Massaker von Ogossagou enthüllt das wachsende Blutvergießen im europäisch besetzten Mali

Von Stéphane Hugues und Alex Lantier
1. April 2019

Das schreckliche Massaker in dem zentral-malischen Dorf Ogossagou enthüllt die brutale Realität des Kriegs in Mali, den Frankreich 2013 begonnen hat. Unter der Militärbesatzung durch Deutschland und Frankreich wird dieses Land, das ohnehin zu den ärmsten der Welt gehört, von einer Welle ethnischer Gewalt zerrissen.

Das Dorf Ogossagou liegt in der Region Bankass nahe der Grenze zu Burkina Faso, wo Angehörige des Volks der Peul (oder Fulbe) leben. Am 23. März, kurz vor Anbruch der Morgendämmerung, trafen etwa 100 Kämpfer mit Feuerwaffen dort ein, die die Stammeskleidung der Dogon trugen. Sie schossen auf jeden und töteten jeden, der ihnen unter die Augen kam, von den Alten bis hin zu den kleinsten Kindern. Insgesamt wurden etwa 160 Menschen getötet und 55 weitere verwundet.

Achtzehn Menschen flüchteten sich ins Haus des in ganz Westafrika bekannten Dorfheilers (Marabout) Bara Sékou Issa, da sie hofften, die Schützen würden es nicht wagen, das Haus eines Marabout anzugreifen. Sékou Issa hatte bereits mehrere Flüchtlinge aus umliegenden Dörfern in seinem Haus aufgenommen und ihnen Unterkunft und Verpflegung gewährt. Doch die Angreifer zündeten das Haus an und erschossen jeden, der aus dem brennenden Haus fliehen wollte. Sékou Issas religiöse Schüler sollen alle umgekommen sein.

Dem Dorfhäuptling Amadou Barry wurde vor den Augen seiner 90-jährigen Mutter die Kehle durchgeschnitten, danach wurde auch sie hingerichtet.

Das Dorf wurde bei dem Angriff völlig zerstört. Häuser und andere Gebäude wurden niedergebrannt, sogar das Vieh und die Haustiere wurden getötet. Ismaila Cissé, einer der wenigen Peul-stämmigen Offiziere der malischen Armee, erklärte gegenüber der Presse: „Sie wollen uns vom Angesicht der Erde ausradieren. Warum sonst hätten sie Kinder, Alte und sogar das Vieh getötet?“

Nachdem immer mehr Berichte über dieses schreckliche Massaker bekannt geworden waren, reiste der malische Präsident Ibrahim Boubacar Keita am 25. März nach Ogossagou und kündigte an: „Es wird Gerechtigkeit geben.“ Er entließ außerdem den Stabschef der Streitkräfte General M'Bemba Moussa Keita, sowie die Stabschefs des Heeres, der Luftwaffe und des Militärgeheimdienstes.

Durch die Entlassung der obersten Militärführung hat Keita faktisch zugegeben, dass das malische Militär, das von deutschen und französischen Soldaten ausgebildet wird, eine erhebliche Mitschuld an dem Massaker trägt. Berichten zufolge wurden die Soldaten einer nur 13 Kilometer entfernten Militärbasis um 6 Uhr morgens informiert. Allerdings trafen sie erst um 9 Uhr ein, als die Angreifer bereits verschwunden waren.

Dennoch bleibt der berechtigte Verdacht, dass die am Massaker Beteiligten von der malischen Regierung und ihren neokolonialen imperialistischen Lehnsherren unterstützt wurden. Die Behörden fanden unter den Verwundeten in Ogossagou mehrere Personen, die sie beschuldigen, am Massaker beteiligt gewesen zu sein. Dennoch weigern sie sich, deren Identitäten preiszugeben.

Der Staatsanwalt von Mopti, Maouloud Ag Najim, erklärte gegenüber Jeune Afrique: „Wir haben die meisten der 45 Verwundeten und ihre Angehörigen befragt, die momentan in Krankenhäusern in Sévaré und Bankass behandelt werden. Auch die Einheit der Militärpolizei, die nach Ogossagou geschickt wurde, hat einige der Überlebenden befragt ... Fünf der Verwundeten wurden von den Überlebenden als mutmaßliche Angreifer identifiziert. Wir vermuten, dass sie Mitglieder der Gruppe sind, die am 23. März das Dorf Ogossagou überfallen hat.

Nach dem Massaker kündigte Ministerpräsident Soumeylou Boubéye Maiga die Auflösung der Miliz Dan na Amassagou an. Diese aus Dogon-Angehörigen bestehende Miliz wurde 2016 gegründet. Inmitten von Kämpfen zwischen französischen Truppen, malischen Regierungstruppen und diversen islamistischen Milizen im Norden und der Mitte des Landes begann Frankreich damals die Gründung von lokalen Selbstverteidigungsmilizen zu fördern.

Die malische Regierung weigert sich jedoch, zu bestätigen oder zu dementieren, dass die fünf mutmaßlichen Angreifer, die sie verhaftet hat, der Miliz Dan na Amassagou angehören. Die Miliz kämpft auf der Seite der Zentralregierung in Bamako und benutzt die malische Flagge.

Laut einem Bericht der Internationalen Liga für Menschenrechte und der malischen Vereinigung für Menschenrechte von November 2018 wurden die Donzo-Jäger, aus denen die Miliz besteht, vom Staat unterstützt: „Viele Zeugen und gut informierte Personen bezeugen, dass die Donzos von der malischen Regierung oder zumindest einigen ihrer Mitglieder logistische und finanzielle Unterstützung erhielten. ... Viele Zeugen behaupten, sie hätten beobachtet, wie die Donzos die malischen Streitkräfte bei Militäroperationen unterstützen.“

Der Befehlshaber von Dan na Amassagou, Youssouf Toloba, dementierte in einer Erklärung, dass seine Miliz an dem Massaker beteiligt war und kündigte an, er werde sich dem staatlichen Befehl zu ihrer Auflösung widersetzen. Er erklärte: „Ich teile der nationalen und internationalen öffentlichen Meinung mit: Wenn diejenigen in den Wäldern [d.h. terroristische Gruppen] ihre Waffen niederlegen, wird Dan na Amassagou dies auch tun. Solange das nicht passiert, werden wir unsere Waffen nicht niederlegen.“

Im Laufe der letzten Woche wurden bei zwei Überfällen auf die Dörfer Ouadou und Kere sechs Dogonen ermordet. Laut den UN wurden in der Nacht von Montag auf Dienstag in Ouadou „mehrere Häuser niedergebrannt und Vieh gestohlen. Laut ersten Zahlen wurden vier Menschen getötet, darunter eine junge Frau. Die Bewohner flüchteten in Nachbardörfer.“ Am Dienstag fügten sie hinzu: „In dem Dogonen-Dorf Kere in der Region Bankass wurden mindestens zwei Frauen getötet und eine weitere verwundet.“

In Mali haben der jahrelange imperialistische Krieg und die militärische Besatzung die seit langem bestehenden ethnischen Spaltungen verschärft und zu grausamen Gewalttaten geführt. Frankreichs Krieg in Mali begann im Jahr 2013, nachdem Söldnermilizen vor dem Nato-Krieg in Libyen nach Mali geflüchtet waren. Die finanzielle Unterstützung, die Mali als eines der ärmsten Länder der Welt für einen von Frankreich geführten Krieg gegen ethnische Tuareg und islamistische Milizen leistete, wurde mit der Zerstörung der sozialen Bedingungen in Mali bezahlt.

Bahnarbeiter, Lehrer und Beschäftigte im öffentlichen Dienst haben mehrfach für die Auszahlung ausstehender Löhne und bessere Arbeitsbedingungen gestreikt.

Frankreich hat 2.700 Soldaten in Mali stationiert, um das malische Regime in Bamako zu unterstützen; Deutschland unterstützt es dabei mit 1.100 Soldaten – der größte Auslandseinsatz der Bundeswehr. Die Besatzung, die als Teil des „Kriegs gegen den Terror“ dargestellt wurde, hat die ethnischen Konflikte geschürt. Die Bekanntheit des islamistischen Fulbe-Predigers Amadou Koufa hat dazu geführt, dass die ganze Volksgruppe der Peul als Terroristen gebrandmarkt wird. Laut den UN wurden im Jahr 2018 500 Menschen durch ethnische Gewalt zwischen Peul, Dogon und Bambara getötet.

 

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