US-Autoarbeiter legen General Motors lahm

17. September 2019

46.000 Arbeiter von General Motors sind am Sonntag um Mitternacht in den Streik getreten. Der Streik in 35 Werken in Michigan, Ohio, Indiana, Kentucky, Missouri, Tennessee, Kansas, Texas und New York wird GM jeden Tag bis zu 400 Millionen Dollar an Produktionsausfällen kosten.

Trotz hektischer Bemühungen, einen Streik zu vermeiden, kamen die Führer der United Auto Workers (UAW) – die als kriminelle und korrupte Agenten der Autokonzerne entlarvt worden sind – zu dem Schluss, dass sie nicht in der Lage waren, einen Massenstreik zu verhindern.

Die Ankündigung des Streiks wurde auf einer Pressekonferenz von UAW-Vizepräsident Terry Dittes vorgestellt. Demoralisiert und verängstigt, sprach Dittes, als ob er an einer Beerdigung teilnehmen würde.

Erst am Vortag hatte die UAW ihre Mitglieder angewiesen, gegenüber Hausmeistern der gleichen Gewerkschaft Streikbruch zu betreiben. Die UAW hat sich geweigert, Arbeiter zum Streik aufzurufen, die bei Ford und Fiat Chrysler beschäftigt sind, und versucht so gut wie möglich, keinesfalls die volle Kraft der Autoarbeiter zu mobilisieren.

Streikposten vor dem Montagewerk von General Motors Detroit-Hamtramck in Hamtramck, Michigan, am 16. September 2019. Etwa 49.000 Arbeiter von General Motors in den USA traten um Mitternacht in den Ausstand, aber die Gespräche zwischen der UAW und dem Automobilhersteller werden fortgesetzt. (Foto: AP/Alex Brandon)

Der Streik bei General Motors bedeutet eine wesentliche Eskalation des Klassenkampfs in den Vereinigten Staaten und international. Die mächtige soziale Bewegung, die im vergangenen Jahr mit den Streiks der Lehrer begann, weitet sich auf die industrielle Arbeiterklasse aus. Die jahrzehntelange Unterdrückung des Klassenkampfes, die von einem Bündnis aus Gewerkschaften, Unternehmen und der Regierung rücksichtslos durchgesetzt wurde, bricht zusammen.

Wenn die Arbeiter diesen Kampf beginnen, müssen sie das Schlachtfeld überschauen und eine Strategie entwickeln, die auf dem Verständnis basiert, wer ihre Verbündeten und wer ihre Feinde sind.

Die Arbeiter sind konfrontiert mit General Motors, dem Symbol der Macht des amerikanischen Kapitalismus, mit einer Marktkapitalisierung von 55 Milliarden Dollar. Aber GM ist selbst Teil einer global integrierten Automobilindustrie, die die Arbeit von Millionen von Arbeitern auf der ganzen Welt umfasst.

Jeder Kampf der Arbeiter hat eine politische Dimension, aber in diesem Fall ist die Politik besonders klar. Die Automobilindustrie ist seit vierzig Jahren das Ziel der Bemühungen von demokratischen und republikanischen Regierungen, die Unternehmensgewinne auf Kosten der Arbeiterklasse zu steigern.

Vor vierzig Jahren, im Jahr 1979, bestanden die demokratische Regierung von Jimmy Carter und ein von der Demokratischen Partei dominierter Kongress darauf, dass die Rettungsaktion für Chrysler massive Zugeständnisse der Arbeiter und die Schließung von Fabriken erfordere. Kurz darauf folgte die Entlassung der PATCO-Fluglotsen durch die republikanische Reagan-Regierung, die einen Großangriff auf die gesamte Arbeiterklasse begann.

Im Jahr 2009 bestand die Obama-Regierung darauf, die Löhne aller Neueinstellungen im Rahmen der Umstrukturierung der Automobilindustrie zu halbieren. Die unter Obama verhängten Massenentlassungen, Werksschließungen und Lohnkürzungen führten zu Rekordgewinnen für die Automobilhersteller.

In diesen vier Jahrzehnten der sozialen Konterrevolution haben GM, Ford und Chrysler 600.000 Jobs in der Autoindustrie abgebaut, nur noch 158.000 Arbeitsplätze sind übrig geblieben. Das Gehalt eines neu eingestellten Autoarbeiters ist um die Hälfte gesunken.

Die Ausweitung der Unternehmensgewinne durch die Verarmung der Arbeiter ist das Grundgesetz des kapitalistischen Systems. Der Profit fällt nicht wie Manna vom Himmel: Er wird am Produktionsort aus der Arbeiterklasse herausgezogen. Der von den Arbeitern durch den Arbeitsprozess geschaffene Wert wird an die Kapitalisten verteilt, die sie ausbeuten.

Der ungerechte und ausbeuterische Charakter dieses Systems wird deutlich durch die Gehälter der Führungskräfte in der Autoindustrie und die Milliarden von Dollar, die an Investoren in Form von Gewinnen ausgezahlt werden.

Die CEO von GM, Mary Barra, mit ihrem Jahresgehalt von 21,87 Millionen Dollar verdient an einem Tag doppelt so viel wie ein neu eingestellter Autoarbeiter in einem Jahr. GM verzeichnete im vergangenen Jahr einen Gewinn von 11,8 Milliarden Dollar. Seit 2015 hat das Unternehmen mehr als zehn Milliarden Dollar für Aktienrückkäufe ausgegeben.

Die Behauptung, GM habe kein Geld, um die Forderungen der Arbeiter nach der Wiederherstellung ihrer Löhne und Leistungen zu erfüllen, sollte mit Verachtung zurückgewiesen werden.

Selbst wenn die Arbeiter gegen die Konzerne, die Regierung und das kapitalistische System als Ganzes kämpfen, ist ihr entschlossenster Feind gerade die Organisation, die behauptet, sie zu vertreten – die bestochene und korrumpierte Gewerkschaft United Auto Workers.

Der endlose Verrat der Interessen der Arbeiter durch die UAW fand seinen Höhepunkt in der Jauchegrube der Korruption, in der die gesamte Führung versunken ist, vom Management bestochen mit Millionen von Dollar.

Alles, wogegen die Arbeiter jetzt kämpfen – von der Werksschließung bis zum Hungerlohn und dem mehrstufigen Lohn- und Sozialleistungssystem –, ist das Ergebnis der von der UAW durchgesetzten Zugeständnisse. Zu glauben, dass sich das jetzt ändern wird, bedeutet, sich den gefährlichsten Illusionen hinzugeben.

Während die UAW-Bürokraten nachweislich Millionen von Dollar an Arbeitergeldern für Golfausflüge, Zigarren, Whiskey und Prostituierte ausgegeben haben, hat die UAW angekündigt, dass Arbeiter ein miserables Streikgeld von 250 Dollar pro Woche erhalten werden – und selbst das erst nach der ersten vollen Woche eines Streiks.

Den GM-Arbeitern stehen viele Feinde gegenüber, aber sie haben auch mächtige Verbündete.

Autoarbeiter genießen die überwältigende Unterstützung und Sympathie der arbeitenden Bevölkerung in Amerika. Die ausbeuterischen Bedingungen, gegen die die Autoarbeiter kämpfen, werden von Millionen von Arbeitern im ganzen Land empfunden, die selbst ihre Löhne und Leistungen gekürzt und zerstört bekommen haben und die schlechter behandelt werden als die Maschinen, die sie bedienen.

Die Arbeiter von GM müssen ihre Schwestern und Brüder bei Ford und Fiat Chrysler auffordern, sich ihrem Streik anzuschließen, um die gesamte US-Autoindustrie zu bestreiken und maximalen wirtschaftlichen und politischen Druck auf die Auto-Bosse auszuüben.

Ebenso wichtig ist es, dass die Arbeiter um die Unterstützung von Arbeitern und Jugendlichen im ganzen Land und auf der ganzen Welt werben – Unterstützung, die sie bereitwillig erhalten werden.

Der Streik bei GM ist die jüngste Etappe einer globalen Streikwelle. Der Streik der US-Autoarbeiter findet im Kontext einer internationalen Bewegung der Arbeiterklasse statt. Erst letzte Woche streikten 8.000 GM-Arbeiter in Korea, und französische Transportarbeiter bestreikten am Freitag die U-Bahn von Paris. Im vergangenen Jahr haben Autoarbeiter in Indien und Mexiko mächtige Streiks geführt. In Frankreich, Puerto Rico und Hongkong haben sich Arbeiter und Jugendliche an Massendemonstrationen zur Verteidigung ihrer sozialen und demokratischen Rechte beteiligt.

Der Kampf kann nur erfolgreich sein, wenn er der Kontrolle der UAW-Verräter entrissen wird. Die Beschäftigten müssen Komitees wählen, um den Streik zu organisieren und auszuweiten.

Diese Komitees müssen folgende Forderungen stellen:

Eine 40-prozentige Gehaltserhöhung, um Jahrzehnte von Lohnausfällen aufgrund illegitimer Zugeständnisse der korrupten UAW und der Unternehmen, die sie bestochen haben, wiederherzustellen.

Beendet das mehrstufige Lohn-System! Für Gleichstellung am Arbeitsplatz! Alle Arbeiter, einschließlich Teilzeit- und Leiharbeitern, müssen unverzüglich auf Spitzenlöhne und -sozialleistungen umgestellt werden.

Für die Wiederherstellung aller Jobs! Für die Wiederöffnung von Lordstown und anderer geschlossener Werke! Für die Wiedereinstellung aller entlassenen und diskriminierten Arbeiter! Stoppt alle Werksschließungen und Entlassungen!

Ehre den Rentnern! Alle Kürzungen bei der Gesundheitsversorgung und den Renten müssen rückgängig gemacht werden.

Für Demokratie in der Fabrik! Für Arbeiterkontrolle über Produktion, Bandgeschwindigkeit und Sicherheit.

750 Dollar Streikgeld pro Woche! Der UAW kontrolliert zusammen mit dem AFL-CIO Milliarden Dollar an Vermögenswerten, mit denen sie teure Reisen finanzieren und sechsstellige Gehälter an Tausende von Führungskräften zahlen. Diese Mittel, die aus Beiträgen und Betriebsrenten geplündert wurden, müssen jetzt ausgezahlt werden!

In diesem Kampf versprechen die Sozialistischen Gleichheitsparteien des Internationalen Komitees der Vierten Internationale, die den Autoworker Newsletter herausgeben und die World Socialist Web Site veröffentlichen, den Arbeitern ihre volle Unterstützung.

Die Socialist Equality Party und die SGP werden alles in ihrer Macht Stehende tun, um eine neue kämpferische sozialistische Führung in der Arbeiterklasse aufzubauen. Wir werden den Arbeitern die Informationen zur Verfügung stellen, die sie benötigen, um ihren Kampf zu organisieren, die strategischen Fragen zu diskutieren und Kundgebungen im ganzen Land und international abzuhalten.

Die SGP ruft Arbeiter in Deutschland und Europa dazu auf, den Streik ihrer Kollegen und Kolleginnen in den USA zu unterstützen. Sie wird ihre Ressourcen zur Verfügung stellen, um Verbindungen zwischen Autoarbeitern in Deutschland und den USA aufzubauen und die Kämpfe international zu koordinieren und zu entwickeln.

der Redaktion

 

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