Roger Waters im Interview mit RT: „Die USA und Großbritannien versuchen Julian Assange umzubringen“

Von Kevin Reed
4. November 2019

Am 25. Oktober gab der berühmte Rockmusiker Roger Waters dem russischen Fernsehsender Russia Today (RT) ein ausführliches Interview. Darin verurteilte er die rechtswidrige Inhaftierung von Julian Assange und bekräftigte seine Forderung, den Herausgeber und Gründer von WikiLeaks freizulassen.

Julian Assange hat WikiLeaks im Jahr 2006 gegründet und später umfangreiche Beweise für US-Kriegsverbrechen im Nahen Osten und andere Vergehen auf der ganzen Welt veröffentlicht. Obwohl Assange gegen kein Gesetz verstoßen und keines Verbrechens schuldig befunden wurde, sitzt er derzeit im Londoner Gefängnis Belmarsh ein. Ihm droht die völkerrechtswidrige Auslieferung an die USA, wo ihm der Prozess gemacht werden soll. In erster Linie wird ihm vorgeworfen, gegen das Anti-Spionagegesetz verstoßen zu haben, das aus dem Jahr 1917 stammt.

Roger Waters im Gespräch mit Afshin Rattansi in der RT-Sendung „Going Underground“ am 25. Oktober

Der ehemalige britische Diplomat und Menschenrechtsaktivist Craig Murray veröffentlichte vor Kurzem einen Blog-Beitrag mit dem Titel „Assange vor Gericht“, in dem er den Zustand des Journalisten während des Schauprozesses im Amtsgericht Westminster am 21. Oktober beschrieb: „Als er nach seinem Namen und Geburtsdatum gefragt wurde, musste er sich mehrere Sekunden lang sichtlich anstrengen, um sich an beides zu erinnern. ... Er tat sich wirklich schwer, die Worte zu artikulieren und sich zu besinnen.“

In der RT-Sendung „Going Underground“ sprach Roger Waters per Live-Schaltung aus New York City mit Afshin Rattansi in London. Er verurteilte Assanges Verfolgung durch die britische und US-amerikanische Regierung: „Sie tun ganz eindeutig alles, um ihn umzubringen... Julian Assange soll anderen Journalisten zur Warnung dienen: ,Wenn ihr die Wahrheit sagt, vor allem über die Herrschenden, werden wir euch kriegen.‘ Diese Message wird transportiert.“

Auf Rattansis Frage „Glauben Sie, man wird ihn umbringen?“, antwortete Waters: „Sie sind bereits dabei.“

Zur Ablehnung von Assanges Antrag, die Anhörung zu seiner Auslieferung um drei Monate zu verschieben, erklärte Waters: „Ich bin gleichermaßen erstaunt und entsetzt. Das Verfahren am Amtsgericht vor ein paar Tagen war wie ein Alptraum. Angesichts der Tatsache, dass so etwas in einem englischen Gerichtssaal passiert, schäme ich mich dafür, ein Engländer zu sein.“

Waters erklärte, dass das Auslieferungsabkommen zwischen den USA und Großbritannien im Falle politischer Straftaten oder Anschuldigungen eigentlich nicht anwendbar ist: „Ich weiß nicht, aus welchen anderen Gründen sie versuchen, Assange auszuliefern, aber es ist offensichtlich ein abgekartetes Spiel.“

Als Afshin Rattansi darauf hinwies, dass nicht einmal die britischen Abendnachrichten über die Anhörung berichteten, erzählte Waters von seinen gemeinsamen Auftritt mit John Pilger bei einer Kundgebung am 2. Oktober vor dem britischen Innenministerium, bei der Assanges Freilassung gefordert wurde: „Ich habe vor den etwa 1.000 Anwesenden meinen Song ,Wish You Were Here‘ vorgetragen und eine Rede gehalten; John hat eine sehr gute Rede gehalten. Julians Bruder hat ebenfalls gesprochen, und die westlichen Medien haben kein einziges Wort über die Veranstaltung verloren. ... Wir bekommen hier ein sehr, sehr einseitiges Narrativ.“

Danach kam Waters auf die Gründe für die Verfolgung Assanges zu sprechen: „Wie ich schon gesagt habe, an ihm wird ein Exempel statuiert, um alle anderen potenziellen Journalisten zu Tode zu erschrecken, damit sie nicht aufstehen und die Wahrheit über Kriegsverbrechen und andere Dinge berichten, von denen unsere Regierungen nicht wollen, dass darüber berichtet wird. Sie wollen das alles geheim halten.

Assange ist einer der wichtigen Herausgeber, die das Risiko auf sich nehmen, uns, die Bevölkerung über die Realitäten zu informieren, weil es unser Recht ist, sie zu kennen. Von dieser Sorte gibt es herzlich wenige, und deshalb ist er so wichtig für uns alle. Sie verurteilen ihn zur schwerstmöglichen Strafe, weil er aus der Reihe getanzt ist und seine Arbeit als Journalist gemacht hat.“

Rattansi lenkte das Interview auf die Frage nach Assanges Gesundheitszustand und erklärte, John Pilger sei vor Kurzem in seiner Sendung „sichtlich erschüttert“ darüber gewesen, dass Julian Assange „kaum in der Lage war zu sprechen“. Waters antwortete darauf: „Ich war vor zwei Tagen nicht im Gerichtssaal, aber ich habe Craig Murrays Schilderung der Ereignisse gelesen, und er war erschüttert über das, was er sah...

Nach allen Schilderungen, die ich gelesen habe, zeigt er alle Symptome eines Menschen, der monatelang regelmäßig gefoltert wurde. Er sieht aus wie Menschen, die nach monatelanger Folter blinzelnd aus dem Verlies herauskommen. Man kann sehen, dass er sehr schwach ist und dass die Gefahr besteht, dass sie seinem Leben noch vor der Auslieferungsanhörung ein Ende setzen.“

Danach ging Waters auf die allgemeineren historischen Fragen bei der Verfolgung von Assange ein: „Die Sache macht die Vorstellung, dass wir in Großbritannien einen Rechtsstaat haben, zur Farce. Es ist, als hätte es nie eine Magna Charta gegeben. Es zeigt einfach, dass das Recht – das Amtsgericht und das Recht – nur Werkzeuge der Herrschenden sind, in diesem Fall die USA.

Sie haben im Amtsgericht die Fäden bei [Richterin] Vanessa Baraitser gezogen, und sie hat reagiert wie eine Marionette. Sie hat alles getan, was sie ihr befohlen haben, und alles gesagt, was sie sagen sollte. Kronanwalt James Lewis, der die US-Regierung vertrat, musste sie nur ein bisschen anschubsen.“

Es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln, dass die britische und die US-amerikanische Regierung den plötzlichen Tod von Julian Assange im Gefängnis einem langen Gerichtsverfahren vorziehen würden. Bei einem Gerichtsverfahren würden vor der ganzen Welt Fakten präsentiert, die seine Unschuld in allen Anklagepunkten beweisen, und es würde betont, dass er als Journalist gehandelt hat.

Alles, was die Behörden Assange angetan haben – die falschen Anschuldigungen wegen sexuellem Missbrauch, die Verleumdungskampagne in den Medien, sein erzwungenes, fast siebenjähriges politisches Asyl in der ecuadorianischen Botschaft in London und seine lange Isolationshaft in Belmarsh – verfolgt das Ziel, ihn zu brechen und zu zerstören.

Wie Roger Waters erklärt hat, war der Zweck des Angriffs auf Julian Assange, alle anderen einzuschüchtern, die es wagen, die Kriegsverbrechen und die wirtschaftliche Korruption des US-amerikanischen und britischen Imperialismus mit umfangreichen dokumentarischen Beweisen zu entlarven.

Die Arbeiterklasse in allen Ländern muss dringend den Kampf gegen die Auslieferung von Julian Assange in die USA und für seine Freiheit aufnehmen. Diese Aufgabe ist von zentraler und entscheidender Bedeutung als Teil der weltweit wachsenden Kämpfe der Arbeiter und Jugendlichen gegen Austerität, Krieg und den Angriff auf demokratische Grundrechte.

 

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