Massenentlassungen für die Arbeiter – Millionen für CEOs von GM, Ford und Chrysler

Von Andre Damon
20. August 2019

Mit dem Auslaufen der Tarifverträge für 155.000 US-Autoarbeiter bei Ford, GM und Chrysler im nächsten Monat werden die Chefs der Autoindustrie wieder einmal fordern, dass die Arbeiter ihre eigenen Lebensgrundlagen für das „Wohl des Unternehmens“ opfern.

Schwierige wirtschaftliche Zeiten stehen bevor, werden die Unternehmen erklären. Die Autohersteller sind pleite und brauchen eine Kriegskasse, um sich einer turbulenten Weltwirtschaft zu stellen, einem verschärften globalen Wettbewerb und den Störungen, die durch fahrerlose Autos und Elektrofahrzeuge verursacht werden.

Wenn die Arbeiter nicht noch mehr Entlassungen sehen wollen – wie die Tausende, die in diesem Jahr bereits bei GM entlassen wurden –, dann sollten sie besser länger, härter und für weniger Geld arbeiten, wird es heißen. Die Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) – deren Führungskräfte Schmiergeld von den Autofirmen erhalten haben – wird sagen, dass die Arbeiter keine andere Wahl haben, als die Forderungen der Unternehmen zu akzeptieren.

Aber Tatsache ist, dass jeder Dollar, der den Arbeitern durch Lohnkürzungen abgenommen wird, für Aktienrückkäufe, Finanzspekulationen und die Yachten und Villen der Unternehmensbosse und der milliardenschweren Kapitalisten eingesetzt wird, deren Interessen sie vertreten.

Gehälter von CEOs steigen um 1000 Prozent

Dies wurde in einem neuen Bericht des Economic Policy Institute über die Bezahlung von Führungskräften deutlich. Er zeigte, dass die Vergütung von CEOs in den letzten vier Jahrzehnten bei den 350 größten Unternehmen um 1.000 Prozent gestiegen ist, während die Löhne der Arbeitnehmer stagnierten.

Der durchschnittliche CEO erhielt dem Bericht zufolge ein Gehalt von 17,2 Millionen Dollar. Das bedeutet, dass er oder sie an einem Tag so viel Geld verdient wie der durchschnittliche Arbeiter in einem ganzen Jahr.

Die CEO von General Motors, Mary Barra, personifiziert die soziale Ungleichheit, die die amerikanische Gesellschaft durchdringt. Letztes Jahr erhielt Barra 21,87 Millionen Dollar an Managergehältern. Das ist das 281-fache des Gehalts eines durchschnittlichen GM-Mitarbeiters und fast das 600-fache eines Einstiegsgehalts.

GM-Chefin Mary Barra – Credit: GM Promotional Photo

Im November kündigte Barra an, dass GM fünf Werke in den Vereinigten Staaten und Kanada schließen werde. Die Folge davon sind über 6.000 Entlassungen sowie die Schließung der Autowerke Hamtramck und Warren im Großraum Detroit.

Es folgte ein massiver Stellenabbau bei den Büroangestellten, der zum Verlust von 8.000 Arbeitsplätzen führte.

Die Gewinne des Unternehmens beliefen sich im vergangenen Jahr auf 10,8 Milliarden Dollar – genug, um die Jahresgehälter von rund 300.000 neu einzustellenden Mitarbeitern zu zahlen. Doch weil das Unternehmen Massenentlassungen durchführte, wurde das aus den Arbeitern herausgepresste Geld stattdessen an Führungskräfte und Aktionäre weitergeleitet.

Der CEO von Ford, Jim Hackett, erhielt im vergangenen Jahr 17,8 Millionen Dollar an Gehaltszahlungen, während der CEO von Fiat Chrysler, Mike Manley, im kommenden Jahr bis zu 14 Millionen Dollar verdienen wird. Matthew Simoncini, der CEO des Autozulieferers Lear, erhielt über 32,4 Millionen Dollar, ein Plus von 14 Prozent im vergangenen Jahr.

Der CEO von Tesla, Elon Musk, erhielt im vergangenen Jahr atemberaubende 2,2 Milliarden Dollar, um, wie es der Vorstand von Tesla formulierte, „Herrn Musk zu motivieren, Tesla langfristig weiterzuführen“.

Letztes Jahr kündigte Tesla an, dass es seine Belegschaft um neun Prozent reduzieren würde, gefolgt von weiteren sieben Prozent in diesem Jahr, ein andauerndes Job-Massaker.

In der gesamten Wirtschaft werden den Führungskräften Millionenbeträge gezahlt, um Massenentlassungen zu beaufsichtigen. Der CEO von US Steel, David B. Burritt, der im vergangenen Jahr über 11 Millionen Dollar erhalten hat, hat gerade Hunderte von Entlassungen angekündigt. Der Hochofen von U.S. Steel in Ecorse, Michigan, wurde inzwischen ausgeblasen.

Insgesamt erhielten die CEOs der 350 größten amerikanischen Unternehmen laut EPI-Bericht 278 Mal mehr als ein durchschnittlicher Mitarbeiter. Im Vergleich dazu wurde ein durchschnittlicher CEO im Jahr 1965 20 mal besser bezahlt als ein normaler Mitarbeiter.

Zwischen 1978 und 2018 wuchs die Vergütung der CEOs um über 1.000 Prozent oder mehr als das Zehnfache. Die Löhne der Arbeiter stiegen im gleichen Zeitraum nur um 11,9 Prozent.

Verhältnis der Gehälter von CEOs und Arbeitern: 278:1

Inmitten eines boomenden Aktienmarktes, der durch die Gelddruckpolitik der amerikanischen Zentralbank angetrieben wurde, ist die Vergütung der CEOs während der wirtschaftlichen „Erholung“ nach dem Finanzcrash 2008 um 50 Prozent gestiegen. Im gleichen Zeitraum stiegen die Löhne der Arbeiter nur um fünf Prozent. Nach Angaben des EPI sanken die Löhne zwischen 2017 und 2018 sogar.

Die soziale Ungleichheit nimmt seit Jahrzehnten zu, während es der Kapitalistenklasse gelang, die Löhne zu senken, die Gesundheitsversorgung der Arbeiter zu zerstören und die Arbeitsbedingungen zu verschlechtern.

Das ist ein globaler Prozess. In diesem Jahr wurde beispielsweise der französische Mode-Milliardär Bernard Arnault zur dritten Person mit einem Nettovermögen von über 100 Milliarden Dollar, nachdem er allein im vergangenen Jahr rund 25 Milliarden Dollar verdient hatte. Das Vermögen von Arnault beträgt nun drei Prozent der Wirtschaftsleistung des gesamten Landes in einem Jahr.

Die Antwort der amerikanischen herrschenden Klasse, insbesondere auf die Erosion der wirtschaftlichen Vorherrschaft des amerikanischen Kapitalismus in den späten 1960er und 1970er Jahren, war die Einführung einer Politik des Klassenkampfes, der De-Industrialisierung und Finanzialisierung. Die Rolle des „Promi-CEO“, verkörpert durch den früheren Chrysler-Chef Lee Iacocca, bestand darin, diesen Angriff anzuführen und als Vertreter der Wall Street in der Chefetage des Unternehmens zu fungieren – wofür sie gut bezahlt wurden und werden.

Die Gewerkschaften wurden zu Partnern der Kapitalisten in ihrem Kampf gegen die Arbeiter. Die UAW und andere Gewerkschaften stimmten unzähligen Werksschließungen, Massenentlassungen und Sozialkürzungen zu, und das alles im Namen der Stärkung der „Wettbewerbsfähigkeit“ der Unternehmen und der Verteidigung „amerikanischer Arbeitsplätze“. Sie haben sich längst zu Agenten der Unternehmen und des Staates entwickelt.

Das entlarvendste Beispiel dafür, was aus den Gewerkschaften geworden ist, sind die United Auto Workers. Ihre Führer wurden inzwischen angeklagt, Millionen von Dollar an Bestechungsgeldern von den Autofirmen entgegen genommen zu haben. Damit sollten sie sicherstellen, dass Verträge, die für die Unternehmen vorteilhaft sind, trotz des Widerstands der Arbeiter verabschiedet wurden.

Was auch immer ihre taktischen Unterschiede sind, die Demokraten und die Republikaner sind gleichermaßen an eine Politik gebunden, die die soziale Ungleichheit erhöht und das kapitalistische System verteidigt, das dafür verantwortlich ist. Da sich die Trump-Regierung vor allem dem kontinuierlichen Anstieg der Aktienmärkte verschrieben hat, haben die Demokraten mehr als alles andere Angst vor der Explosion des sozialen Widerstands in der Arbeiterklasse.

Der Präsident der United Auto Workers, Gary Jones, und die CEO von GM, Mary Barra beim Handschlag zur Eröffnung der Tarifverhandlungen 2019 – Credit: GM Promotional Photo

Dieselben Bedingungen, die eine beispiellose soziale Ungleichheit geschaffen haben, führen auch zu Massenprotesten und Streiks auf der ganzen Welt, von Hongkong und Puerto Rico bis nach Frankreich und Afrika. In Puerto Rico erzwangen tagelange Massenproteste den Rücktritt des Gouverneurs, einem korrupten Handlanger der Wall Street.

Und im Januar, als die Autoarbeiter gegen Massenentlassungen in Detroit ankämpften, streikten Zehntausende von Arbeitern bei den mexikanischen Autozulieferern, wobei klassenbewusste mexikanische Arbeiter die amerikanischen Autoarbeiter grüßten und sie aufforderten, sich ihrem Kampf anzuschließen.

Den amerikanischen Autoarbeitern steht ein entscheidender Kampf bevor. Dabei müssen sie verstehen, dass sie nicht nur für sich selbst und ihre eigenen Familien, sondern für alle Arbeiter kämpfen: in den Vereinigten Staaten, in Nordamerika und auf der ganzen Welt.

Das Gegenmittel gegen soziale Ungleichheit ist der Klassenkampf. Aber die kommenden Kämpfe können nur erfolgreich sein, wenn sie mit einer neuen Strategie geführt werden: gegen den Nationalismus und die Verteidigung des Kapitalismus durch die Gewerkschaften und für die internationale Einheit der Arbeiterklasse gegen den Kapitalismus.

Der Kampf gegen soziale Ungleichheit erfordert den Aufbau einer neuen politischen Führung, der Socialist Equality Party, um die Kämpfe der Arbeiter auf der Grundlage eines revolutionären Programms zu organisieren und zu vereinen. Das kapitalistische Profitsystem muss durch eine sozialistische Gesellschaft ersetzt werden, die auf Gleichheit, internationaler Planung und demokratischer Kontrolle der Produktion basiert.

 

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