Fiat Chrysler-Arbeiter sind mit der korrupten UAW-Gewerkschaft konfrontiert

5. Dezember 2019

Gestern versammelten sich lokale Gewerkschaftsvertreter in Detroit, um den neuen Tarifvertrag zwischen der US-Autogewerkschaft UAW (United Auto Workers) und Fiat Chrysler abzusegnen. Der Vertrag orientiert sich an den miesen Vereinbarungen bei GM und Ford. Damit beginnt – so hofft die UAW – die letzte Phase in ihrem üblen Spiel mit den 155.000 Autoarbeitern bei General Motors, Ford und Fiat Chrysler, denen sie Verträge im Sinne der Konzerne aufdrückt.

Der Tarifkampf bei Fiat Chrysler findet unter außergewöhnlichen Bedingungen statt. Der UAW-Präsident war zum Rücktritt gezwungen gewesen, weil er Millionen an Mitgliedsbeiträgen unterschlagen hatte, um davon Golfausflüge, Aufenthalte in Luxusvillen und teure Dinners für UAW-Beamte zu bezahlen. Neun führende UAW-Vertreter und die Witwe des UAW-Vizepräsidenten, der die Fiat Chrysler-Abteilung leitete, wurden angeklagt oder verurteilt, weil sie Bestechungsgelder angenommen oder Gewerkschaftsvermögen gestohlen hatten. Und die Untersuchung ist erst zur Hälfte abgeschlossen, wie die Staatsanwaltschaft mitteilt.

In einer Klage vor einem Bundesgericht warf GM seinem Konkurrenten Fiat Chrysler vor, er habe einen unfairen Wettbewerbsvorteil erlangt, weil er „nach dem Muster illegaler Geschäftspraktiken ein Interesse an und/oder eine Kontrolle über die UAW erworben und aufrechterhalten hat“. UAW-Vizepräsidentin Cindy Estrada, die derzeit die Verhandlungen mit Fiat Chrysler führt, wurde bereits mit systematischer Korruption im UAW-Personalzentrum bei General Motors in Verbindung gebracht.

Gary Jones (links), ehemaliger UAW-Präsident, und Mark Stewart, CEO bei Fiat Chrysler Automobiles North America, sprechen bei der Eröffnung ihrer Tarifgespräche in Auburn Hills, Michigan (Quelle: AP Photo/Paul Sancya)

Zahlreiche pseudolinke Organisationen bestehen darauf, dass Autoarbeiter keine andere Wahl haben, als die Autorität der UAW als ihre vermeintlichen „Vertreter“ anzuerkennen – egal, was die Gewerkschaft macht. Diese Gruppen werden nicht müde, die Socialist Equality Party zu verurteilen, weil sie die Arbeiter auffordert, Aktionskomitees zu bilden, die unabhängig von der UAW für ihre Interessen kämpfen.

Man muss sich die Frage stellen: Was soll die UAW denn noch tun, damit sie nicht mehr als „Arbeiterorganisation“ gilt? Man beurteilt eine Organisation nicht danach, wie sie sich selbst bezeichnet, sondern danach, was sie ist und was sie tut. In ihrem gesamten Verhalten hat die UAW bewiesen, dass sie eine kriminelle Organisation und ein Arm der Konzernführung ist.

Für Bestechungsgelder haben die UAW-Führer die Jobs, Löhne und Arbeitsbedingungen der Autoarbeiter preisgegeben und so die Arbeiter und ihre Familien ins Elend gestürzt.

In den letzten 40 Jahren – beginnend mit dem Bailout von Chrysler 1979, als der UAW-Präsident in den Vorstand des Unternehmens aufrückte, – hat die UAW mit jedem neuen Tarifvertrag weitere Einschnitte ausgehandelt. Die Reallöhne wurden um mehr als 50 Prozent gesenkt, über 600.000 Arbeitsplätze wurden zerstört und Detroit, Cleveland, Dayton und andere Städte wurden deindustrialisiert.

Die UAW hat alles getan, um den Widerstand der Arbeiterklasse zu unterdrücken, indem sie die Tarifverträge mithilfe von Drohungen und Betrug durchsetzte. Wenn sie doch gezwungen war, einen Streik auszurufen – so wie bei dem 40-tägigen GM-Ausstand in diesem Jahr –, dann nicht, um gegen den Konzern zu kämpfen, sondern um die Beschäftigten mit einem lumpigen Streikgeld zu zermürben und die Forderungen der Unternehmensleitung durchzusetzen.

Die UAW spielt die Arbeiter verschiedener Länder, Unternehmen, Standorte sowie Alters- und Lohngruppen systematisch gegeneinander aus. Statt sie zu vereinen, spaltet die Gewerkschaft die Arbeiterklasse.

Schikanen gegen Arbeiter wurden von der UAW immer wieder gebilligt – so zuletzt die Kündigung Dutzender Autoarbeiter unmittelbar nach dem GM-Streik. Einige von ihnen hatten über zwanzig Jahre im Betrieb gearbeitet und wurden wegen „streikbezogener Aktivitäten“, darunter sogar Posts in sozialen Medien, entlassen. Die UAW schwieg auch, als sieben mutige GM-Arbeiter im mexikanischen Silao gefeuert wurden, weil sie sich während des Streiks in den USA geweigert hatten, zusätzliche Arbeit zu übernehmen.

Obwohl die Zahl der UAW-Mitglieder um Hunderttausende gesunken ist, wuchs das Vermögen der Gewerkschafter, weil Milliarden legaler und illegaler Bestechungsgelder von den Autokonzernen auf den Bankkonten der UAW-Funktionäre landeten.

Leo Trotzki, der große Marxist und Internationalist, schrieb 1937 im Bezug auf den amerikanischen Gewerkschaftsverband AFL, dass die Gewerkschaften trotz ihrer Verteidigung des kapitalistischen Privateigentums als „Arbeiterorganisationen“ bezeichnet werden können, wenn sie gezwungen seien, „in begrenztem Umfang den Kampf der Arbeiter um die Erhöhung ihres Anteils am Nationaleinkommen – oder wenigstens gegen die Verringerung ihres Anteils – zu führen“.

Verteidigten die Gewerkschaften jedoch „die Einkünfte der Bourgeoisie gegen alle Angriffe der Arbeiter, d. h. führten sie einen Kampf gegen Streiks, gegen Lohnerhöhungen und gegen die Arbeitslosenunterstützung, dann hätten wir eine gelbe Organisation und keine Gewerkschaft vor uns“. [„Weder proletarischer noch bürgerlicher Staat?“, in: Trotzki Werke Bd.1.2, Hamburg 1988, S. 1124–26]

Ist nicht völlig eindeutig, dass die UAW genau das macht und repräsentiert? Sie ist zudem nur ein besonders krasses Beispiel für eine allgemeine Entwicklung, die für den ganzen Gewerkschaftsverband AFL-CIO gilt. Die Demokratischen Sozialisten von Amerika (DSA) und andere Organisationen, die darauf bestehen, dass die Arbeiter den Würgegriff der Gewerkschaften akzeptieren müssen, tun dies nicht trotz, sondern wegen ihrer Rolle bei der Unterdrückung des Klassenkampfes.

Vom Boom an den Aktienmärkten, der durch den Rückgang des Lebensstandards der Arbeiter ermöglicht wurde, haben besonders die oberen Mittelschichten profitiert, aus denen sich die DSA und ähnliche Organisationen rekrutieren. Außerdem können sie auch für sich selbst auf lukrative Positionen innerhalb des Gewerkschaftsapparates hoffen.

Für die Arbeiter stellt sich die Frage, was zu tun ist. Es wird nicht an Bemühungen fehlen, die Glaubwürdigkeit der UAW durch eine Regierungsübernahme oder interne Umstrukturierungen wiederherzustellen.

Während die Arbeiter zu Recht die Verfolgung korrupter UAW-Funktionäre begrüßen, müssen sie sich vor den Manövern der Trump-Regierung hüten, die nicht eingreift, um die Arbeiter gegen diese Angriffe zu stärken.

Dies wurde in einem Interview deutlich, das die Detroit News diese Woche mit dem US-Rechtsanwalt Matthew Schneider geführt hat. Schneider war von Trump zum Bundesstaatanwalt für Michigan ernannt worden und leitet die Korruptionsuntersuchung bei der UAW. Er erklärte in dem Interview, dass eine Form der Treuhandverwaltung „nicht vom Tisch ist“, und machte deutlich, dass das Justizministerium die UAW so umstrukturieren will, dass sie ein noch willfährigeres Instrument in den Händen der Konzerne wird.

Als Modell für die gewerkschaftliche Zusammenarbeit verwies Schneider auf die Rolle der Gewerkschaften während der Zwangsinsolvenz in Detroit, als sie sich auf einen beispiellosen Angriff auf die Renten der öffentlichen Angestellten geeinigt hatten.

Einen angeblichen Reformer an die Spitze der UAW zu setzen, würde den Charakter dieser Organisation ebenso wenig ändern. Die Umwandlung der Gewerkschaft in ein korruptes Instrument des Managements ist das Ergebnis ihrer jahrzehntelangen Zusammenarbeit mit den Auto-Bossen, ihrer Verteidigung des kapitalistischen Systems und ihres reaktionären nationalistischen Programms.

Autoarbeiter brauchen neue Organisationen – Betriebskomitees –, die von den klassenbewusstesten und militantesten Arbeitern geleitet werden und der demokratischen Kontrolle der Belegschaft unterliegen. Diese Komitees werden nicht das „Recht“ der Konzerne akzeptieren, Werke zu schließen und Arbeiter zu entlassen oder zu schikanieren. Stattdessen müssen sie die gemeinsamen Interessen der Arbeiter durchsetzen und für die Demokratie im Betrieb und die Arbeiterkontrolle über die Produktion und die Sicherheitsbedingungen kämpfen.

Der WSWS Autoarbeiter Newsletter ruft alle Arbeiter bei Fiat Chrysler auf, Betriebskomitees zu gründen, um den Widerstand gegen den Tarifvertrag, den ihnen die UAW aufzwingen will, vorzubereiten und zu organisieren.

Die transnationalen Konzerne verfolgen bei ihren Angriffen auf die Arbeiter eine globale Strategie. Um einen echten Kampf gegen sie aufzunehmen, brauchen Autoarbeiter ihre eigene globale Strategie, bei der sie sich über alle Grenzen hinweg vereinen und ihre Kämpfe koordinieren. Dieser Schritt muss Teil des Aufbaus einer sozialistischen Massenbewegung sein, um die kapitalistische Ausbeutung zu beenden und die Produktion und Verteilung weltweit nach den Bedürfnissen der Menschen und nicht dem privaten Profit neu zu organisieren.

Jerry White

 

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