BASF baut 6000 Arbeitsplätze ab

Von Dietmar Gaisenkersting
2. Juli 2019

Der Chemie-Konzern BASF kündigte am Donnerstag letzter Woche an, 6000 Arbeitsplätze abzubauen, die Hälfte davon in Deutschland. Der Konzern reagiert damit auf die Forderung der Finanzmärkte und Investoren, angesichts wachsender Handelskriegsmaßnahmen die Personalkosten drastisch zu reduzieren und die Profite zu erhöhen.

In einer Pressemitteilung schrieb der Konzern, die „organisatorische Neuausrichtung“ schaffe BASF „profitableres Wachstum“. Die Verwaltung werde verschlankt, Abläufe und Prozesse vereinfacht. Das Unternehmen, das weltweit etwa 122.000 Beschäftigte hat, will dadurch „Einsparungen von 300 Millionen Euro“ durchsetzen.

Das so genannte „Exzellenzprogramm“ richtet sich direkt gegen die Arbeiter und Angestellten und soll die Profite deutlich steigern. Durch die Abschaffung von Synergien soll „ab Ende 2021 einen Ergebnisbeitrag von jährlich 2 Milliarden Euro“ erreicht werden. Unmittelbar nach Bekanntgabe des Arbeitsplatzabbaus stieg der BASF-Aktienkurs deutlich an.

Der Großteil der Arbeitsplätze, die in Deutschland abgebaut werden sollen, wird den Konzernsitz in Ludwigshafen treffen. Dort sind 40.000 Menschen beschäftigt. BASF-Vorstandschef Martin Brudermüller will in allen Bereichen – in der Produktion und Logistik sowie in Forschung und Entwicklung – massive Einsparungen durchsetzen und BASF-Teilbereiche verkaufen.

Die Konzernleitung begründet ihr Vorgehen mit ersten Anzeichen einer allgemeinen Konjunkturschwäche, Absatzrückgang in der Autoindustrie und negativen Auswirkungen des Handelsstreits zwischen den großen BASF-Absatzmärkten USA und China. Sie nutzt diese Entwicklungen, um die Ausbeutung drastisch zu verschärfen und eine maximale Gewinnsteigerung durchzusetzen.

Im vergangenen Jahr lag der Unternehmensgewinn nach Steuern bei 4,7 Milliarden Euro. Aber die Anleger und Finanzoligarchen können den Hals nicht voll genug kriegen. Sie erklärten, der Milliardengewinn läge 20 Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahre und verlangten ein radikales Kostensenkungsprogramm.

Im vergangenen Herbst kündigte dann der, seit etwa einem Jahr amtierende Vorstandschef Martin Brudermüller einen deutlichen Personalabbau im Rahmen eines umfassenden Konzernumbaus an. Aber den Aktionären genügte das nicht. Sie verlangten auf der BASF-Hauptversammlung Anfang Mai den Personalabbau auszuweiten und zu beschleunigen.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete, dass Investorenvertreter auf der Hauptversammlung erklärten, der Konzern habe „ein Wachstums- und Profitabilitätsproblem“, das umgehend behoben werden müsse. Die FAZ kommentierte das mit der Feststellung, das sei „ein Warnschuss, der nicht überhört werden sollte“.

Der Rivale Bayer zeige, was aktivistische Investoren erreichen können. Dort hatte letzte Woche der berüchtigte amerikanische Hedgefonds Elliott bekanntgegeben, er sei nun mit etwa 2 Prozent an Bayer beteiligt. Der vom US-Milliardär Paul Singer geführte Hedgefonds müsse „nur mit dem Gedanken einer Zerschlagung spielen und schon legt die Aktie zu“, schreibt die FAZ. Den jetzt angekündigten Arbeitsplatzabbau bei BASF sieht die Zeitung als „Flucht nach vorn“.

Dieses Vorgehen ist kein Einzelfall. In den letzten Monaten hat der Branchenkonkurrent Bayer den Abbau von 4500 Arbeitsplätzen angekündigt, Thyssenkrupp will 6000, Siemens 2700 abbauen.

Eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) vom vergangenen Herbst gelangt zum Schluss, dass eine übereilte Umstellung der Produktion auf Elektromobilität in der deutschen Autoindustrie 600.000 Arbeitsplätze gefährden und einen Großteil der Zulieferer, zu denen auch die Chemieindustrie gehört, ruinieren würde. Letzte Woche hatte Ford den Abbau von 12.000 Arbeitsplätzen in Europa bekannt gegeben. General Motors hat 14.000, Volkswagen 7000, Jaguar 4500 und Tesla 3000 Entlassungen angekündigt.

Doch den Aktionären gehen die angekündigten Maßnahmen nicht weit genug. Die Zeitschrift Capital rechnet in einem Artikel vor, dass der Abbau von 6.000 Arbeitsplätzen bei BASF bei weitem nicht ausreiche. BASF-Chef Brudermüller hat bereits signalisiert, dass er sich noch viele weiterführende Maßnahmen vorstellen kann, um „Synergien zu heben, Schnittstellen zu reduzieren und mehr Flexibilität und Kreativität zu erreichen“.

So soll ein zentrales Element der neuen Unternehmensstruktur ein „Corporate Center“ sein, in dem knapp 1000 Spezialisten alle Konzernbereiche analysieren und den Vorstand in seinen Entscheidungen beraten sollen. Parallel dazu soll eine Einheit namens „Global Business Services“ eingerichtet werden, die alle Unternehmensbereiche noch stärker als bisher auf die Finanzinteressen der Anleger ausrichtet.

Als erster Schritt, um die Anleger zu beruhigen, hat Brudermüller auf der Hauptversammlung im Mai die spürbare Erhöhung der Dividende versprochen. Der Konzern teilte mit, dass er zu seiner „anspruchsvollen Dividendenpolitik, die Dividende jährlich zu steigern“ stehe, und dieses Jahr 2,9 Milliarden Euro an seine Aktionäre auszahlt.

Die wichtigste Unterstützung erhält der BASF-Vorstand von der Gewerkschaft. Die IG BCE und der Betriebsrat sind bereit, das Sparprogramm mitzutragen und gegenüber den Beschäftigen zu rechtfertigen. Sie verlangen lediglich, dass sie in alle Entscheidungen frühzeitig mit eingebunden werden.

Der Betriebsratschef und stellvertretende BASF-Aufsichtsratsvorsitzende Sinischa Horvat kündigte an, er werde gemeinsam mit seinen Betriebsratskollegen sofort Verhandlungen mit dem Vorstand beginnen, um eine „Fortführung der bestehenden Standortvereinbarung“ zu erreichen. Er betonte, dass die aktuelle Betriebsvereinbarung betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2020 ausschließe. Doch jeder weiß, dass die Formulierung „Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen“ das Codewort ist, um dem Arbeitsplatzabbau zuzustimmen.

Auch die IG BCE im Bezirk Ludwigshafen sprach sofort von einer „unternehmerischen Entscheidung“, soll heißen: eine Entscheidung, die nicht zu beanstanden ist und die in partnerschaftlicher Zusammenarbeit von Gewerkschaft und Betriebsrat mit der Unternehmensleitung umgesetzt wird.

Unterstützung erhält der BASF auch von den Parteien im Bundestag. Das machte Kerstin Andreae, die wirtschaftspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, deutlich. Sie nannte Vorstandschef Brudermüller vor gut einem Monat ein „Vorbild für andere Manager“. Daher sei er auch seit mehreren Monaten Mitglied im wirtschaftspolitischen Beirat der Partei. „An Brudermüller ist ungewöhnlich, mit welcher Verve er sich für den Klimaschutz einsetzt“, so Andreae, „auch wenn er, wie jeder Konzernchef, getrieben ist von den Renditeansprüchen der Aktionäre“.

 

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