Goodyear-Dunlop will in Hanau und Fulda 1100 Stellen abbauen

Von Marianne Arens
26. März 2019

Bei den Goodyear-Reifenwerken geht der Kahlschlag weiter: In den hessischen-Werken Fulda und Hanau werden über tausend Stellen abgebaut. 2014 hatte Goodyear-Dunlop bereits das Werk im französischen Amiens und 2017 das Werk in Philippsburg (2017) geschlossen, wodurch mehrere tausend Arbeiter ihren Arbeitsplatz verloren.

Wie die Goodyear Dunlop Tires Germany GmbH am 19. März mitteilte, will der Konzern bis 2022 im Ganzen 1100 Arbeitsplätze streichen: 490 im „Gummiwerk“ in Fulda und weitere 610 am Stammsitz in Hanau. In den beiden Werken sind heute zusammen noch knapp 2900 Arbeiter beschäftigt; also wird die Maßnahme mehr als ein Drittel der Stellen vernichten. Der einst weltgrößte Reifenproduzent beschäftigt heute noch über 60.000 Arbeiter in 22 Ländern.

Um die Arbeiter zu beruhigen, üben sich das Management, der Betriebsrat und die lokalen Politiker derzeit in Schadensbegrenzung. Der Personalabbau werde „sozialverträglich gestaltet“, versprach Geschäftsführer Jürgen Titz. Der Umbau, einschließlich des Stellenabbaus, werde mit den Betriebsräten „umfassend erörtert“.

Der Betriebsrat und die Industriegewerkschaft Bergbau Chemie Energie (IG BCE) unterstützen ihrerseits die Pläne und wollen „versuchen, bestmögliche Lösungen für alle Mitarbeiter zu finden“, wie Ines Sauer, die Betriebsratsvorsitzende im Werk Fulda, der Hessenschau versicherte. In Hanau behauptete Betriebsratschef Herbert Sandner, er sei „erschüttert“, und forderte einen Sozialplan für die Betroffenen.

Wie der Vorstand betont hat, will Goodyear-Dunlop parallel zum Arbeitsplatzabbau Investitionen von 106 Millionen Euro in den beiden Werken tätigen. Das Management hat angekündigt, „um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken“, werde man sich künftig auf die Produktion großer Pkw-Reifen ab 17 Zoll konzentrieren.

Das begrüßte besonders auch die IG BCE. Osman Ulusoy, der stellvertretende Landesvorsitzende der Gewerkschaft, kritisierte lediglich, der Umbau komme zu spät und der Abbau der Arbeitsplätze sei einer „Verkettung von Managementfehlern“ bei der Reifenherstellung geschuldet.

Um die Stimmung zu beruhigen, leistete auch der Hanauer Oberbürgermeister, Claus Kaminsky (SPD), Schützenhilfe. Er gehe „davon aus, dass Goodyear auch langfristig ein bedeutender Akteur unseres Wirtschaftsstandortes bleiben wird“. Nach einem Treffen mit der Geschäftsführung, an dem auch Betriebsratschef Sandner teilnahm, betonte Kaminsky, das Gute sei, „dass die Geschäftsleitung und der Betriebsrat gemeinsam an einem Strang ziehen“.

Kaminskys Feststellung, Management und Betriebsrat zögen „an einem Strang“, ist korrekt – nur ist es ein Strang, der sich um die Hälse der Arbeiter legt. Ihre Behauptung, durch die Stellenstreichungen werde der Standort langfristig gesichert, ist schlicht eine Lüge.

Die gesamte Autoindustrie befindet sich in einem globalen Umbruch. Auch bei Ford, Opel, VW, Audi und in praktisch allen Zulieferbetrieben findet ein radikales Jobmassaker statt. Im Rahmen des globalen Handelskriegs sind General Motors und Ford dabei, ihre Aktivitäten aus Europa abzuziehen. Hinzu kommen die Auswirkungen des Brexit und der Umstellung auf Elektro-Autos. Die Konzerne benutzen das, um ihre Profite auf Kosten der Arbeiter weiter zu steigern und hunderttausende Arbeitsplätze abzubauen.

Bei Goodyear begann die Schließungswelle bereits vor fünf Jahren, als im Januar 2014 das französische Goodyear-Werk in Amiens mit damals noch rund 1200 Beschäftigten stillgelegt wurde. Die Arbeiter, die darauf mit einer spontanen Werksbesetzung reagierten, wurden von den Gewerkschaften, besonders der IG BCE, völlig isoliert. Später wurden zwei Arbeiter wegen „Bossnapping“ vor Gericht gezerrt, weil sie angeblich den Werksleiter seiner Freiheit beraubt hätten, und zu Gefängnisstrafen verurteilt.

Ende 2017 wurde dann der Standort Philippsburg in Baden-Württemberg stillgelegt, das einstmals größte Goodyear-Werk außerhalb der USA. Seither sind allein in den deutschen Werken rund 2000 Arbeitsplätze abgebaut worden.

Die Erfahrungen der Arbeiter in Philippsburg sind aufschlussreich. Dort zeigte sich erneut, wie bankrott die Standortpolitik der Gewerkschaften ist. Das Argument, „Wir akzeptieren einen Stellenabbau, um den Standort zu retten“, diente letztlich bloß dazu, die Arbeiter zu spalten und das ganze Werk dichtzumachen.

Noch während die Schließung von Philippsburg im Gange war, wurden im Mai 2017 rund 900 Arbeiter von Goodyear in Wittlich in eine Tochtergesellschaft (Goodyear Dunlop Tires Manufacturing) ausgegliedert. Ihre tariflichen Rechte und Löhne sind nur bis 2022 garantiert. Auch in Hanau und Fulda sind die Pläne bloß auf die nächsten zweieinhalb Jahre ausgerichtet, und ein Großteil der Produktion wird heute schon von praktisch rechtlosen Leiharbeitern ausgeführt.

Um ihre Arbeitsplätze zu verteidigen, sollten die Goodyear-Arbeiter deshalb die Lügen und Beschwichtigungen des Vorstands, der bürgerlichen Politiker, des Betriebsrats und der IG BCE zurückweisen. Sie müssen sich unabhängig in Aktionskomitees zusammenschließen und Kontakt mit ihren Kollegen in allen Goodyear-Werken und in der gesamten internationalen Autoindustrie aufnehmen, um die Verteidigung der Arbeitsplätze auf der Grundlage eines sozialistischen Programm selbst in die Hand zu nehmen.

Die World Socialist Web Site und ihr Autoarbeiter-Newsletter rufen alle Arbeiter, die auf prinzipielle Weise gegen Entlassungen und Werkschließungen kämpfen wollen, dazu auf, Kontakt mit ihnen aufzunehmen.

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