Neue Phase der Corona-Pandemie:

Bericht schätzt mehr als 400.000 Todesfälle in den USA bis Januar

8. September 2020

Während der Herbst beginnt, treten die Vereinigten Staaten in eine neue und noch gefährlichere Phase der Corona-Pandemie ein. Wissenschaftler und Epidemiologen befürchten, dass die meisten Menschen bei kühleren Temperaturen mehr Zeit in Innenräumen als im Freien verbringen werden, was zur Verbreitung des Virus beitragen könnte. Die Kombination der Pandemie mit der Grippesaison, die in den USA üblicherweise im Oktober beginnt, könnte Krankenhäuser, Testzentren und Gesundheitseinrichtungen vollständig überfordern.

Der Hauptfaktor, der die Bedingungen für eine noch schrecklichere Zahl von Todesopfern in den kommenden Monaten schafft, ist jedoch die Politik der „Herdenimmunität seitens der herrschenden Klasse, d.h. die ungehemmte Ausbreitung des Virus.

Die Zahl der Todesopfer ist bereits jetzt schwindelerregend. Die USA werden bald einen neuen Meilenstein von 200.000 Toten überschreiten, möglicherweise bis Ende dieser Woche. Covid-19 ist bereits zur dritthäufigsten Todesursache im Land geworden, nach Herzkrankheiten und Krebs.

Letzte Woche veröffentlichte das Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) an der University of Washington einen neuen Bericht, der schätzt, dass bis Ende des Jahres 410.000 Menschen gestorben sein werden.

Mehr als 400.000 Menschen! Das ist mehr als die gesamte Bevölkerung von New Orleans (Louisiana) oder Cleveland (Ohio). Wenn die IHME-Schätzungen Wirklichkeit werden, werden bis zum 1. Januar innerhalb von weniger als einem Jahr mehr Menschen am Coronavirus sterben als amerikanische Soldaten während des Zweiten Weltkriegs im Laufe von fast vier Jahren. Mehr als einer von 1.000 in den Vereinigten Staaten lebenden Menschen wird dem Virus erliegen.

Die Trump-Regierung steht an der Spitze einer Politik, von der sie weiß, dass sie massenhaft zu Toten führen wird. Der neue Pandemie-Berater des Weißen Hauses, Scott Atlas, hat sich ausdrücklich für die Beendigung der Maßnahmen zur sozialen Isolation ausgesprochen, damit die Krankheit weiter grassieren kann.

Ein Schwerpunkt dieser mörderischen Politik ist das Bestreben, Schulen zu öffnen und die Lehrer wieder an die Arbeit zu bringen, da dies als entscheidend angesehen wird, um die Arbeiter wieder an ihren Arbeitsplatz zu zwingen. Viele Colleges und Universitäten haben bereits wieder geöffnet und sind zu Zentren für die Übertragung des Virus geworden. Auf einem Uni-Campus im Bundesstaat New York, der SUNY in Oneonta, wurden 17 Prozent der Studierenden weniger als zwei Wochen nach Wiederaufnahme des Unterrichts positiv getestet, was die Uni zwang, den Campus zu schließen und alle nach Hause zu schicken.

Dies wird sich mit der Wiedereröffnung der weiterführenden Schulen bis Jahrgangsstufe 12 in diesem Monat um ein Vielfaches wiederholen. Die in den Vereinigten Staaten durchgeführte Politik wird international in unterschiedlicher Form wiederholt. Von Großbritannien über Spanien bis Brasilien drängen die Regierungen auf die Wiedereröffnung von Schulen, auch wenn sich die Pandemie ausdehnt. In Frankreich sind die neuen Fälle weit über den früheren Höchststand vom Mai hinausgewachsen, da 12 Millionen Schüler wieder in die Schule geschickt werden. In Indien beseitigt die Regierung von Narendra Modi alle verbleibenden Beschränkungen des Transport- und Geschäftsbetriebs, auch wenn das Land Brasilien auf Platz zwei der meisten Corona-Fälle weltweit abgelöst hat und nur noch hinter den Vereinigten Staaten liegt.

Wie die World Socialist Web Site seit Beginn der Pandemie erklärt hat, wurde die Reaktion der Weltregierungen nicht durch soziale Not und die Sorge um die Gesundheit der Gesellschaft, sondern durch Profitinteressen bestimmt. Es sind dieselben sozialen Interessen, die in den kommenden Monaten die Voraussetzungen für eine schreckliche Ausbreitung der Krankheit schaffen werden.

Trump verfolgt eine Politik, die von der Wall Street diktiert wird. Die Regierung hat jedoch zahlreiche Helfer und Anstifter. In den Medien und im politischen Establishment herrscht eine Gleichgültigkeit gegenüber dem erschütternden Verlust von Menschenleben vor. Krokodile haben schon mehr Tränen vergossen, als von Medienexperten und Politikern der Demokratischen Partei auch nur geheuchelt werden.

Die Behauptung von Joe Biden und den Demokraten, Trump sei „ein elender Versager und inkompetent“ (wie Kamala Harris es am Wochenende formulierte), ist eine Ausflucht und Vertuschung. Tatsächlich hat sich die Trump-Regierung bei der Umsetzung der Politik der herrschenden Klasse, die von beiden Parteien ausging war, als recht kompetent erwiesen.

Die Demokraten, von Biden und Harris bis hin zu Bernie Sanders, haben die massive Verteilung von Almosen an die Wall Street im März voll und ganz unterstützt – ebenso wie die mörderische Politik, Arbeiter zurück an die Arbeit und Schüler zurück in die Klassenräume zu zwingen. Das Mantra lautet, es müsse alles getan werden, um „die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen“, d.h. die Profite wieder anzukurbeln.

Die Demokraten bieten kein Programm und keine Politik an, um die Pandemie zu stoppen. In der Endphase der Wahlen konzentrieren sie sich auf das, was sie während der Zeit der Trump-Regierung beschäftigt hat: die Forderung nach einer aggressiveren Kampagne gegen Russland. Angesichts einer Pandemie, die Hunderttausende getötet hat, bereiten sie einen Krieg vor, der Millionen Menschen töten würde.

Arbeiter können es sich nicht erlauben, sich bei den bevorstehenden Wahlen einer der beiden Fraktionen der herrschenden Klasse unterzuordnen. Die Arbeiterklasse muss in diese beispiellose Krise als unabhängige soziale und politische Kraft eingreifen.

Es gibt bereits wachsende Wut und Widerstand. Lehrer haben damit begonnen, unabhängige Komitees zu organisieren, um sich gegen die mörderische „Back-to-School“-Kampagne zu wehren. Das Ausmaß der sozialen Krise, in der Millionen von Menschen ohne Arbeit dastehen und mit Armut, Zwangsräumungen und Hunger konfrontiert sind, schafft die Voraussetzungen für eine soziale Explosion.

Gleichzeitig mehren sich die Proteste gegen Polizeigewalt. In Portland finden seit mehr als 100 Tagen in Folge Demonstrationen statt. In den vergangenen zwei Wochen sind nach der Ermordung von Jacob Blake Demonstrationen in Kenosha (Wisconsin) ausgebrochen; ebenso in Rochester (New York) nach der Veröffentlichung eines Videos, das den Polizeimord an Daniel Prude zeigt. Die Proteste wurden durch die Reaktion der Polizei und der Trump-Regierung angeheizt, die vorsätzlich die faschistische Gewalt anstachelte.

Die entscheidende Frage ist die Entwicklung einer vereinten und koordinierten politischen Massenbewegung für den Sozialismus innerhalb der Arbeiterklasse. Die Proteste gegen Polizeigewalt dürfen nicht isoliert bleiben. Sie müssen mit dem Widerstand von Lehrern, Autoarbeitern, Transportarbeitern, Arbeitern im Dienstleistungssektor und allen Teilen der Arbeiterklasse gegen die herrschende Klasse und das kapitalistische System in Verbindung gebracht werden.

Die Socialist Equality Party kämpft zusammen mit unseren Schwesterparteien im Internationalen Komitee der Vierten Internationale für ein Programm, das den Bedürfnissen der Arbeiterklasse entspricht. Die Kampagnen für die Rückkehr an den Arbeitsplatz und in die Schulen müssen gestoppt werden, wobei alle Arbeiter und Eltern ein volles Einkommen erhalten müssen, bis die Pandemie unter Kontrolle gebracht ist.

Es muss eine international koordinierte Kampagne zur Rettung von Leben geben. Das Vermögen der Milliardäre muss enteignet und die Billionen von Dollar, die an die Banken ausgehändigt wurden, müssen zurückgefordert werden, um dringende soziale Bedürfnisse zu befriedigen, einschließlich der allgemeinen Gesundheitsversorgung, der Nothilfe für Arbeitslose und des Erlasses von Schulden, Hypotheken- und Mietzahlungen.

Man beachte einmal Folgendes: Die IHME gibt an, dass in den USA bis Ende des Jahres 200.000 Menschen sterben könnten. Die 200 reichsten Individuen des Landes verfügen derweil über ein kollektives Vermögen von mehr als zwei Billionen Dollar, das, wenn es der Gesellschaft als Ganzes zur Verfügung gestellt würde, eine kolossale Investition in die Infrastruktur des Gesundheitswesens und der öffentlichen Bildung ermöglichen würde. Es wäre mehr als genug, um sicherzustellen, dass jeder ein ausreichendes Einkommen hat, um sich selbst zu versorgen, während die Krankheit unter Kontrolle gebracht wird.

Die Umsetzung solch elementarer Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie ist eine revolutionäre Frage. Sie ist untrennbar mit dem Kampf der Arbeiterklasse verbunden, die politische Macht in die eigenen Hände zu nehmen, das gesamte soziale und wirtschaftliche Leben auf der Grundlage sozialer Bedürfnisse und nicht des privaten Profits umzustrukturieren.

Die herrschende Klasse und ihre Parteien sind die Parteien des Todes und des Profits. Die Arbeiterklasse muss für das Leben und den Sozialismus kämpfen. Das ist die grundlegende Frage, die sich in den kommenden Monaten stellen wird.

Joseph Kishore – Nationaler Sekretär der SEP und Kandidat für das Amt des US-Präsidenten

 

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