„Wir werden uns nicht unterwerfen, und wir werden nicht klein beigeben“

Hunderte Autoarbeiter diskutieren bei Onlineveranstaltung über Streik bei GM und eine globale Strategie

Von Marcus Day und Evan Blake
23. September 2019

Am Donnerstagabend haben sich erneut mehr als 300 Arbeiter an einem Onlineforum des WSWS Autoworker Newsletter beteiligt, das am vierten Tag des Streiks gegen General Motors stattfand. Dieser Streik ist der längste landesweite Streik bei einem der drei großen Autokonzerne seit Jahrzehnten.

Die Veranstaltung begann mit einem Eröffnungsbericht des nationalen Sekretärs der US-amerikanischen Socialist Equality Party, Joseph Kishore. Darin erklärte er, der Streik von 46.000 GM-Arbeitern sei ein Wendepunkt im Klassenkampf und habe eine Welle von Begeisterung und Kampfbereitschaft entfesselt.

Weiter erklärte er: „Arbeiter müssen jedoch gewarnt werden. Die United Auto Workers haben keine Strategie für einen Sieg in diesem Streik, sondern für seine Niederlage. Wenn die UAW die Kontrolle über den Kampf behält, wird er isoliert und beendet und ein Tarifvertrag mit neuen Zugeständnissen durchgesetzt werden.“

Er erklärte, die UAW wolle den Streik isolieren, indem sie auf eine Mobilisierung der Arbeiter bei Ford und Fiat Chrysler verzichtet und die Arbeiter bei GM mit einem Streikgeld von 250 Dollar pro Woche aushungert, das sie zudem erst nach zwei Wochen Streik erhalten.

Im Gegensatz dazu skizzierte Kishore eine „Strategie für einen Sieg“ basierend auf der Organisation eines Netzwerks von Aktionskomitees der Streikenden. Diese müssen die Kontrolle über den Streik übernehmen, ihn auf alle Autoarbeiter ausdehnen und auf breitere Sektionen der Arbeiterklasse in den USA und der Welt zugehen.

Die Onlineforen der WSWS haben einen zunehmend internationalen Charakter angenommen. Am Donnerstag nahmen daran Arbeiter aus den USA, Mexiko, Kanada, Brasilien und dem Nahen Osten teil. Im Laufe der Onlineveranstaltung fand ein außergewöhnlicher Austausch zwischen mexikanischen, amerikanischen und brasilianischen Arbeitern statt. Die GM-Arbeiter aller Nationalitäten erklärten ihre Solidarität miteinander und riefen zur internationalen Einigkeit auf, um Widerstand gegen den globalen Konzern zu leisten.

Letzte Woche veranstaltete eine Gruppe von Arbeitern des GM-Werks im zentral-mexikanischen Silao eine Veranstaltung, um über die Schikanen und die Verfolgung von Arbeitern durch das Management und die Forderungen nach Produktionssteigerungen zu diskutieren, durch die der Produktionsausfall in den USA aufgrund des Streiks ausgeglichen werden sollte.

Mehrere Arbeiter aus Silao beteiligten sich an der Onlineveranstaltung am Donnerstagabend und appellierten direkt an die Arbeiter in den USA, sie zu unterstützen und einen gemeinsamen Streik gegen GM und die unternehmensfreundlichen Gewerkschaften in beiden Ländern zu führen.

Israel Cervantes, der seit 13 Jahren bei GM arbeitet, erklärte auf Spanisch: „Wir im Werk Silao organisieren uns, um die derzeitige Gewerkschaft CTM [Confederación de Trabajadores de México] loszuwerden, die uns vom Unternehmen aufgezwungen wurde. Statt den Arbeitern zu helfen, lässt sie sie im Stich und akzeptiert, dass das Unternehmen Vergeltungsmaßnahmen gegen sie ergreift.“

„Am 15. September trafen wir uns, um uns mit euch zu solidarisieren und Überstunden abzulehnen, mit denen das Unternehmen die Arbeit hereinholen will, die es durch den Streik in den USA verloren hat. Wir appellieren an euch, die Wiedereinstellung derjenigen zu fordern, die in den General-Motors-Werken Silao und San Luis Potosí entlassen wurden. Wir gehören dem gleichen Unternehmen an und leiden unter den gleichen Entbehrungen. Ich rufe alle Arbeiter in ganz Mexiko und der Welt auf, sich an diesem Kampf zu beteiligen.“

Ein anderer Arbeiter aus Silao erklärte: „Wir werden euren Kampf unterstützen, indem wir uns nicht zu höherer Produktivität zwingen lassen. Wir werden uns weiterhin in kleinen Gruppen organisieren wie die, die ihr Aktionskomitees nennt, um die Schikanen zu beenden, und vor allem um euren Kampf zu unterstützen und unsere Interessen zu verteidigen. Wenn der Arbeitgeber der Gleiche ist, sind es auch unsere Interessen. Wehrt euch, Kollegen, wehrt euch! Wir stehen an eurer Seite!“

Ein Arbeiter des GM-Montagewerks in Arlington sprach sich leidenschaftlich für einen gemeinsamen Kampf mit den Arbeitern in Silao aus: „Wenn wir Ergebnisse wollen, müssen wir lernen, uns zu organisieren und zu demonstrieren, weil wir eine gemeinsame Front bilden müssen. Es geht um mehr als um Geld. Wir kämpfen für unser Leben und die Zukunft unserer Kinder.“

„An meine Brüder in Silao, und an meine Familie in den USA: Lasst uns weitermachen mit dem, was wir tun müssen, und lasst sie wissen, dass wir uns nicht fügen und nicht klein beigeben werden.“

Abgesehen von den Autoarbeitern in Mexiko und Kanada beteiligte sich auch ein GM-Arbeiter aus Brasilien an dem Treffen und wies darauf hin, dass sie alle mit ähnlichen Bedingungen konfrontiert sind. Er erklärte: „Grüße aus Brasilien von den GM-Arbeitern aus Gravataí in Rio Grande do Sul. Auch bei uns ist die Gewerkschaft in den Händen einer Führung, die unsere Rechte aufgibt. Wir arbeiten uns kaputt für den Profit des Unternehmens, aber das wollen wir nicht mehr.“

Nach den Grußworten von GM-Arbeitern aus Mexiko und Brasilien verurteilten viele streikende Arbeiter die UAW, weil sie zum Streik aufgerufen hat, „ohne einen Plan zu haben“. Ein Arbeiter deutete an, der Streik solle von dem anhaltenden Korruptionsskandal ablenken, von dem fast die gesamte Führung der UAW betroffen ist. Sie haben von den Autokonzernen Bestechungsgelder kassiert und als Gegenleistung Tarifverträge unterzeichnet, die einen Ausverkauf bedeuteten.

Die zwei Amazon-Arbeiterinnen Michelle Quinones und Kim beteiligten sich ebenfalls an der Veranstaltung und äußerten ihre Unterstützung für die Autoarbeiter. Michelle erklärte: „Sie fördern diese Spaltung zwischen Gewerkschaftsmitgliedern und Nicht-Mitgliedern, aber die Bedingungen sind für uns alle die gleichen. Bei Amazon verweigern sie uns Dinge, auf die wir ein Anrecht haben, wie Entschädigungen, was mein Leben ruiniert hat. Aber bei GM und der UAW ist es genauso.“

„Ihr müsst stark bleiben. Die Konzerne werden die Nase vorne haben, wenn ihr wartet. Deshalb müsst ihr ihnen voraus sein. Wir müssen selbstlos sein. Ihr dürft nicht nachgeben.“

Bei den weiteren Diskussionen ging es um den Vorschlag des Autoworker Newsletter nach Aktionskomitees, auf die zahlreiche Arbeiter bei der Veranstaltung begeistert reagierten. Ein Autoarbeiter eines GM-Zulieferers aus Arlington (Texas) erklärte: „Das würde ich definitiv tun. Ich habe Familie und Freunde, die bei GM arbeiten, und ich bin bereit, mich solidarisch zu zeigen.“

Ein Arbeiter des Ford-LKW-Werks in Dearborn (Michigan) antwortete: „Das finde ich auch. Ich möchte mich eintragen und mit anderen Leuten in Kontakt kommen, um das alles zu verstehen, eine Führung in mehreren Werken zu haben und mit allen zu kommunizieren.“

„Bei uns in Wentzville gibt es auch einige, die an der Bildung eines Aktionskomitees interessiert wären“, erklärte ein Arbeiter aus dem GM-Werk im Vorort von St. Louis. „Wir wollen nur wissen, wie man das macht, und diese Diskussion ist der Weg, den ich gesucht habe. Ich kann ihnen sagen: ,Geht ins Internet, kommt zur Veranstaltung, geht in die sozialen Medien, damit wir das schaffen.‘“

In den Redebeiträgen herrschte Einigkeit über die Notwendigkeit, unabhängige Aktionskomitees zu bilden. Diese Perspektive gewinnt immer mehr an Unterstützung unter den streikenden Autoarbeitern und kann als Katalysator für die Vereinigung der verschiedenen Kämpfe der Arbeiterklasse in aller Welt dienen.

Der WSWS Autoworker Newsletter wird während dieses Streiks und danach alles in seiner Macht Stehende tun, um die Autoarbeiter beim Aufbau dieser Beziehungen und der Organisation von Widerstand unabhängig von der UAW zu unterstützen.

Am Donnerstag, den 26. September um 19:00 Uhr Ostküstenzeit (01:00 Uhr MESZ am Freitag, 27. September) organisiert der WSWS Autoworker Newsletter eine Onlineveranstaltung, um über das jüngste Stadium im Tarifkampf der Autoarbeiter zu diskutieren. Teilnahme unter wsws.org/autocallHYPERLINK "https://www.wsws.org/share/page/site/wsws/wsws.org/autocall".

 

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