Trumps Rückkehr: eine inszenierte Show

Von Patrick Martin
7. Oktober 2020

Am Montagabend kehrte US-Präsident Donald Trump aus dem Walter Reed Medical Center ins Weiße Haus zurück. Die Aktion war für die Abendnachrichten inszeniert und zielte darauf ab, ein Bild von Stärke und Macht zu vermitteln und die verheerende Wirkung seiner Covid-19-Erkrankung wettzumachen.

Seine Absicht war eindeutig: Er bekräftigt damit seine verbrecherische Politik der „Herdenimmunität“ und widersetzt sich Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, die in Amerika bereits mehr als 210.000 Todesopfer gefordert hat.

Trump ließ sich im Nazi-Stil auf dem Balkon des Weißen Hauses fotografieren, mit der offensichtlichen Absicht, seine faschistische Anhängerschaft zu begeistern. Da eine deutliche Wahlniederlage immer wahrscheinlicher erscheint, konzentriert Trump seine Strategie zum Machterhalt auf den Einsatz von illegalen, verfassungswidrigen, gewaltsamen und außerhalb des Wahlkampfs liegenden Methoden.

Trump kopiert Hitler

Trump hat sich gegen Briefwahlen ausgesprochen und seine rechtsextremen Anhänger aufgerufen, auch Wähler einzuschüchtern, die persönlich an die Wahlurne gehen. Er setzt dabei auf die Feigheit und Komplizenschaft seiner Herausforderer, der Demokraten. Diese fürchten weit mehr als eine weitere Trump-Regierung eine Bewegung von unten gegen Trump und das ganze kapitalistische System.

Den politischen Zweck von Trumps Rückkehr ins Weiße Haus, obwohl er weiterhin hochgradig infektiös ist, zeigt ein Tweet, der sowohl für die Klassenarroganz als auch für den mörderischen Wahnsinn der amerikanischen Wirtschaftselite bezeichnend ist. Trump erklärte, er fühle sich „wirklich gut... Habt keine Angst vor Covid. Lasst euer Leben nicht davon dominieren... Ich fühle mich besser als vor 20 Jahren!“

Kurz nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus erklärte Trump in einem Video auf Twitter seinen „Sieg“ über Covid-19 und wiederholte: „Lasst euer Leben nicht davon dominieren. Habt keine Angst... Wir kommen zurück. Wir gehen wieder an die Arbeit.“

Trump macht auf seine brutale Art deutlich, dass der amerikanische Kapitalismus nicht zulassen wird, dass die Sorge um die Gesundheit der arbeitenden Bevölkerung die Profitinteressen der Konzerne und Banken sowie der Milliardäre, die sie kontrollieren, „dominiert“. Wenn der Präsident wieder „an die Arbeit zurück“ kann, dann können das nach seiner Argumentation auch die Arbeiter der Auto- und Fleischindustrie, Lagerhausarbeiter und Lehrkräfte. Allerdings hat keiner von diesen Millionen Arbeitern Zugang zu vergleichbaren medizinischen Ressourcen und Technologien wie der milliardenschwere Präsident.

Die Rücksichtslosigkeit und Verachtung für Menschenleben, die Trump mit seiner Rückkehr ins Weiß Haus zeigt, wird durch die Tatsache verdeutlicht, dass bisher mehr als ein Dutzend seiner engsten Berater und Unterstützer im Kongress positiv auf das Virus getestet wurden. Das ist das Resultat von Trumps bewusster Weigerung, eine Maske zu tragen oder soziale Distanzierungsmaßnahmen einzuhalten. Die wachsende Zahl von Infektionen und Todesfällen unter der einfachen Bevölkerung im ganzen Land und der Welt ist dabei noch nicht einmal berücksichtigt.

Dass Trump selbst weiterhin krank und infektiös ist, wurde sichtbar, als er sich die Maske vom Gesicht riss und nach Luft schnappen musste, nachdem er die Treppen zum Balkon des Wohntrakts im Weißen Haus hochgestiegen war.

Ein Arzt twitterte als Reaktion auf Trump: „Wir sollen keine Angst vor Covid haben? Im Gegensatz zum Präsidenten der Vereinigten Staaten hat nicht jeder Amerikaner Zugang zu den besten Therapeutika und Ärzten und der modernsten Ausrüstung. Sie fühlen sich besser als vor 20 Jahren? Das liegt an Ihrem Dexamethason-Rausch, der mit Wahn vergleichbar ist.“

Was der Arzt als „Wahn“ beschrieb, ist jedoch nicht nur chemischer Natur. Trump ist berauscht von seinem Klassenprivileg. Laut einem Arzt haben nur zehn Menschen im ganzen Land die gleiche Mischung aus experimentellen Medikamenten, Therapeutika und Medikamenten bekommen wie Trump von seinen Ärzten.

Trump wurde mit einer experimentellen Mischung aus monoklonalen Antikörpern behandelt, die von Regeneron entwickelt wurde; daneben mit kleineren Mengen von Remdesivir von Gilead und dem Steroid Dexamethason, das eigentlich nur bei besonders schweren Fällen von Covid-19 angewandt wird. Laut einem Pressebericht liegt die Sterblichkeitsrate bei Fällen, die Sauerstoff und Dexamethason brauchen, bei über 20 Prozent.

Präsident Donald Trump salutiert am Montag auf dem Balkon des Weißen Hauses. (AP Photo/Alex Brandon)

Trumps Entscheidung, ins Weiße Haus zurückzukehren, obwohl er noch nicht genesen und noch immer hochgradig infektiös ist, hat etwas von schierer Mordlust. Es scheint ihm völlig egal zu sein, dass er die Mitglieder seines Stabs und seiner eigenen Familie infizieren könnte, die sich noch nicht mit dem Coronavirus angesteckt haben, darunter sein jüngster Sohn im Teenageralter.

Seine Pressesprecherin Kayleigh McEnany, eine seiner engsten Ratgeberinnen, wurde am Montagmorgen positiv getestet, ebenso wie zwei weiter Beschäftigte seiner Pressestelle. McEnany sprach mehrfach unmaskiert mit Reportern, auch während der letzten Tage, als sie vermutlich bereits hochgradig infektiös war.

Zu denjenigen, die am Wochenende positiv getestet wurden, gehörten zahlreiche hochrangige Republikaner: Wahlkampfmanager Bill Stepien, die Vorsitzende des republikanischen Nationalkomitees Ronna McDaniel und die US-Senatoren Ron Johnson, Mike Lee und Thom Tillis.

Wenige Stunden bevor Trump das Walter-Reed-Krankenhaus verließ, hielten die Ärzte des Präsidenten eine Pressekonferenz ab. Den meisten Fragen nach seinem Gesundheitszustand gingen sie jedoch aus dem Weg, vor allem aber der Frage, wann er das letzte Mal negativ getestet wurde.

Vertreter des Weißen Hauses hatten behauptet, Trump sei am Nachmittag des 1. Oktober, am letzten Donnerstag, erstmals positiv getestet worden. Allerdings ist es sehr wahrscheinlich, dass er bereits mehrere Tage zuvor von seiner Infektion erfahren hat. In diesem Fall wäre er am Dienstag wissentlich mit einer Coronavirus-Infektion zur Debatte mit dem demokratischen Kandidaten Joe Biden gegangen.

Während der Debatte nahmen die Mitglieder von Trumps Familie ihre Masken ab und weigerten sich, die Hausordnung der Cleveland Clinic einzuhalten. Diese war Mitveranstalterin der Debatte und hatte verfügt, dass alle Teilnehmer außer Trump, Biden und Moderator Chris Wallace Masken tragen müssen.

Dass Trump seine mörderische Coronavirus-Politik und seine Appelle an rechtsextreme Milizen forciert, lässt die Rückgratlosigkeit und den Bankrott seiner nominellen Gegner in der Demokratischen Partei überdeutlich hervortreten. Von Biden über Obama und Pelosi bis hin zu Sanders hatten sie alle auf Trumps Erkrankung mit erbärmlichen Forderungen nach „Einheit“ und dem Wunsch nach einer schnellen Erholung reagiert. Seine Aufrufe zu faschistischer Gewalt, seine Eile, eine weitere rechtsextreme Richterin an den Obersten Gerichtshof zu berufen, und seine erklärte Absicht, die Wahl zu stehlen, verschwiegen sie völlig.

Bei Auftritten im Süden Floridas erwähnte Biden am Montag Trumps wiederholte Drohungen gegen die Wahl am 3. November mit keinem Wort. Auch Nancy Pelosi erwähnte das in ihrem Interview mit MSNBC am gleichen Tag nicht.

Pelosi hörte sich mit ihrer Gleichgültigkeit gegenüber der Gesundheit von Beratern aus dem Kongress sogar an wie Trump selbst. Sie wies einen Appell der Abgeordneten Jahana Hayes (Connecticut), alle Kongressabgeordneten und ihre Berater und Beschäftigten regelmäßig auf das Coronavirus zu testen, entschieden zurück. Hayes selbst hatte erst vor kurzem eine Covid-19-Infektion überstanden.

Wie die World Socialist Web Site schon früher betont hat, darf man nicht ohne weiteres alles glauben, was das Weiße Haus über Trumps Gesundheitszustand behauptet. Der Arzt des Weißen Hauses Sean Conley, ein Kommandant der Navy, hat sich geweigert auf die Frage zu antworten, ob die Infektion Trumps Lungen beschädigt hat – was auf Röntgenaufnahmen und CT-Scans sichtbar wäre. Angesichts der Entscheidung, ihm Dexamethason zu verabreichen, sind solche Schäden jedoch wahrscheinlich.

Auch der Einsatz von Remdesivir-Infusionen über fünf Tage, d.h. bis Dienstag, ist laut den medizinischen Richtlinien der Lebensmittel- und Medikamentenbehörde nur in „Notfällen“ erlaubt.

Die Washington Post schrieb: „Dexamethason wird nur für extrem kranke Patienten empfohlen. Laut einer aktuellen Studie kann es die Zahl der Todesfälle durch das Virus verringern. Allerdings sind fast ein Viertel der infizierten Patienten, die – wie Trump – zusätzlich Sauerstoff bekommen mussten, trotzdem gestorben. Auch Steroide können in hoher Dosierung über längere Zeiträume zu ernsthaften Veränderungen des Geisteszustands führen, darunter Delirium, Halluzinationen und Verwirrung.“

Wie sollen Nationen reagieren, wenn die USA sie auf Befehl eines geistig unzurechnungsfähigen „Oberbefehlshabers“ mit Atomwaffen angreifen?

Am Tag nach der Debatte erkrankte Trumps persönliche Beraterin Hope Hicks während einer Wahlkampfreise nach Minnesota. Sie flog im gleichen Flugzeug wie Trump und andere Berater zurück nach Washington und wurde schnell positiv getestet.

Dennoch setzte Trump seinen Wahlkampf mit einer Spendenveranstaltung in seinem Golfresort in New Jersey fort, an dem 200 Personen teilnahmen. Die meisten von ihnen trugen keine Masken und nahmen an einem Buffet teil. Das Ganze fand unter Bedingungen statt, die einen offenen Verstoß gegen die Gesundheitsvorgaben des Bundesstaates darstellten.

Nach Trumps Diagnose wurden in vier Bundesstaaten – Minnesota, Ohio, New Jersey und Pennsylvania –, die er in den letzten Tagen besucht hatte, die Kontakte verfolgt. Möglicherweise hat er Tausende Menschen der Gefahr einer tödlichen Infektion ausgesetzt.

Noch kriminell fahrlässiger war seine Entscheidung, am Sonntagabend mit seinem SUV herumzufahren und Anhängern zuzuwinken, die sich vor dem Walter Reed-Krankenhaus versammelt hatten. Dabei saß er dicht gedrängt im gleichen Auto mit Secret-Service-Agenten, US-Marshals und Pflegern, und die Fenster waren geschlossen.

Dr. James P. Philipps, ein behandelnder Arzt im Walter-Reed-Krankenhaus, schrieb auf Twitter: „Jede einzelne Person, die während dieser völlig unnötigen Umherfahr-Aktion des Präsidenten im Auto saß, muss jetzt für 14 Tage in Quarantäne ... Sie könnten krank werden. Sie könnten sterben – für ein politisches Theater. Trump hat ihr Leben für sein Theater gefährdet. Das ist Wahnsinn.“

Der Höhepunkt von Trumps Verhalten, das man als Versuch ansehen könnte, eigenhändig so viele Menschen wie möglich zu infizieren, war seine Entscheidung, am Montagabend aus dem Krankenhaus ins Weiße Haus zurückzukehren. Hierbei handelte es sich eindeutig um eine politisch motivierte Entscheidung, mit der er sich über alle Erwägungen der öffentlichen Gesundheit und Sicherheit hinweggesetzt hat.

 

Siehe auch:

Trumps Erkrankung und der Ruf der Demokraten nach Einheit
[6. Oktober 2020]

Trump fällt seiner eigenen Politik der „Herdenimmunität“ zum Opfer
[5. Oktober 2020]

Trumps „Operation Diktatur“: Was die TV-Debatte gezeigt hat
[2. Oktober 2020]

 

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