Mehr als die Hälfte der Millenials befürchtet einen Atomangriff innerhalb der nächsten zehn Jahre

Von Genevieve Leigh
10. Februar 2020

Im Januar veröffentlichte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) eine Studie, laut der eine Mehrheit der jungen Erwachsenen befürchtet, dass ein atomarer Angriff innerhalb der nächsten zehn Jahre sehr wahrscheinlich ist.

Für die Studie befragte das IKRK im Jahr 2019 16.000 Millennials (in dieser Studie definiert als Erwachsene zwischen 20 und 35 Jahren) in 16 Ländern: Afghanistan, Kolumbien, Frankreich, Indonesien, Israel, Malaysia, Mexiko, Nigeria, Palästina, Russland, Südafrika, Syrien, der Schweiz, Großbritannien, der Ukraine und den USA.

Die Hälfte dieser Länder befindet sich aktuell in einem militärischen Konflikt.

Die Studie des IKRK: Millennials über den Krieg [Illustrationen: Ipsos Interactive Services/Data Visualization Department und Francis Macard]

Für Millennials gelten Krieg und bewaffnete Konflikte als zwei der fünf wichtigsten Themen für Menschen auf der ganzen Welt. Bezeichnenderweise fallen für sie auch Arbeitslosigkeit und Armut in diese Kategorie.

Obwohl Medien und Politiker das Militär verherrlichen, lehnt die große Mehrheit der Jugendlichen und Arbeiter weltweit Krieg und Militarismus ab.

Unter Jugendlichen breitet sich die Erkenntnis aus, dass Atomwaffen eine unmittelbare Gefahr für die Menschheit darstellen. Laut der Studie lehnt die überwiegende Mehrheit der Millennials den Einsatz von Massenvernichtungswaffen in jeder Form (atomar, biologisch oder chemisch) und unter allen Umständen ab.

Mehr als drei Fünftel der Millennials haben die gleiche ablehnende Haltung gegenüber Landminen (63 Prozent) und Streubomben (64 Prozent).

Nachdem der US-Imperialismus und seine islamistischen Stellvertreter in Syrien seit neun Jahren Krieg schüren, zeigten die Millennials aus diesem Land verständlicherweise die größte Ablehnung gegenüber Massenvernichtungswaffen. 96 Prozent von ihnen erklärten, es sei nie vertretbar, chemische oder biologische Waffen einzusetzen; 98 Prozent bezeichneten den Einsatz von Atomwaffen als in keinem Fall vertretbar. In den letzten fünf Jahren haben die USA unter dem Vorwand des Kampfs gegen den IS einen direkten Bombenkrieg in Syrien geführt, der zur Zerstörung ganzer Städte führte.

Viele der Befragten beurteilten Krieg und Militarismus aufgrund von Erfahrungen aus erster Hand.

Quer durch alle 16 Länder, in denen die Studie durchgeführt wurde, erklärten 27 Prozent der Millennials, sie hätten direkte Erfahrungen mit Krieg und bewaffneten Konflikten. Als solche galten für diese Studie die Teilnahme an Kämpfen, Verwundungen, Flucht oder Vertreibung, der Verlust des Kontakts zu einem engen Verwandten oder jede andere Situation, die aufgrund eines bewaffneten Konflikts entstehen kann.

Wenn man nur die Länder berücksichtigt, in denen zurzeit militärische Konflikte stattfinden, steigt dieser Prozentsatz auf fast die Hälfte. Fast alle befragten syrischen Millennials (96 Prozent) haben Konflikte erlebt, in Afghanistan waren es mehr als die Hälfte.

Die verheerenden Folgen von Krieg und Militarismus haben sich in die Erfahrungen einer ganzen Generation eingebrannt. Millionen von Arbeitern und Jugendlichen wurden verstümmelt, gebrochen und gezeichnet. Generationen von Familien und Freunden sind von den Traumata betroffen, für die größtenteils der US-Imperialismus verantwortlich ist.

Die Studie des IKRK: Millennials über den Krieg [Illustrationen: Ipsos Interactive Services/Data Visualization Department und Francis Macard]

Trotz dieser schrecklichen Erfahrungen deutet vieles darauf hin, dass Jugendliche auf der ganzen Welt weiterhin mit Optimismus in die Zukunft blicken. Der Bericht des IKRK zeigt, dass eine klare Mehrheit der Millennials Kriege und bewaffnete Konflikte für vermeidbar halten.

Die International Youth and Students for Social Equality (IYSSE), die Jugend- und Studierendenorganisation der Socialist Equality Party, sprach mit jungen Menschen in den USA über viele der Themen, die in der Studie des IKRK erwähnt wurden. Wir fragten sie u.a. nach den Folgen der jahrzehntelangen Kriege für ihr Leben, ihrer Haltung zur Gefahr eines dritten Weltkriegs und vor allem, wie diese Gefahr ihrer Meinung bekämpft werden kann.

Der 32-jährige Sebastian von der University of California erklärte gegenüber den IYSSE: „Ein dritter Weltkrieg würde und könnte nur die vollständige und schnelle Zerstörung der Menschheit in ihrer jetzigen Form bedeuten.“

Weiter meinte er: „Die USA haben mein ganzes Leben über offen oder verdeckt Krieg geführt. Das betrifft verschiedene Regierungen und Parteien. Reagan hat eine Terrorkampagne in Mittelamerika geführt. George Bush senior hat Panama überfallen und den Golfkrieg begonnen. Clinton hat Haiti überfallen. George W. Bush hat den ,Krieg gegen den Terror‘ begonnen, der sich zum längsten Krieg entwickelt hat, den wir je geführt haben. Und Obama hat versprochen, die Kriege zu beenden, aber statt zwei Kriegen führen wir heute sieben.“

Sebastian erklärte weiter: „Ich bin gegen Krieg, weil ich glaube, er dient nur den Machthabern und opfert die Armen im Namen der Macht.“ Damit äußerte er eine Ansicht, die weltweit von Arbeitern und Jugendlichen geteilt wird.

Er fügte hinzu: „Ich glaube an Solidarität mit allen Menschen auf der Welt.“

Karsten

Karsten (20) aus New York, erklärte gegenüber der IYSSE: „Die herrschende Elite benutzt Krieg, um ihre persönlichen Vermögen zu vergrößern.“

Über den Zusammenhang zwischen den Kriegen im Ausland und den Angriffen auf Arbeiter im Inland erklärte Karsten, der Krieg diene der herrschenden Elite in doppelter Hinsicht: „Ich glaube, sie werden auf Krieg setzen, um die wachsenden Forderungen nach gesellschaftlichen Veränderungen unter Arbeitern und Jugendlichen zu unterdrücken.“

Karsten erklärte, er betrachte die Demokraten als Hindernis bei der Mobilisierung der Arbeiterklasse gegen Krieg: „Ich glaube, um gegen den Krieg zu kämpfen, muss die Arbeiterklasse mit der Demokratischen Partei und allen angeblich progressiven Elementen der Demokratischen Partei wie den DSA oder Sanders brechen.“

„Sanders hat sich als Teil des Establishments der Demokraten erwiesen. Wenn er gewählt würde, würde er in Wirklichkeit Kriege unterstützen. Er hat durch seine Stimmabgaben für die Finanzierung des Irakkriegs und den Krieg in Afghanistan bewiesen, dass er den US-Imperialismus unterstützt.“

Noel (19) aus Chicago erklärte, ein dritter Weltkrieg „wäre eine globale Katastrophe von einem Ausmaß, wie wir sie noch nie und wahrscheinlich auch nie wieder erleben werden“.

Über den richtigen Weg im Kampf gegen Krieg erklärte sich Noel mit den Positionen der IYSSE einverstanden: „Wir können nur durch eine wirklich vereinte Massenbewegung der Arbeiterklasse einen dritten Weltkrieg verhindern.“

Weitere Interviews mit Jugendlichen und Studenten in den USA über den Kampf gegen Krieg sind in einem von uns veröffentlichten Video zu sehen. Die IYSSE ruft alle Jugendlichen und Studierenden, die gegen Krieg, Militarismus und Diktatur und für Sozialismus, Gleichheit und Frieden kämpfen wollen, dazu auf, sich noch heute der IYSSE anzuschließen.

 

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