Princeton University stellt 300.000 Dollar für den rechten Historiker und Propagandisten Jörg Baberowski bereit

Von David North
12. April 2019

Jörg Baberowski, der rechtsextreme Historiker und Inhaber des Lehrstuhls für die Geschichte Osteuropas an der Humboldt-Universität zu Berlin, nahm im März auf Einladung der Princeton University an einer geschlossenen Konferenz zum Thema „Diktaturen im Wandel“ teil. Vorausgegangen war die Zusage Princetons, ein Forschungsprojekt mit dem Titel „From Totalitarian to Authoritarian Rule. Comparing Dictatorships in Transition“ („Von totalitärer zu autoritärer Herrschaft. Vergleich von Diktaturen im Wandel“) mit 300.000 US-Dollar zu fördern. Baberowski teilt sich diese Mittel mit seiner Projektpartnerin Deborah Kaple, Professorin am Department of Sociology der Princeton University.

Jörg Baberowski und sein Kollege Fabian Thunemann besuchen den Trump Tower während einer Pause des Konferenzseminars in Princeton im März.

Auf der Website der Princeton University wurden keinerlei Informationen zum Thema des Seminars/der Konferenz veröffentlicht. Auf der Facebook-Seite der Geschichte Osteuropas an der Humboldt-Universität wurden jedoch Fotos gepostet, darunter Aufnahmen, die Baberowski und seinen wissenschaftlichen Mitarbeiter Fabian Thunemann vor dem Trump Tower in New York City zeigen.

Baberowski ist ein vehementer Verteidiger von Ernst Nolte, dem wohl bekanntesten Nazi-Apologeten unter den revisionistischen deutschen Historikern. Dennoch erfreut er sich auf den höchsten Ebenen der amerikanischen akademischen Gemeinschaft erheblicher Unterstützung. Dass Baberowski von der Hoover Institution unterstützt wird, dem ideologischen Zentrum antimarxistischer Projekte an der Stanford University, ist nicht verwunderlich. Aber dass Yale University Press 2016 sein Buch Verbrannte Erde herausbrachte, ein antikommunistisches Propaganda-Machwerk ohne wissenschaftlichen Wert, zeugt von dem immensen und wachsenden Einfluss rechter politischer Kreise auf die Geschichtsfakultäten großer amerikanischer Universitäten.

Bezeichnenderweise war es Baberowski nur wenige Wochen vor der Konferenz in Princeton nicht gelungen, die Unterstützung des Akademischen Senats der Humboldt-Universität für die Finanzierung eines „Interdisziplinären Zentrums für vergleichende Diktaturforschung“ zu gewinnen. Dieses Projekt, mit dem Diktaturen als legitime und sogar populäre Alternativen zu demokratischen Herrschaftsformen untersucht werden sollten, wurde von Fachkollegen in zwei von vier Gutachten zerrissen. Nachdem die Gutachten online veröffentlicht worden waren, verschob der Akademische Senat der Humboldt-Universität die Prüfung von Baberowskis Projekt auf unbestimmte Zeit. Auf diesen verheerenden öffentlichen Rückschlag reagierte Baberowski in seiner üblichen Weise, indem er seine Kritiker per Twitter mit giftigen Denunziationen überschüttete.

Welche Erwägungen Princeton dazu veranlasst haben, Baberowski 300.00 Dollar zur Verfügung zu stellen, ist für die Öffentlichkeit nicht ersichtlich. Man findet dazu keine Informationen. Es gibt auch keine Erklärung für den Beschluss, einen Mann mit einer Einladung nach Princeton zu beehren, der im Februar 2014 mit der Ansicht hervortrat, dass Hitler „nicht grausam“ gewesen sei, und der aufgrund seiner reaktionären Stellungnahmen zu Fragen der Geschichte und der aktuellen Politik als prominenter Ideologe der Alternative für Deutschland (AfD), der führenden neofaschistischen Partei in Deutschland gilt.

Die akademische Gemeinschaft der Princeton University – und der gesamten USA – sollte von der Hochschulleitung eine Erklärung verlangen, weshalb sie ein Projekt finanziert, das in betrügerischer Absicht der Geschichtsfälschung und reaktionären Propaganda eines Mannes dient, der nicht nur versucht, die Verbrechen des Dritten Reiches zu relativieren, sondern auch bestrebt ist, die Diktatur zu einer normalen Herrschaftsform zu erklären und sie zu beschönigen, indem er Staaten, die auf der gewaltsamen Verweigerung demokratischer Rechte beruhen, als „alternative politische Ordnungen“ bezeichnet.

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David North, der Leiter der internationalen Redaktion der World Socialist Web Site, schickte am 3. April 2019 per E-Mail ein Schreiben an Baberowskis Projektpartnerin, Professorin Deborah Kaple. Obwohl innerhalb weniger Minuten eine Lesebestätigung eintraf, hat Prof. Kaple Norths Schreiben nicht beantwortet.

Der Brief von David North hat folgenden Wortlaut:

3. April 2019

Hallo Frau Professorin Kaple,

ich möchte mich hiermit nach einem Seminar/einer Konferenz erkundigen, die kürzlich an der Princeton University in Zusammenarbeit mit der Humboldt-Universität zu Berlin zum Thema Diktaturen im Wandel abgehalten wurde. An diesem Seminar nahm unter anderem Professor Jörg Baberowski teil. Der Website der Princeton University entnehme ich, dass Sie ein gemeinsames Forschungsprojekt mit Professor Baberowski betreiben.

War der Princeton University bei der Ausrichtung des Seminars/der Konferenz und der Organisation eines gemeinsamen Forschungsprojekts bekannt, dass Professor Baberowski zu den bekanntesten revisionistischen rechten Historikern in Deutschland gehört? Er ist ein erklärter Anhänger von Ernst Nolte, der mit seiner Relativierung der NS-Verbrechen den berühmten „Historikerstreit“ der späten 1980er Jahre auslöste.

Außerdem ist Baberowski ein führender Gegner der Einwanderungspolitik von Bundeskanzlerin Merkel. Mit seinen rechtsextremen Ansichten zu diesem Thema hat er dazu beigetragen, die Fremdenfeindlichkeit der neofaschistischen Alternative für Deutschland zu legitimieren. Baberowskis Äußerungen zur Einwanderung sind regelmäßig von Breitbart News und, schlimmer noch, vom Daily Stormer, der führenden amerikanischen Nazi-Website, aufgegriffen worden.

Obwohl Baberowski ständig wiederholt, er sei das Opfer einer Hexenjagd und werde verleumdet, sahen sich seine Anwälte gezwungen, eine Verleumdungsklage zurückzuziehen, nachdem ein Gericht entschieden hatte, dass Baberowski als rechtsradikal bezeichnet werden darf. Das Gericht stellte darüber hinaus fest, dass Baberowskis Zitate entgegen den Behauptungen seiner Anwälte von seinen Kritikern nicht aus dem Zusammenhang gerissen worden waren.

Mich würde interessieren, ob Sie oder andere Teilnehmer des jüngsten Seminars/der Konferenz mit den Kontroversen um die Ansichten von Professor Baberowski vertraut sind. Es geht hier nicht einfach um die privaten politischen Meinungen des Professors. Vielmehr ist die Verteidigung von Ernst Nolte, der die letzten drei Jahrzehnte seines Lebens damit zubrachte, Nazi-Verbrechen zu rechtfertigen, ein integraler Bestandteil von Baberowskis geschichtstheoretischem Projekt. Den Kern der von Nolte und Baberowski geteilten Konzeption bildet die Behauptung, dass die nationalsozialistische Barbarei, einschließlich des Holocaust, eine Reaktion war, die dem Hitlerregime von der Sowjetunion aufgezwungen wurde. Es ist schwer vorstellbar, dass der rechtsextreme Charakter und die gefährlichen Implikationen der Ansichten Professor Baberowskis – die überdies mit einer nicht geringfügigen Fälschung historischer Tatsachen verbunden sind – von den wissenschaftlichen Teilnehmern des jüngsten Seminars/der Konferenz übersehen wurden. Wurden die Ansichten von Professor Baberowski während des Seminars/der Konferenz zu irgendeinem Zeitpunkt in Frage gestellt?

Im Laufe dieses Monats werde ich zusammen mit Christoph Vandreier an mehreren Universitäten auf öffentlichen Veranstaltungen sprechen, die sich mit dem Wiederaufleben des Neofaschismus in Deutschland befassen. Vandreier ist der Autor von Warum sind sie wieder da? Geschichtsfälschung, politische Verschwörung und die Wiederkehr des Faschismus in Deutschland. Dieses Buch beschäftigt sich ausführlich mit der Rolle von Professor Baberowski bei der Förderung dieser Wiederkehr. Obwohl ich es sehr beunruhigend finde, dass Professor Baberowski nach Princeton eingeladen wurde, möchte ich nicht von vornherein ausschließen, dass seine Ansichten den Organisatoren nicht bekannt waren. Deshalb bitte ich um eine Antwort auf meine Frage. Ich füge unten einige Links zu Artikeln bei, die meine Beschreibung der Ansichten von Professor Baberowski bestätigen.

Mit freundlichen Grüßen,

David North

World Socialist Web Site

Der Spiegel 7/2014, 10. Februar 2014

https://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/124956878

„Baberowski wurde Historiker und Spezialist für Osteuropa. Wie Münkler lehrt und forscht er an der Humboldt-Universität in Berlin. Sein Buch ‚Verbrannte Erde – Stalins Herrschaft der Gewalt‘ gewann 2012 den Preis der Leipziger Buchmesse. ‚Nolte wurde Unrecht getan‘, sagt Baberowski. ,Er hatte historisch recht.‘“

„Er [Baberowski] sitzt im Café Einstein und sagt: ‚Hitler war kein Psychopath, er war nicht grausam. Er wollte nicht, dass an seinem Tisch über die Judenvernichtung geredet wird. Stalin dagegen hat die Todeslisten voller Lust ergänzt und abgezeichnet, er war bösartig, er war ein Psychopath.‘“

Breitbart News, 7. Dezember 2015

https://www.breitbart.com/europe/2015/12/07/left-historian-christian-germany-everything-dear-to-us-will-disappear-because-of-mass-migration/

„Der hoch angesehene, ehemals kommunistische Professor und Historiker Jörg Baberowski hat davor gewarnt, dass ‚alles, was uns [den Europäern] lieb und teuer ist‘, wegen der Haltung seiner Regierung zur Masseneinwanderung bald verschwinden wird.“

„Diese düstere Warnung wird sicherlich in ganz Europa, dem Vereinigten Königreich und sogar den Vereinigten Staaten einen Widerhall finden, wo Politiker die Grenzen der westlichen Länder für Migranten aus dem Nahen Osten und Nordafrika öffnen.

„Herr Baberowski ist Professor für die Geschichte Osteuropas an der Humboldt-Universität zu Berlin und ein ausgewiesener Kenner des Stalinismus. Er war früher Mitglied im Kommunistischen Bund Westdeutschlands und übernahm 2001 die Vertretung des Lehrstuhls für Osteuropäische Geschichte an der Universität Leipzig.“

Daily Stormer, 8. Dezember 2015

https://dailystormer.name/german-professor-says-german-identity-will-be-totally-destroyed-by-mass-immigration/

„Der hoch angesehene, ehemals kommunistische Professor und Historiker Jörg Baberowski hat davor gewarnt, dass ‚alles, was uns [den Europäern] lieb und teuer ist‘, wegen der Haltung seiner Regierung zur Massenmigration bald verschwinden wird.“

 

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