Jeremy Hammond soll gegen Julian Assange aussagen

Von Kevin Reed
5. September 2019

Der inhaftierte Informationsaktivist Jeremy Hammond, der eine 10-jährige Gefängnisstrafe verbüßt, weil er im Jahr 2011 in die Computer des privaten Informationsdiensts Stratfor eingedrungen war, wurde vor eine geheime Grand Jury der amerikanischen Bundesregierung vorgeladen. Er soll vermutlich gezwungen werden, gegen den Gründer und Verleger von WikiLeaks, Julian Assange, auszusagen.

In einer am Dienstag veröffentlichten Erklärung teilte das Unterstützungskomitee für Jeremy Hammond mit: „Mit großer Trauer und Wut geben wir bekannt, dass Jeremy Hammond in den Eastern District of Virginia gebracht wurde, um vor einer Grand Jury auszusagen. Wegen der Geheimhaltung von Grand Jury-Verfahren kennen wir weder Art noch Umfang der Grand-Jury-Untersuchung. Wir gehen jedoch davon aus, dass dies die gleiche Grand Jury ist, wegen der Chelsea Manning derzeit inhaftiert ist, weil sie sich weigert, vor ihr gegen Julian Assange auszusagen.“

Jeremy Hammond

Hammond wurde Ende letzter Woche aus dem Bundesgefängnis in Memphis (Tennessee) verlegt. Am 31. August berichtete das Unterstützungskomitee über Twitter, dass Hammond in das Federal Transfer Center in Oklahoma City, überführt worden sei. Damals war nicht klar, warum man ihn verlegt hatte.

Am Dienstagmorgen berichtete die Gruppe, dass Hammond zum William G. Truesdale Detention Center überstellt worden sei, d.h. an den gleichen Ort, an dem Chelsea Manning derzeit im Gefängnis sitzt, weil sie sich weigert, vor der Grand Jury auszusagen. Manning wurde vor sechs Monaten von US-Bezirksrichter Claude Hilton wegen Missachtung des Gerichts ins Gefängnis gesteckt. Damals sagte Manning, sie werde „alle Folgen akzeptieren, die das für mich bedeutet“.

Der 34-jährige „Hacktivist“ Hammond, der der Protestgruppe Anonymous angehört, ist ein Anarchist aus Chicago. Die Bundesregierung versucht nun, ihn zu brechen und die Tatsache auszuspielen, dass er für eine mögliche vorzeitige Entlassung vorgesehen war, weil er in dem Bundesgefängnis in Memphis an einem Residential Drug Abuse Program (RDAP) teilgenommen hat. Aufgrund seines Umzugs und seines Ausscheidens aus dem RDAP-Programm steht Hammond vor dem möglichen Verlust seiner Freilassung im Dezember und wird wahrscheinlich gezwungen sein, weitere zwei Jahre hinter Gittern zu verbringen.

Hammond wurde ursprünglich im März 2012 vom FBI in Chicago verhaftet und wegen Verschwörung zum Hacken angeklagt. Zuerst hatte er sich nicht schuldig bekannt. Zehn Wochen später änderte Hammond sein Plädoyer auf schuldig, nachdem ihm Staatsanwälte mit einer 30-jährigen Haftstrafe gedroht hatten.

Im Dezember 2011 hackte Hammond mit andern zusammen den Nachrichtendienst Strategic Forecasting (Stratfor) in Austin (Texas) und reichte mehrere Millionen E-Mails an WikiLeaks und andere Medien weiter. Die 5,5 Millionen E-Mails wurden von WikiLeaks als „Global Intelligence Files“ veröffentlicht. Sie enthüllten die Zusammenarbeit der Unternehmen bei der staatlichen Überwachung innenpolitischer Aktivitäten der Occupy Wall Street Demonstranten durch die Regierung.

Schon als Hammond das College in Glendale Heights besucht hatte, kämpfte er gegen den Irak-Krieg und organisierte einen Schülerstreik. Im Alter von 18 Jahren gründete er die Website „HackThisSite“ und beschäftigte sich später mit dem „elektronischen zivilen Ungehorsam“. Zum Zeitpunkt seiner Verurteilung sagte Hammond: „Die Menschen haben ein Recht darauf zu wissen, was Regierungen und Unternehmen hinter verschlossenen Türen treiben.“

Hammonds Anhänger ziehen aus den drakonischen Verfahren im Eastern District of Virginia weitere Schlussfolgerungen. Sie schrieben am Dienstag: „Der eklatante Missbrauch des Grand Jury-Prozesses durch die US-Regierung in diesem Fall setzt ein klares Muster fort, bei dem Aktivisten, die offen die Wahrheit sagen, gezielt isoliert und bestraft werden … Wir müssen zusammenhalten und gemeinsam für Wahrheit und Transparenz sorgen und uns für diejenigen einsetzen, die den Höchstpreis dafür bezahlen.“

Julian Assange verbüßt wegen der Verletzung einer Kautionsauflage derzeit eine 50-wöchige Haftstrafe im berüchtigten Londoner Belmarsh-Gefängnis, während die Regierungen der USA und Großbritanniens Mittel und Wege suchen, um ihn nach Amerika auszuliefern. Ihm drohen 18 Anklagepunkte, darunter 17 nach dem Spionagegesetz, die die Todesstrafe oder eine Haftstrafe von 175 Jahren nach sich ziehen können. Weil WikiLeaks die Kriegsverbrechen des US-Imperialismus im Nahen Osten und auf der ganzen Welt enthüllt hat, verunglimpfen die amerikanische herrschende Klasse und ihre internationale Verbündeten Assange systematisch und setzen ihn einer massiven internationalen Verleumdungskampagne aus.

Weltweit werden die Forderungen nach Freilassung von Julian Assange lauter, wie zuletzt bei der Demonstration und dem Minikonzert des Musikers Roger Waters und des Investigativ-Journalisten John Pilger in London am 2. September. Deshalb verdoppelt der US-Bundesstaat seine Anstrengungen, den WikiLeaks-Herausgeber in CIA-Haft zu nehmen.

Arbeiter, Jugendliche und Studenten müssen alles daran setzen, Julian Assange, Chelsea Manning und Jeremy Hammond, diese Opfer staatlicher Verfolgung, zu verteidigen und für ihre Freiheit zu kämpfen.

 

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