Klimabericht warnt: Die Welt steht am Abgrund

13. August 2019

Die Berichte des Weltklimarats (IPCC) der Vereinten Nationen und des World Resources Institute von letzter Woche warnen davor, dass eine klimabedingte Umweltkatastrophe Milliarden von Menschen ungeheures Leid zufügen könnte.

Aus dem UN-Bericht „Klimawandel und Landsysteme“ geht hervor, dass 821 Millionen Menschen, die bereits jetzt unter Hunger leiden, verhungern könnten, da der Boden, aus dem sie ihren Lebensunterhalt bestreiten, keine Landwirtschaft mehr zulässt. Diese Männer, Frauen und Kinder gehören zu einer größeren Gruppe von 3,2 Milliarden Menschen, die in Gebieten leben, die in den kommenden Jahrzehnten erodiert, überschwemmt, in Wüsten verwandelt oder durch Waldbrände, Hurrikane oder Zyklone zerstört werden könnten.

Das Aquädukt-Projekt des World Resources Institute meldet, dass siebzehn Länder im Nahen Osten, Nordafrika und Südasien, in denen ein Viertel der Weltbevölkerung lebt, Gefahr laufen, ihr verfügbares Süßwasser zu verbrauchen. Dieses „Day Zero“-Szenario würde Dürren verursachen, die viermal so teuer sind wie Überschwemmungen – und die Ernte vernichten, Stromausfälle verursachen, das Risiko vermeidbarer Krankheiten erhöhen, möglicherweise Massenmigrationen von Hunderten Millionen Menschen verursachen und die Wasserversorgung in noch mehr Teilen der Welt belasten.

Es besteht kein Zweifel daran, dass die globale Erwärmung durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Erdgas seit über einem Jahrhundert der Auslöser dieser sozialen Krisen ist. In Hunderten von Studien sind die Verwandlung von Ackerland in Wüste, das Überschwemmen von Küstengebieten durch den Anstieg des Meeresspiegels und der Untergang von Städten durch das Abschmelzen des Permafrostes auf den Klimawandel zurückgeführt worden. Diese Phänomene sind Teil umfassenderer Prozesse, die in den letzten zehn Jahren intensivere Hitzewellen und ein schnelleres Abschmelzen der Gletscher verursacht haben.

Diese Trends stehen im Einklang mit den berechneten Prognosen von 1896, wonach die Verbrennung fossiler Brennstoffe und die daraus resultierende Freisetzung von Kohlendioxid die Erdoberfläche erwärmen würde. Dies spiegelte sich in einem 1912 erschienenen Zeitungsbericht aus Neuseeland wider, in dem erklärt wurde, dass aufgrund der zwei Milliarden Tonnen Kohle, die jedes Jahr verbrannt werden, etwa sieben Milliarden Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangen, was „dazu führt, dass die Luft eine effektivere Decke für die Erde wird und ihre Temperatur erhöht“.

Diese frühen Schätzungen der Treibhausgasemissionen werden seit 1958, also seit die Messstation am Mauna Loa Observatorium auf Hawaii ihre Arbeit aufnahm, jährlich verifiziert und aktualisiert. Seither verzeichnet die Station einen kontinuierlichen Anstieg der Kohlendioxidkonzentration in der Erdatmosphäre. Wie in einem Uhrwerk hatte die Freisetzung von immer mehr Treibhausgasen in die Atmosphäre einen Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur zur Folge, ein Trend, der sich seit den 1980er Jahren beschleunigt.

Noch größere Sorge bereitet uns in der Neuzeit, dass das Erdklima in eine qualitativ neue Phase tritt. Seit einem halben Jahrhundert hat die industrielle Aktivität der Menschheit verglichen mit geophysikalischen Prozessen zunehmend Einfluss auf die Veränderungen der natürlichen Umwelt. Ein in den Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States (PNAS) veröffentlichter Artikel mit dem Titel „Trajektorien des Erdsystems im Anthropozän“ warnt davor, dass sich die aktuellen Veränderungen des Erdklimas beschleunigen werden.

Die globale Erwärmung, so die Studie, speist sich aus weiteren geophysikalischen Prozessen, die nicht unmittelbar mit den Kohlendioxidemissionen zusammenhängen, wie z.B. die Massenfreisetzung von Methan aus der Permafrostschmelze. Diese Konvergenz droht eine „Heißzeit-Erde“ („Hothouse Earth“) zu schaffen, in der sich die globale Erwärmung beschleunigt und nicht mehr direkt mit der Verbrennung fossiler Brennstoffe zusammenhängt. Ein solches Szenario wäre mit modernen wissenschaftlichen Techniken weitaus schwieriger zu beherrschen.

Die Folgen einer solchen Entwicklung wären katastrophal. Die extremen Wetterereignisse des letzten Jahrzehnts wären nur die Vorläufer von viel verheerenderen Stürmen, längeren Hitzewellen, Trockenperioden und ständigen Waldbränden. Auf der ganzen Welt würden Korallenriffe absterben und wichtige Teile der Nahrungskette vernichtet. Gletscherschmelze und Meeresspiegelanstieg würden alle Küstenstädte der Welt überfluten, in denen etwa ein Drittel der Weltbevölkerung lebt und Milliarden von Menschen könnten ertrinken. Mindestens eine Million Arten auf der Erde würden aussterben und Teile der Erdoberfläche in der Größe von Kontinenten unbewohnbar werden.

Der PNAS-Bericht ist einer von vielen, die in den letzten zehn Jahren veröffentlicht wurden und die eine Reorganisation der weltweiten Energieerzeugungs- und Verkehrsinfrastruktur sowie die Entwicklung neuer Technologien zur sofortigen Einstellung der CO2-Emissionen fordern. Solche Daten haben US-Präsident Trump nicht davon abgehalten, die Mittel für die Klimaforschung verschiedener Bundesbehörden in seinem Haushaltsvorschlag für das Geschäftsjahr 2020 um bis zu 84 Prozent zu senken.

Die politischen Neandertaler im Weißen Haus und ihre faschistischen Gesinnungsgenossen auf der ganzen Welt, wie Jair Bolsonaro in Brasilien, sehen den Tod von Milliarden von Männern, Frauen und Kindern nicht als katastrophales Ereignis, sondern als die Kosten der Geschäfte, mit denen sie sich und ihre Oligarchenfreunde weiter bereichern.

Politiker wie Alexandria Ocasio-Cortez und ihr „Green New Deal“ haben allerdings keine Lösung für die Klimakrise anzubieten. Sie stellen das Problem als ein rein national lösbares dar, als ob der Luftstrom in der Atmosphäre durch eine Zollschranke gestoppt werden könnte. Selbst das viel gepriesene Pariser Abkommen, angeblich ein internationales Abkommen zur Eindämmung des Klimawandels, ist unzureichend und zahnlos, wie der Rückzug von Trump vor zwei Jahren zeigt.

Gleichzeitig werden die von den herrschenden Eliten vorgeschlagenen Maßnahmen als Waffen gegen ihre geopolitischen Rivalen eingesetzt. Die von den Vereinten Nationen beworbenen CO2-Handelssysteme zielen weniger auf die Begrenzung der Treibhausgasemissionen als auf die Bereitstellung neuer Mittel für die älteren Industrieländer ab, um die Entwicklungsländer zu unterbieten, die für ihre Volkswirtschaften viel Kohle und Öl verbrennen. Solche Systeme spielen eine Schlüsselrolle bei den Bemühungen der Vereinigten Staaten, China einzudämmen und zu lähmen.

Eine Reihe von Präsidentschaftskandidaten der Demokraten, darunter Cory Booker, John Delaney, Jay Inslee und Pete Buttigieg, fordern ein „Klimakorps“ als Erweiterung des „Green New Deal“. Damit wollen sie Jugendliche mobilisieren, um die „nationale Sicherheit“ der USA unter dem Vorwand des Kampfes gegen den Klimawandel zu verteidigen. Das Konzept wurde als eine Version des Friedenskorps des 21. Jahrhunderts und als „Soft Power“-Waffe gegen Russland und China propagiert.

Die Einstellungen vermeintlich „fortschrittlicher“ Vertreter der herrschenden Klasse zeigen, dass sie keine Grundlage dafür bieten, der Erderwärmung entgegenzutreten. Sie operieren innerhalb der Grenzen des Nationalstaatensystems und stellen niemals das Privateigentum an den Produktionsmitteln in Frage. Dies sind die beiden Hauptfaktoren, die einer rationalen, wissenschaftlichen Umwandlung der internationalen Wirtschaftsbeziehungen im Wege stehen und Methoden zur Eindämmung und Umkehrung der Kohlenstoffemissionen behindern.

Dies zeigt, wie Friedrich Engels in Die Rolle der Arbeit bei der Menschwerdung des Affen vorausschauend erklärte, dass der Kapitalismus das Haupthindernis für die Lösung von Bedrohungen der natürlichen Umwelt ist.

„Alle bisherigen Produktionsweisen sind nur auf Erzielung des nächsten, unmittelbarsten Nutzeffekts der Arbeit ausgegangen“, schrieb er. „Die weiteren erst in späterer Zeit eintretenden, durch allmähliche Wiederholung und Anhäufung wirksam werdenden Folgen blieben gänzlich vernachlässigt [...] Gegenüber der Natur wie der Gesellschaft kommt bei der heutigen Produktionsweise vorwiegend nur der erste, handgreiflichste Erfolg in Betracht“.

Wie um die Analyse von Engels zu unterstreichen, zeigte der Carbon Majors Report 2017, dass 70 Prozent aller zwischen 1988 und 2015 freigesetzten Treibhausgase von nur 100 Unternehmen stammen. Ein Oxfam-Bericht, der zeitgleich mit der Unterzeichnung des Pariser Abkommens veröffentlicht wurde, zeigte, dass die reichsten 10 Prozent der Weltbevölkerung für 50 Prozent der weltweiten Kohlendioxidemissionen verantwortlich sind, und dass auf die ärmsten 50 Prozent nur 10 Prozent der Emissionen entfallen.

Diese Studien beweisen, dass es sich bei den Behauptungen von bürgerlichen Politikern und Medien, Postmodernisten und pseudolinken Gruppen um Verleumdungen handelt; nämlich dass die globale Erwärmung durch den „Lebensstil“, die „Ernährung“ und die „Konsumkultur“ der Arbeiter verursacht würde. Die Umwelt wird von der Kapitalistenklasse verschmutzt, vergiftet und verbrannt und kann nicht gerettet werden, bis diese parasitäre und zerstörerische soziale Schicht abgeschafft ist. Die gesellschaftliche Kraft, die diese Aufgabe erfüllen kann und wird, ist die internationale Arbeiterklasse, und ihre Methode ist die sozialistische Weltrevolution.

Bryan Dyne

 

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