Trumps Befehl zur Rückkehr an die Arbeit bedroht Leben von Lehrern

Von Evan Blake
10. Juli 2020

Am Mittwoch forderte US-Präsident Donald Trump, dass die amerikanischen Schulen im Herbst wieder öffnen sollen. Vor dem Hintergrund einer grassierenden Pandemie bedroht diese Forderung das Leben zigtausender Lehrer.

Die rasche Wiederöffnung der Schulen, die auf der ganzen Welt stattfindet, ist für die herrschende Klasse bei ihrem mörderischen Bestreben, die Arbeiter inmitten der sich verschärfenden Covid-19-Pandemie wieder an ihre Arbeitsplätze zurück zu zwingen, eine unbedingte Notwendigkeit. Wenn die Schüler nicht wieder zur Schule gehen, können ihre Eltern keine Gewinne für die herrschende Klasse erwirtschaften.

Am Montag twitterte Trump „SCHULEN MÜSSEN IM HERBST ÖFFNEN!!!“ und ließ die Kampagne zu deren Wiederöffnung eskalieren. Am selben Tag gab das Bildungsministerium des Bundesstaats Florida eine Notverordnung heraus, die alle Schulen anwies, im August wieder zu öffnen. Dadurch solle ermöglicht werden, so die Verordnung, dass „Florida seinen wirtschaftlichen Schwung wieder voll aufnimmt“. Am folgenden Tag stand die Wiederöffnung der Schulen im Zentrum mehrerer Sitzungen im Weißen Haus sowie einer Videokonferenz, an der Gouverneure aus sämtlichen Bundesstaaten teilnahmen.

Lediglich ein paar Stunden, bevor die Corona-Taskforce des Weißen Hauses am Mittwoch ihre erste Pressekonferenz seit Wochen abhielt, twitterte Trump: „In Deutschland, Dänemark, Norwegen, Schweden und vielen anderen Ländern sind die Schulen OFFEN – OHNE PROBLEME“. Er fügte hinzu: „Kann die Finanzierung unterbrechen, wenn sie nicht geöffnet sind!“ In einem weiteren Tweet denunzierte er die US-Seuchenbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) wegen ihrer angeblich „sehr harten und teuren Richtlinien für die Öffnung von Schulen“.

Unter dem Druck von Trump kündigten die CDC an, ihre Richtlinien für die Wiederöffnung von Schulen fallen zu lassen und sie in der kommenden Woche durch weniger restriktive Empfehlungen ersetzen zu wollen. Der Direktor der Behörde Robert Redfield lieferte die pseudowissenschaftliche Rechtfertigung für die Wiederöffnung von Schulen mit den Worten: „Wir haben wirklich keine Beweise dafür, dass Kinder den Übertragungszyklus antreiben“.

Dieser Erklärung, die unter offenem und öffentlichem Druck des Weißen Hauses abgegeben wurde, kann kein Glauben geschenkt werden. Eine kürzlich von Forschern der Genfer Universitätskliniken und der Universität Genf durchgeführte Studie ergab, dass die überwiegende Mehrheit der Kinder, die positiv auf COVID-19 getestet wurden, die gleiche Menge des Virus in sich trug wie Erwachsene. Dies lässt darauf schließen, dass sie das Virus übertragen. Die Behauptungen von Trump und Pence sind nur die jüngsten in einer Reihe von Lügen, die darauf abzielen, das Ende aller Beschränkungen für die Verbreitung des Coronavirus zu rechtfertigen.

Im März behauptete Trump, dass „junge Menschen, Menschen mit guter Gesundheit und Menschengruppen ganz einfach nicht stark [von dem Virus] betroffen sind“. Dr. Anthony Fauci, der Direktor des National Institute of Allergy and Infectious Diseases, widersprach Trump sofort. Schon im April starben Teenager. Fälle desMultisystemInflammatoryDisorderinChildren“(MIS-C, dt. etwa: „Multisystemisches Entzündungssyndrom bei Kindern“) nahmen an Häufigkeit zu. Daten des New Yorker Gesundheitsamtes zeigen, dass in einer Stadt mit weit verbreiteter Übertragung in den Bezirken die Sterblichkeitsrate bei Kindern im Alter von 10 bis 19 Jahren bei 0,2 Prozent liegt, was bedeutet, dass die potentielle Zahl der Todesopfer unter Kindern im Schulalter in die Zehntausende gehen könnte.

Die möglichen Gefahren, denen Millionen von Lehrern und andere Pädagogen ausgesetzt sind, von denen 30 Prozent 50 Jahre und älter sind und somit ein viel höheres Sterberisiko haben, wurden von Bildungsministerin Betsy DeVos abgetan. Am Dienstag warf sie den Lehren in einem Interview mit Fox News vor, sich „herausreden“ zu wollen.

Wie bei jedem anderen Teil der Arbeiterklasse wurden auch bei Pädagogen die Zahl der Todesopfer nicht offiziell erfasst. Eine Liste, die vom Bildungsportal Ed Week zusammengestellt wurde, dokumentiert jedoch über 200 Todesfälle durch das Virus.

Das hastige Vorgehen bei der Wiederöffnung der Schulen hängt mit den jahrzehntelangen Angriffen auf das öffentliche Bildungswesen zusammen. Die herrschende Klasse sieht die Covid-19-Pandemie als eine Gelegenheit, ältere, höher bezahlte Lehrer loszuwerden, indem sie sie in eine Situation bringt, in der sie sich für einen vorzeitigen Ruhestand entscheiden oder den Tod riskieren müssen. Wenn Lehrer sterben, wird dies von der herrschenden Klasse als nutzbringend angesehen, da es für sie eine weitere Rente bedeutet, die nicht gezahlt werden muss.

Der Drang zur Wiederöffnung der Schulen wird nicht wissenschaftlichen Erkenntnissen geleitet, sondern von den Profitinteressen der Finanzelite. Wie in der Bevölkerung insgesamt wird es keine universellen Tests bei Lehrern und Schülern geben. Die Menge der Tests zur Kontaktverfolgung wird nicht einmal in der Nähe dessen liegen, was erforderlich ist, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen.

Trotz der Behauptungen von Pence und anderen Vertretern des Staates herrscht unter Lehrern eine breite Feindseligkeit gegenüber der Wiederöffnung der Schulen. Eine erst vor Kurzem durchgeführte Umfrage ergab, dass 65 Prozent gegen den Vorstoß zur Wiederöffnung sind. Diese Opposition findet jedoch keinen Ausdruck in der offiziellen Politik, da die Demokraten bei der Kampagne zur Rückkehr an die Arbeit auf allen Ebenen mit Trump zusammenarbeiten.

Die Lehrergewerkschaften American Federation of Teachers (AFT) und die National Education Association (NEA) sowie ihre Organisationen auf bundesstaatlicher und kommunaler Ebene arbeiten nun eng mit dem politischen Establishment zusammen, um die Wiederöffnung der Schulen durchzusetzen. Eine vergleichbare Rolle hatte bereits die Auto-Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) gespielt, um die Wiederaufnahme der Produktion in der Autoindustrie zu unterstützen.

Vor der Pandemie standen Lehrer und weitere Beschäftigte im Bildungswesen an der Spitze des wiederauflebenden Klassenkampfs in den USA – angefangen mit dem Streik der Lehrer in West Virginia im Jahr 2018, der unabhängig von den Gewerkschaften geführt wurde. Seitdem haben über 700.000 Lehrer in mehr als einem Dutzend Bundesstaaten gestreikt, während Hunderttausende ihrer Kollegen weltweit gegen ähnliche Angriffe auf das öffentliche Bildungswesen demonstriert haben. Die Massenschließung von Schulen Mitte März erfolgte nur aufgrund des Widerstands der Lehrer, die sich zunehmend unabhängig von den Gewerkschaften organisierten. Diese versuchten durchzusetzen, dass der Unterricht weiter in den Klassen stattfindet.

Die Angriffe auf Lehrer durch die US-Regierung sind ein Angriff auf die gesamte Arbeiterklasse. Um einen echten Kampf zu führen, müssen Lehrer, Eltern und Schüler die Dinge selbst in die Hand nehmen, indem sie ein Netzwerk unabhängiger Aktionskomitees für Sicherheit in jeder Schule und in jedem Stadtteil bilden.

Diese Komitees sollten sich mit den Autoarbeitern zusammenschließen, die Aktionskomitees für Sicherheit in den Werken gebildet haben, und dafür kämpfen, die gesamte Arbeiterklasse zu vereinen, um die nicht lebensnotwendige Produktion zu stoppen, die gefährliche Wiederöffnung von Schulen zu verhindern und Strategien zur Eindämmung und Bekämpfung der Pandemie umzusetzen.

Die folgenden Forderungen sollten von Lehrern und Eltern diskutiert und öffentlich bekannt gemacht werden:

Die Kämpfe der Lehrerinnen und Lehrer müssen mit dem Kampf der gesamten Arbeiterklasse gegen die mörderische „back to work“-Kampagne verbunden werden. Diese Kampagne wird von der Forderung der Finanzoligarchie angetrieben, dass Arbeiter ihr Leben opfern müssen, um die an den Börsen verteilten Billionen zu bezahlen.

In unserer Erklärung „Verhindert die Ausbreitung von Covid-19 und rettet Leben! Baut Aktionskomitees in den Betrieben auf!“ vom 23. Mai heißt es, "dass der Kampf gegen die Pandemie untrennbar mit einem Kampf der Arbeiter gegen die herrschende Klasse – die Unternehmens- und Finanzoligarchie – und ihre Diktatur über das wirtschaftliche und politische Leben verbunden ist. Es handelt sich um einen Kampf gegen den Kapitalismus und für den Sozialismus, für die Umstrukturierung der Gesellschaft auf der Grundlage gesellschaftlicher Bedürfnisse, nicht des privaten Profits.“

Die Sozialistischen Gleichheitsparteien und die WSWS werden Lehrern, die Aktionskomitees für Sicherheit aufbauen wollen, jede erdenkliche Unterstützung zukommen lassen. Wir rufen alle Arbeiter dazu auf, unser Programm zu studieren und die Entscheidung zu treffen, der SGP beizutreten und den Kampf für Sozialismus aufzunehmen.

Die Jugendorganisation der SGP, die International Youth and Students for Social Equality (IYSSE), ruft alle Schüler dazu auf, ihre Erklärung gegen die Wiederöffnung der Schulen und die darin enthaltenen Forderungen zu studieren und sich den IYSSE anzuschließen.

 

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