Wie kann die rechte Gefahr gestoppt werden?

Christoph Vandreier präsentiert „Warum sind sie wieder da?“ auf der Frankfurter Buchmesse

Von unseren Reporter
22. Oktober 2019

„Der Rechtsruck kommt weder aus dem Osten noch von der Mehrheit der Bevölkerung, sondern von oben, von den herrschenden Eliten, die ihre Politik von Krieg und sozialer Ungleichheit durchsetzen wollen.“ Mit diesen Worten begann Christoph Vandreier auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse die Vorstellung seines Buchs „Warum sind sie wieder da?“.

Vandreiers Buchvorstellung auf der Frankfurter Buchmesse

Gespannt folgten der Buchvorstellung des Mehring-Verlags am Samstagvormittag mehr als achtzig Teilnehmer. Das Buch hatte offenbar einen Nerv getroffen. Alle Plätze waren besetzt und viele weitere drängten sich vor der Bühne, obwohl für den Termin gleich zu Beginn des ersten Publikumstags der Messe kaum geworben werden konnte.

Mit dem Terroranschlag in Halle erlangte das Thema des Buches erneut brennende Aktualität. Millionen Menschen fragen sich, wie es zum Anwachsen der Rechten kommen konnte und wie sie bekämpft werden können.

Dazu Vandreier am Samstag: „Wer über die AfD spricht, darf über die Bundesregierung nicht schweigen.“ In den letzten zwei Jahren habe die Große Koalition weite Teile des AfD-Programms in die Tat umgesetzt. Der Autor erinnerte an die Aufrüstung der Bundeswehr, an die Errichtung der ausländerfeindlichen „Ankerzentren“ und an die Aussage von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), dass die Migration die „Mutter aller Probleme“ sei.

Als er die Komplizenschaft des Verfassungsschutz mit der rechtsextremen Szene erwähnte, ging ein Raunen durch die Reihen. Diese Behörde, berichtete Vandreier, „sieht jeden fortschrittlichen Gedanken, der sich gegen Krieg und Kapitalismus richtet, als verfassungsfeindlich an“. Als Beispiel zitierte er das Folgende aus einem Schriftsatz des Verfassungsschutzes: „Das Streiten für eine demokratische, egalitäre, sozialistische Gesellschaft steht im Widerspruch mit den zentralen Werten des Grundgesetzes.“ Eine solche Auffassung stehe voll und ganz in der Tradition des „Willensstrafrechts“ der Nationalsozialisten.

Die Buchvorstellung auf der Frankfurter Buchmesse

Vandreier wies nach, wie sehr solche rechtsradikale Positionen mittlerweile bei prominenten Akademikern gang und gäbe sind, an den Universitäten vertreten und über die Medien verbreitet werden. Der Autor sprach von einer „umfassenden rechten Agenda, um rechtsradikale Standpunkte an den deutschen Universitäten und in intellektuellen Kreisen wieder salonfähig zu machen“. Er ging auf das Beispiel des Humboldt-Professors Jörg Baberowski ein, der in Berlin einen rechtsradikalen Salon betreibt und zum Wortführer der neuen Rechten avancierte.

Wie Vandreier berichtete, hat sich nicht nur das Klima in der intellektuellen Elite verändert, sondern werden diejenigen, die diese rechte Wende und Geschichtsfälschungen kritisieren, offen angegriffen und als „Gesinnungsterroristen“ verleumdet. Dies äußerte der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes, Bernhard Kempen, wörtlich über die IYSSE, die Baberowski an der Humboldt-Universität kritisiert hatte.

Die ideologische Rechtswende der letzten Jahre sei sehr ernst zu nehmen, warnte Vandreier. „Nach dem Anschlag von Halle kann es überhaupt keinen Zweifel mehr daran geben, dass Deutschland ein massives Antisemitismus-, Faschismus- und Rechtsradikalismus-Problem hat!“ Dies sei keineswegs auf einige verwirrte Köpfe am rechten Rand beschränkt, sondern werde von den herrschenden Eliten bewusst unterstützt, so der Autor. „Dreißig Jahre nach dem Fall der Mauer zeigt der Kapitalismus wieder sein wahres Gesicht.“

Auf Vandreiers Beitrag folgte eine lebhafte Diskussion, die noch lange nach dem Vortrag in den Gängen der Messe um am Stand des Mehring Verlags fortgesetzt wurde.

Christoph Vandreier signiert Bücher am Stand des Mehring Verlags

Am Stand signierte der Autor anschließend Dutzende Exemplare seines Buchs „Warum sind sie wieder da?“. In dessen Einleitung heißt es: „Dieses Buch ist nicht vom Standpunkt eines neutralen Beobachters geschrieben, sondern als Beitrag zum Kampf gegen die Widerkehr des Militarismus und Faschismus. Es soll dazu beitragen, dass die Nürnberger Prozesse diesmal geführt werden, bevor es zur Katastrophe kommt, und nicht erst danach.“

 

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