Moderna: Bombengeschäft mit Corona-Impfstoff

Von Bryan Dyne
31. Juli 2020

Der Ausbruch des Coronavirus veranlasste die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Januar zum sechsten Mal in ihrer Geschichte dazu, eine „Gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ ausrufen. Weltweit gibt es rund 17,4 Millionen Infizierte sowie 673.000 Todesopfer. Jeden Tag infizierten sich mindestens eine Viertelmillion Menschen auf der ganzen Welt mit dem Virus, mehr als 5.500 sterben täglich an Covid-19. Die Notwendigkeit eines Impfstoffs für die Bevölkerung wird immer dringender.

Allein in den Vereinigten Staaten gibt es mehr als 4,6 Millionen Corona-Fälle und über 154.000 Tote. Die Pandemie ist längst außer Kontrolle geraten. Doch die US-Regierung hat bereits vor Monaten alle ernsthaften Bemühungen aufgegeben, das Virus einzudämmen.

Angesprochen auf die katastrophale Reaktion seiner Regierung auf die Pandemie, verschweigt Präsident Donald Trump, dass kaum noch Tests durchgeführt werden und die Statistiken über Tote und Infizierte ein düsteres Bild zeichnen. Stattdessen schwingt er große Reden über die angeblichen Fortschritte in der Entwicklung eines Impfstoffs. Er verschweigt dabei natürlich, dass er auf die brutale Strategie der „Herdenimmunität“ setzt und dass aus seiner Sicht die Bevölkerung „lernen muss, mit dem Virus zu leben“, bis ein Impfstoff gefunden ist.

An dieser Stelle kommt das US-Biotech-Unternehmen Moderna ins Spiel, das als eines von 164 Unternehmen an einem Impfstoff gegen das Coronavirus forscht. Am Dienstag berichtete die Financial Times, dass Moderna derzeit plant, sowohl von den USA als auch von anderen Regierungen zwischen 25 und 30 Dollar pro Dosis für den Impfstoff zu verlangen. Stephen Hoge, Präsident des Pharmariesen, der letztes Jahr fast 5 Millionen Dollar verdiente, brachte die skrupellose Haltung des Unternehmens vergangene Woche bei einer Anhörung im Kongress auf den Punkt: „Wir werden den Impfstoff nicht zum Selbstkostenpreis verkaufen.“

Wie hoch der Preis von Moderna ist, zeigt sich besonders im Vergleich zu anderen Unternehmen, die ebenfalls Teil des Wettrennens um einen Impfstoff sind. Der Pharmakonzern Pfizer hat mit der US-Regierung einen Preis von 19,50 Dollar pro Dosis vereinbart. AstraZeneca, das Abkommen mit den Niederlanden, Deutschland, Frankreich und Italien signalisiert hat, verlangt drei bis vier Dollar pro Dosis, sofern dessen Impfstoff zugelassen wird.

Durch das Projekt „Operation Warp Speed“, einer vom amerikanischen Gesundheitsministerium koordinierten Initiative zur Beschleunigung der Impfstoffentwicklung, wurde Moderna bereits mit 955 Millionen Dollar ausgestattet. Geleitet wird das Projekt von dem ehemaligen Moderna-Vorstandsmitglied Moncef Slaoui. Technische Unterstützung erhielt das Unternehmen durch die Zusammenarbeit mit den National Institutes of Health. Wenn der von Moderna entwickelte Impfstoff zugelassen wird, könnte es allein aus den Verkäufen in den USA einen potentiellen Gewinn zwischen 16,5 und 19,8 Milliarden Dollar erzielen.

Hier zeigt sich in verhängnisvoller Weise, wie die Suche nach einem lebensrettenden Impfstoff gegen das Coronavirus zu einem Milliardengeschäft und Wettrennen wird, wenn lebenswichtige Bereiche wie das Gesundheitswesen privatisiert und die gesamte Produktion auf Profit getrimmt ist.

Der Pharmariese Moderna ist dabei keine Ausnahme, sondern die Bestätigung der Regel. Das Unternehmen AstraZeneca erhält 1,2 Milliarden Dollar, wenn es ihm gelingt, einen Impfstoff herzustellen. Präsident Trump hat außerdem bereits zugestimmt, 100 Millionen Dosen des Impfstoffs von Pfizer für einen Preis von 2 Milliarden Dollar zu kaufen, wenn das Medikament zugelassen wird. Auch der Arzneimittelhersteller Novavax wird rund 1,6 Milliarden Dollar Gewinn erzielen, sollten die klinischen Studien zum Corona-Impfstoff erfolgreich verlaufen.

Auch Unternehmen, die nicht an der Entwicklung eines Impfstoffs arbeiten, erhalten Mittel von der US-Regierung, die an keinerlei Bedingungen geknüpft sind. Diese Woche wurde bekannt, dass Eastman Kodak von der US International Development Finance Corporation ein Darlehen in Höhe von 765 Millionen Dollar für die Herstellung generischer Arzneimittel erhalten wird. Die Trump-Regierung behauptet, dass diese Zuwendung dazu beitragen wird, die Herstellung von Medikamenten zur Bekämpfung von Covid-19 zu beschleunigen. Allerdings soll Kodak erst in den nächsten fünf bis acht Jahren mit der Arzneimittelherstellung beginnen.

Von der Demokratischen Partei kamen nur die üblichen, zahnlosen Einwände. Im Finanzmagazin Barron’s forderte der Abgeordnete Jan Schakowsky eine „angemessene Preisgestaltung für die Behandlung sowie für die Herstellung eines Impfstoffes gegen das Coronavirus, die der Steuerzahler mitbestimmen soll“. Ansonsten haben die Demokraten nur gefordert, dass das Budget für das Projekt „Operation Warp Speed“ in Höhe von 10 Milliarden Dollar mit mehr Mittel für Tests und Kontaktverfolgung verbunden werden sollte.

Zur selben Zeit wird rund 25 Millionen Arbeitern, die ihre Jobs im Zuge der Corona-Pandemie verloren haben, der Corona-Zuschuss in Höhe von 600 Dollar pro Woche zusätzlich zum Arbeitslosengeld gestrichen. Hundertausende Kleinunternehmer stehen vor dem Konkurs. Auch Mittel, um klaffende Löcher in den Haushalten der Bundesstaaten und Kommunen zu stopfen, sind angeblich „nicht vorhanden“. Die Folgen sind massive Kürzungen in den Bereichen Bildung, Gesundheitsversorgung, öffentlicher Nahverkehr, Wohnungsbau und anderen öffentlichen Dienstleistungen.

Früher gab es eine gewisse Verpflichtung, lebensrettende Impfstoffe kostenlos zur Verfügung zu stellen. Nachdem der US-amerikanische Arzt und Immunologe Jonas Salk 1955 einen Impfstoff gegen Kinderlähmung (Polio) entwickelt hatte, wurden Ressourcen mobilisiert, um diesen in ausreichender Menge zu produzieren. Auf diesem Weg konnte Millionen Kinder geimpft und die Krankheit in den USA und weltweit praktisch ausgerottet werden. Die Zahl der gemeldeten Polio-Fälle ging zwischen 1988 und 2018 von 350.000 auf 33 zurück.

Heute gibt es keine vergleichbaren Pläne, um ein weltweites Programm zur Verteilung des Impfstoffs gegen das Coronavirus zu entwickeln. Stattdessen wird die Pandemie als Gelegenheit gesehen, um sich eine goldene Nase zu verdienen.

Der Gesamtwert der von Moderna ausgegebenen Anleihen und Aktien hat sich in den vergangenen 52 Wochen mehr als versiebenfacht und beträgt mehr als 30 Milliarden Dollar. Gilead Sciences, Hersteller des vielbeschworenen, aber als wirkungslos geltenden Medikaments Remdesevir, hat einen Marktwert von 90 Milliarden Dollar.

Gleichzeitig wird der Wettlauf um einen Impfstoff von der amerikanischen Oligarchie als geopolitischer Schlagstock genutzt. Die US-Regierung subventioniert die Pharmakonzerne einzig zu dem Zweck, einen Impfstoff „Made in America“ vorweisen zu können – und nicht, um Menschenleben zu retten. Der Impfstoff soll vorrangig als Waffe gegen Länder wie China, Russland, Iran, Venezuela, Nordkorea und Kuba dienen, die dem Streben des US-Imperialismus nach globaler Hegemonie entgegenstehen. Ein in den USA hergestellter Impfstoff könnte aber auch als Druckmittel Washingtons gegen ehemalige europäische Verbündete dienen.

Amerikanische Medienkonzerne haben aus Furcht, dass China oder sogar Russland vor den USA einen Impfstoff entwickeln könnten, bereits eine Lügenkampagne lanciert. Sowohl China als auch Russland werden beschuldigt, die Computersysteme amerikanischer Wissenschaftler, die nach einem Impfstoff forschen, gehackt zu haben. Die Forschung nach einem Impfstoff außerhalb der USA soll auf diesem Weg kriminalisiert und untergraben werden, um ein mögliches Einfuhrverbot in die USA zu rechtfertigen.

Der Generaldirekter der WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, erklärte im Juni: „Es dürfen zwischen den Staaten, die über einen Impfstoff verfügen und denen, die nicht über einen Impfstoff verfügen, keine Spannungen aufkommen.“

Solche Appelle stoßen auf taube Ohren. Der Nationalismus Trumps und seiner internationalen Gegenspieler basiert nicht auf persönlichen Konflikten, sondern auf den ökonomischen Interessen der kapitalistischen Oligarchen auf der ganzen Welt, die in der Politik das Sagen haben.

Die wirtschaftlichen Interessen der herrschenden Klasse stehen weltweit in einem unversöhnlichen Konflikt mit dem Bedürfnis der überwältigenden Mehrheit der Menschheit nach einem rationalen und international koordinierten Vorgehen gegen die Corona-Pandemie. Um einen Impfstoff zu entwickeln und kostenlos zur Verfügung zu stellen, müssen das Wissen und die Ressourcen aller Länder genutzt werden. Ein nationales Interesse oder privates Gewinnstreben dürfen bei dieser gesellschaftlich notwendigen Aufgabe keine Rolle spielen.

Das reaktionäre und zerstörerische System des Kapitalismus lässt das jedoch nicht zu, da soziale Bedürfnisse der Bereicherung einer kleinen, parasitären Elite von Multimillionären und Milliardären untergeordnet werden.

Die internationale Arbeiterklasse ist die einzige soziale Kraft, die erfolgreich gegen die Pandemie ankämpfen kann, um das Überleben der Menschheit durch die Fortschritte der Wissenschaft zu sichern.

Die internationale Arbeiterklasse muss weltweit mobilisiert werden, um Pharmariesen und sämtliche Großkonzerne zu enteignen und die monopolisierten Strukturen in öffentlich kontrollierte Versorgungsunternehmen zu verwandeln. Der Diktatur der Großkonzerne muss ein Ende gesetzt und den Arbeitern die Verantwortung für das Wirtschaftsleben übertragen werden. Nur auf diesem Weg kann eine wirklich demokratische und sozialistische Gesellschaft entstehen.

 

Siehe auch:

Remdesivir-Hersteller Gilead Sciences bereichert sich an der Pandemie
[2. Juli 2020]

Kapitalismus vs. Wissenschaft: Die Lehren aus dem 36-stündigen Moderna-Impfwahnsinn
[21. Mai 2020]

 

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