt zu einer militanten Antikriegsposition überzugehen. Am 26. September 1939 verabschiedete die französische Regierung ein Gesetz, das die Kommunistische Partei Frankreichs verbot. Es wurde auch in Indochina angewandt, um sowohl die Stalinisten als auch die Trotzkisten zu verbieten.

Ta Thu Thau wurde von den französischen Kolonialbehörden verhaftet und saß mehr als fünf Jahre im Gefängnis von Poulo Condore ein, einer Insel in der südchinesischen See. 30 Jahre später sollte diese Insel unter ihrem vietnamesischen Namen Con Son berüchtigt werden. Hier befanden sich die „Tigerkäfige“, in denen vietnamesische Befreiungskämpfer, die vom südvietnamesischen Marionettenregime gefasst worden waren, gefoltert und unter barbarischen Bedingungen festgehalten wurden.

Der Verrat von 1945

Im März 1945 lösten japanische Streitkräfte das französische Kolonialregime auf und übernahmen die direkte Herrschaft über Indochina. Ta Thu Thau war Ende 1944, nach dem Absitzen einer fünfjährigen Gefängnisstrafe, aus Poulo-Condore entlassen worden. Er nahm seine politische Aktivität wieder auf. Im Sommer reiste er in den Norden, wo er sich mit streikenden Bergarbeitern traf, die die Trotzkisten unterstützten. Auf der Rückkehr von dieser Reise nahmen die Stalinisten ihn in Quang Tri, auf halbem Weg nach Saigon, fest.

Die Wiedereinsetzung der französischen Kolonialherrschaft und die Ankunft britischer Truppen führten in Saigon zu Unruhen unter der Bevölkerung. Die Trotzkisten spielten dabei eine bedeutende Rolle. Sie bildeten eine Arbeitermiliz, die von britischen und französischen Soldaten brutal unterdrückt wurde. Am 3. Oktober 1945 wurden bei der Thi Nghe-Brücke mehr als 200 Arbeiter getötet. Trotzkistische Kämpfer, die vor den massiven Repressionen in der Stadt fliehen mussten, wurden auf dem Land aufgegriffen, wenn sie zwischen die Viet Minh und die wieder aktivierten bewaffneten Einheiten der Gutsbesitzer gerieten. Nur wenige von ihnen überlebten, weil sie das Land ganz verließen.

Die Socialist Equality Party von Sri Lanka schreibt in ihrem Gründungsdokument, „Die historischen und internationalen Grundlagen der Socialist Equality Party (Sri Lanka)“:

Als sich die Spannungen im September 1945 zuspitzten, entwaffneten die Stalinisten die Volkskomitees, unterdrückten das provisorische Zentralkomitee und ermordeten zahlreiche Trotzkisten, darunter auch Ta Thu Thau, den Führer von La Lutte. Die Kollaboration der KPIn mit den Franzosen sicherte nicht etwa die Unabhängigkeit Indochinas, sondern half Frankreich, die Kolonialherrschaft wiederherzustellen. Die vietnamesische Bevölkerung zahlte einen schrecklichen Preis für den Verrat der revolutionären Erhebungen der Nachkriegszeit und die Manöver der Stalinisten mit dem französischen, und später dem amerikanischen Imperialismus. Nach dreißig Jahren Krieg war das Land verwüstet, Millionen waren tot.

Die Unterstützer der Vierten Internationale wussten jahrzehntelang wenig über das tragische Schicksaal der vietnamesischen Trotzkisten und ihre herausragende politische Rolle in den 1930er Jahren. Die Revisionisten, an ihrer Spitze Michael Pablo und Ernest Mandel, die bis 1953 die Führung der Vierten Internationale innehatten, taten die chinesischen und vietnamesischen Trotzkisten zunächst als „Flüchtlinge vor einer Revolution“ ab. Später in den 1960er Jahren verherrlichten die Pablisten die vietnamesischen Stalinisten um Ho Chi Minh für ihren Widerstand gegen den amerikanischen Imperialismus während der US-Intervention in Vietnam. Sie weigerten sich, die vietnamesischen Trotzkisten überhaupt nur zu erwähnen.

Im Konflikt im Jahr 1945 zeigte sich Ho Chi Minh unverhüllt als Nationalist, wie denn der Nationalismus überhaupt das Kennzeichen des Stalinismus ist. Zu seinen Gesinnungsgenossen sagte er offen, er lasse lieber französische und britische Kräfte wieder ins Land, da diese alten Kolonialmächte schwach und diskreditiert seien, während die chinesischen Streitkräfte, die viel größer und näher wären, eine größere Bedrohung darstellten.

Auf diese Weise offenbarte er seine tiefe Skepsis in die Aussichten einer erfolgreichen Revolution in China. Aber die vermeintlich mächtigen Kuomintang-Armeen lösten sich in weniger als drei Jahren auf, und die chinesische Kommunistische Partei übernahm die Macht. Auch glaubte Ho Chi Minh, Vietnam müsse China – unter Mao Zedong wie unter Tschiang Kai Schek – wegen seiner geografischen Nähe und der konfliktreichen Geschichte mit dem kleineren Nachbarn im Süden mehr fürchten als die europäischen Imperialisten. So zeigten sich in Ho Chi Minhs Positionen die antichinesischen Vorurteile eines vietnamesischen Nationalisten.

Gemäß der Logik der stalinistischen Linie hatte Ho den Kampf für eine weltweite sozialistische Revolution längst aufgegeben. Er verfolgte eine nationalistische Perspektive mit dem Ziel, ein unabhängiges Vietnam zu etablieren. Auf der Grundlage dieser nationalistischen Haltung billigte er es, dass revolutionäre Internationalisten wie Ta Thu Thau getötet wurden.

Das Eingreifen der USA

Die nationalistische Orientierung, zwischen den Großmächten zu manövrieren, sollte sich als Achillesferse der vietnamesischen Revolution erweisen. Nach dem großen militärischen Sieg des Viet Minh bei Dien Bien Phu im Jahr 1954, der zur Kapitulation der französischen Streitkräfte führte, organisierten die sowjetischen und chinesischen Stalinisten unter Verletzung der Genfer Konvention die Aufteilung Vietnams. Im Süden wurde mit Unterstützung der USA eine rechte Regierung mit Sitz in Saigon eingesetzt, die die Unterstützung der USA genoss.

Der Viet Minh übernahm die Macht im Norden und etablierte ein Regime in Hanoi unter der Führung von Ho Chi Minh. Doch im Süden wurde der neue, von den USA unterstützte starke Mann, Ngo Dinh Diem installiert. Diem verhinderte die versprochenen landesweiten Wahlen, die der Viet Minh zweifelsohne gewonnen hätte. Stattdessen rief er, im Widerspruch zur Genfer Konvention, eine Republik Vietnam bzw. Südvietnam mit Sitz in Saigon aus.

1960 flammte der Guerillakampf wieder auf, und die USA entsandten eine wachsende Zahl von militärischen „Beratern“ und schließlich eine riesige, über 500.000 Mann starke Armee, die über die modernsten Waffen verfügte und alleinige Kontrolle über den Luftraum und zur See hatte. Während dieser Zeit war die Nationale Befreiungsfront (NLF) unfähig, sich in der Arbeiterklasse in Südvietnam, vor allen Dingen im Saigoner Proletariat, zu verankern. Dort hatte die blutige Unterdrückung der Trotzkisten durch die Stalinisten eine tiefe offene Wunde hinterlassen. Die TET-Offensive zeigte zwar die Stärke der NLF unter den Bauern, doch das städtische Proletariat erhob sich nicht, um sich mit den Guerillakämpfern gegen die amerikanischen Besatzer und ihr Marionettenregime zu verbünden.

Der Krieg ging weiter und forderte einen immer höheren Blutzoll. Man schätzt, dass bis 1973, als die USA ihre Truppen abzogen, etwa drei Millionen Vietnamesen und 60.000 Amerikaner ihr Leben verloren. Das Regime in Südvietnam überlebte zwei weitere Jahre, ehe es unter der Wucht einer Offensive der NLF kollabierte, die auch zu der denkwürdigen Helikopterevakuierung des US-Botschaftspersonals in Saigon im April 1975 führte.

Vietnam nach dem Krieg

Während der Vietnamkrieg dem amerikanischen Imperialismus ein Debakel bescherte, erwies sich die Unabhängigkeit von Vietnam unter stalinistischer Herrschaft als illusorisch und kurzlebig. Vietnam blieb Teil einer globalen Wirtschaft und eines vom Imperialismus dominierten Weltsystems von Nationalstaaten. Es kam zu Konflikten mit stalinistisch regierten Nachbarstaaten. 1978 marschierte Vietnam in Kambodscha ein, um dem völkermörderischen Regime der Khmer Rouge ein Ende zu setzen. 1979 führte es dann einen blutigen Grenzkrieg mit der Volksrepublik China, dem Hauptverbündeten der Roten Khmer.

Der Kurs in Richtung Wiedereinführung des Kapitalismus, den die chinesischen Stalinisten ab 1980 verfolgten, schuf die Bedingungen für eine ähnliche Entwicklung in Vietnam. Unter der Parole der „Erneuerung“ (Doi Moi) richtete die Kommunistische Partei Vietnams ab 1986 zunächst Zonen eigens für ausländische Unternehmen ein, dann sorgte sie für eine ungehinderte Entwicklung des vietnamesischen Kapitalismus. Gleichzeitig hielt sie ihre Einparteiendiktatur zur Unterdrückung der Arbeiterklasse aufrecht.

Heute ist Vietnam vollständig in die Produktionsketten von riesigen transnationalen Konzernen integriert, von japanischen, amerikanischen, südkoreanischen und solchen, die in China, Hongkong und Taiwan ihren Sitz haben. Eine große Arbeiterklasse hat sich entwickelt, die brutal ausgebeutet wird, zu Löhnen, welche sogar noch deutlich niedriger sind als in China.

Der Staat Vietnam wird vom amerikanischen Imperialismus seit Langem hofiert und als potentieller Verbündeter gegen China ins Auge gefasst. 1995 nahmen Hanoi und Washington diplomatische Beziehungen auf. Amerikanische Kriegsschiffe liegen wieder im Hafen Cam Ranh Bay, der während des Vietnamkrieges ihr wichtigster Stützpunkt war, und amerikanische Militärs beraten sich regelmäßig mit ihren vietnamesischen Kollegen über Fragen wie den Konflikt Vietnams mit China wegen einer Reihe kleiner Inseln im südchinesischen Meer.

2016 hob der US-Imperialismus das vierzig Jahre alte Waffenembargo gegen Vietnam auf. Präsident Obama begrüßte dies seinerzeit als entscheidenden Schritt in der „Normalisierung“ der Beziehungen zwischen beiden Ländern. Die WSWS schrieb damals:

Vietnams Entwicklung nach dem US-Krieg ist eine negative Bestätigung von Trotzkis Theorie der permanenten Revolution. Die Befreiung dieses unterdrückten Landes von der imperialistischen Vorherrschaft kann letzten Endes nur vollendet werden durch eine Revolution der Arbeiterklasse. Keines der enormen wirtschaftlichen Probleme des vom Krieg zerstörten Vietnams konnte auf der Grundlage der nationalistischen Politik gelöst werden, wie sie die stalinistische Führung der Vietnamesischen Kommunistischen Partei (VCP) betrieb. In der Epoche der Vorherrschaft der kapitalistischen Weltwirtschaft über alle nationalen Wirtschaften kann die sozialistische Umgestaltung, die auf nationalem Boden beginnt, nur in der internationalen Arena vollendet werden.

Die Prinzipien, für die Ta Thu Thau und andere vietnamesische Trotzkisten ihr Leben gaben, sind durch Jahrzehnte bitterer historischer Erfahrungen bestätigt worden. Die opportunistischen Manöver von Ho Chi Minh und seinen stalinistischen Nachfolgern haben das vietnamesische Volk in eine Sackgasse geführt. Nur der Aufbau einer wirklich sozialistischen und revolutionären Bewegung, einer trotzkistischen Partei als vietnamesische Sektion des Internationalen Komitees der Vierten Internationale, bietet einen Weg vorwärts.

 

Siehe auch:

Das erste Mal als Tragödie, das zweite Mal als Farce: Marcos, Duterte und die Kommunistischen Parteien der Philippinen
[19. September 2020]

Chinesische Studenten unterstützen Historiker Joseph Scalice gegen stalinistische Verleumdungen
[5. Oktober 2020]

Die Rückkehr des amerikanischen Militärs nach Vietnam
[25. Mai 2016]

 

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