Chelsea Manning nach Suizidversuch in Krankenhaus eingeliefert

Von Jacob Crosse
13. März 2020

Anwälte der mutigen Informantin Chelsea Manning haben bestätigt, dass die 32-Jährige am Mittwoch nach einem Suizidversuch in einem Bundesgefängnis in Alexandria im Bundesstaat Virginia, in ein Krankenhaus eingeliefert wurde.

Manning sitzt seit einem Jahr in Einzelhaft und muss jeden Tag eine Geldstrafe von 1.000 Dollar bezahlen, weil sie eine Aussage vor einer geheimen Grand Jury gegen den Wikileaks-Gründer und Herausgeber Julian Assange verweigert.

Assange befindet sich derzeit im Londoner Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh, wo er auf eine mögliche Auslieferung an die USA wartet. Dort drohen ihm bis zu 175 Jahre Gefängnis wegen Verstoßes gegen das US-Spionagegesetz, weil er Geheimdokumente bekannt gemacht hat, die imperialistische Kriegsverbrechen im Irak und in Afghanistan aufdeckten.

Chelsea Manning

Manning saß zuvor sieben Jahre einer 35-jährigen Haftstrafe in einem Militärgefängnis ab, nachdem sie wegen Verstoßes gegen das Spionagegesetz und andere Gesetze verurteilt worden war. Sie hatte die Irakkriegs-Protokolle, das afghanische Kriegstagebuch und ein Video mit dem Titel „Collateral Murder“ zur Veröffentlichung an WikiLeaks übermittelt. Das Video zeigte die Ermordung von Reuters-Reportern in Bagdad durch einen US-Hubschrauber. Ihr Urteil wurde von Präsident Barack Obama in einer seiner letzten Amtshandlungen zwar umgewandelt, und Manning wurde freigelassen, doch wurde sie nicht begnadigt, sondern galt weiterhin als vorbestraft.

Die Daily Mail berichtete, dass die Wachen Manning in ihrer Zelle mit einem Bettlaken um den Hals und nicht ansprechbar aufgefunden hatten. Manning wird in der Hochsicherheitsabteilung SHU (SecureHousing Unit) untergebracht. Die SHU ist auch bekannt als „administrative Isolation“, „Einzelhaft“, „getrennte Unterbringung“, „Verwaltungseinschluss“ oder das „Loch“. Die SHU besteht aus kalten, fensterlosen Betonzellen, in denen die Gefangenen gezwungen sind, 22,5 Stunden am Tag allein zu verbringen.

Insassen mit diesem Status erhalten in der Regel eine Stunde Zeit zum Duschen, bevor sie für den Rest der ihnen zustehenden Zeit nach draußen gehen dürfen. Das erlaubte Lesematerial ist stark eingeschränkt, ebenso die Besuchszeiten. Dass Manning angesichts ihrer vergangenen Selbstmordversuche, die noch 2016 stattfanden, in diese brutale Situation versetzt wurde, ist eine eklatante Misshandlung und der Beweis dafür, dass der US-Regierung ihre Sicherheit gleichgültig ist.

Weit davon entfernt, der Rehabilitation zu dienen, werden SHUs als eine Form der Bestrafung eingesetzt und werden von denjenigen, die unglücklich genug sind, sie zu erleben, als „schleichender Tod“ beschrieben. Zu den Auswirkungen von längerer Einzelhaft gehören Depressionen, Psychosen, Panikattacken, Paranoia, verminderte Impulskontrolle, Überempfindlichkeit gegenüber äußeren Reizen und Schwierigkeiten mit dem Denken, der Konzentration und dem Gedächtnis, sowie Suizidgedanken.

Manning wurde nicht wegen eines Verbrechens angeklagt, sondern ist eingesperrt, weil sie sich weigert, vor einer Grand Jury auszusagen. Unter diesen Bedingungen ist die Inhaftierung als Zwangsmaßnahme, als Beugehaft, und nicht als Strafe gedacht. Es ist jedoch klar, dass die US-Regierung die unbefristete Haftstrafe als Mittel zur erneuten Bestrafung von Manning für die Aufdeckung von Kriegsverbrechen nutzt. Wenn Manning im Gefängnis stirbt, wird die Verantwortung bei denselben Kriegsverbrechern liegen, die von ihr entlarvt worden sind.

In einem Brief an Richter Anthony J. Trenga aus dem Jahr 2019 verteidigte Manning ihre Prinzipien und stellte klar, dass eine Inhaftierung sie niemals zu einer Aussage zwingen werde. Sie machte ihren grundsätzlichen Einwand gegen die geheim tagende Grand Jury deutlich.

Manning erklärte: „Ich erhebe Einspruch gegen diese Grand Jury ... sie ist ein Versuch, Journalisten und Verleger, die einem wichtigen öffentlichen Interesse dienen, einzuschüchtern. Ich halte diese Werte seit meiner Kindheit hoch, und ich hatte viele Jahre im Gefängnis Zeit, darüber nachzudenken. Einen Großteil dieser Zeit hing mein Überleben von meinen Werten, meinen Entscheidungen und meinem Gewissen ab. Ich werde sie jetzt nicht aufgeben.“

In einem Bericht vom November 2019 erklärte Dr. Nils Melzer, der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für Folter, dass Mannings fortgesetzte Inhaftierung „alle konstitutiven Elemente von Folter und anderer grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Bestrafung erfüllt“.

Mannings Anwälte bestätigten in einer Erklärung auf sparrowmedia.net, dass sie sich in einem örtlichen Krankenhaus erhole und noch am Freitag vor Richter Trenga erscheinen werde, der „über einen Antrag auf Beendigung der zivilrechtlichen Sanktionen entscheiden wird“. Es gehe um „ihre Weigerung, vor einer Grand Jury auszusagen, die die Umstände der Veröffentlichung ihrer Enthüllungen von 2010 untersucht“.

Mannings Anwälte schreiben, Chelsea halte „unerschütterlich an ihrer Weigerung fest, an einem geheimen Grand Jury-Verfahren teilzunehmen, das sie als außerordentlich missbrauchsanfällig betrachtet“.

Manning hat sich ehrenhaft und mutig gegen die US-Regierung gewehrt. Diese lässt sie foltern, um sie zu zwingen, ihre Aussage von 2013 über Assange zu widerrufen. Manning hält daran fest, dass sie Tausende von geheimen Diplomaten-Depeschen, das berüchtigte „Collateral Murder“-Video und Hunderttausende von Kriegsprotokollen der US-Armee über den Irak und Afghanistan auf eigene Faust und ohne Unterstützung oder Überredung durch den ehemaligen Wikileaks-Herausgeber veröffentlicht hat.

Melzer hat sowohl Assange als auch Manning angesichts der Behinderung und des Schweigens der Regierungen der USA, Großbritanniens, Schwedens, Ecuadors und Australiens in Wort und Schrift kraftvoll verteidigt. Melzer hat die Öffentlichkeit wiederholt auf die groben Verstöße gegen die Rechte von Assange und Manning auf ein ordnungsgemäßes Gerichtsverfahren sowie auf die willkürliche Inhaftierung hingewiesen, die beide wegen der Aufdeckung von Kriegsverbrechen durch die imperialistischen Mächte erleiden. Die kollektive Verschwörung dieser mächtigen Staaten gegen Assange und Manning hat verheerende Auswirkungen auf deren psychische Gesundheit, von der sich keiner der beiden jemals erholen wird.

Chelsea Manning hat einen Großteil des letzten Jahrzehnts hinter Gittern verbracht, weil sie die mörderische Kriminalität des amerikanischen Staates aufgedeckt hat. Die Rachsucht und Grausamkeit, die ihr und Assange zugefügt werden, angefangen mit den Demokraten unter der Obama-Regierung bis hin zu Trump, zeugt von der Furcht und Verachtung, die die herrschende Klasse für die Wahrheit und die Meinungsfreiheit hegt.

Die Demokratische Partei hat Manning im Stich gelassen, und während der Debatten und in den Wahlkampfreden haben die künftigen Kandidaten bisher kein Wort über sie verloren.

Wenn Manning ihre 18-monatige Haftzeit überlebt, wofür es bei weitem keine Garantie gibt, wird sie mit einer Geldstrafe von fast einer halben Million Euro, also 440.000 Dollar, belastet sein. Sie hat bereits ihre Wohnung verloren, und wie die jüngsten Ereignisse zeigen, steht sie unter schwerem psychischen Stress.

Wenn Manning, Assange und andere tapfere Antikriegsaktivisten wie Jeremy Hammond, der wie Manning willkürlich im gleichen Gefängnis in Alexandria eingesperrt ist, weil er sich weigert, vor einer geheimen, gegen den WikiLeaks-Gründer gerichteten Grand Jury auszusagen, je wieder in Freiheit kommen sollten, dann nur infolge des Eingreifens der internationalen Arbeiterklasse. Es gibt in der herrschenden Klasse keine Unterstützung für die Verteidigung demokratischer Rechte. Das hat zuletzt Jeremey Corbyn, der Vorsitzende der britischen Labour-Partei, durch sein feiges Schweigen zur Haft von Assange bezeugt.

In krassem Gegensatz dazu hat die Socialist Equality Party weltweit Kundgebungen und Verteidigungsausschüsse zur Unterstützung von Julian Assange und Chelsea Manning organisiert. Ihr Leben hängt davon ab, dass Arbeiter und Jugendliche aufstehen und sich gegen die Parteien des Kapitals stellen, die für das Foltern dieser mutigen Kämpfer verantwortlich sind.

 

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