Mehring Books auf der Londoner Buchmesse

Von unseren Reportern
18. März 2019

Mehring Books, der englischsprachige Verlag des Internationalen Komitees der Vierten Internationale, präsentierte in der vergangenen Woche seine Neuerscheinungen auf der Londoner Buchmesse. Sein Messestand in der London Olympia Grand Hall zog das Interesse von Besuchern und Ausstellern aus aller Welt auf sich.

Die Londoner Buchmesse ist die führende Verkaufsmesse in der englischsprachigen Welt und die zweitgrößte insgesamt nach der Frankfurter Buchmesse. Hier stellten fast tausend Verlage aus mehr als 60 Ländern aus, und 29.000 Interessierte besuchten die Messe, die vom 12.–14. März dauerte.

Mehring Books, der eng mit dem deutschen Mehring Verlag zusammenarbeitet, präsentierte die englischsprachige Ausgabe von Christoph Vandreiers Buchs „Warum sind sie wieder da? Geschichtsfälschung, politische Verschwörung und die Wiederkehr des Faschismus in Deutschland“, sowie die zweite, erweiterte Ausgabe zum 30. Jahrestag von David North‘ „Das Erbe das wir verteidigen. Ein Beitrag zur Geschichte der trotzkistischen Bewegung“. Außerdem wurde Eric Londons „Agents: The FBI and GPU infiltration of the Trotskyist movement“ vorgestellt.

Christoph Vandreier auf der Londoner Buchmesse

Am Eröffnungstag war auch der Chefredakteur der World Socialist Web Site, David North, an einer „Meet the Author“-Veranstaltung am Messestand von Mehring Books anwesend. Unter den Messebesuchern, die sich Zeit für ein Gespräch mit North nahmen, waren Vertreter der Buchbranche aus Japan, Indien und Israel, sowie weitere Besucher aus China, Großbritannien und Kanada.

Christoph Vandreier, der stellvertretende Vorsitzende der Sozialistischen Gleichheitspartei (SGP), sprach am folgenden Tag bei einem weiteren „Meet the Author“-Treffen über sein Buch, „Warum sind sie wieder da?“ Er erklärte, dass sich das Buch mit der Frage beschäftige, „wie der Aufstieg der extremen Rechten in Deutschland ideologisch und politisch vorbereitet wurde“.

Mittlerweile sei die rechtsradikale Alternative für Deutschland (AfD) die offizielle Oppositionspartei im Deutschen Bundestag, so Vandreier. Wie er weiter erklärte, befinden sich unter den AfD-Abgeordneten Nazi-Apologeten, die sich öffentlich gegen ein Mahnmal für die europäischen Holocaust-Opfer wenden, und die im Bundestag offen ihre Bewunderung für die deutschen Soldaten des Zweiten Weltkriegs äußern.

Eine Welle historischer Fälschungen an deutschen Universitäten hat derartigen neo-faschistischen Äußerungen den Weg bereitet: „Professor Jörg Baberowski von der Berliner Humboldt Universität sagte zum Beispiel: ‚Hitler war nicht grausam’. Nicht ein einziger Akademiker in Deutschland oder international hat dagegen protestiert.“

Christoph Vandreier signiert sein Buch „Warum sind sie wieder da?“

Eine Gruppe von Studenten aus den Vereinigten Staaten lauschte interessiert, als Vandreier berichtete, wie der politische Kampf der SGP und ihrer Jugendbewegung, der International Youth and Students for Social Equality (IYSSE), gegen politische Fälschung in Deutschland an Einfluss gewinnt. „Dafür hat die IYSSE viel Unterstützung bekommen“, sagte Vandreier.

“Es gibt in der Bevölkerung breite Opposition gegen Rassismus und den Aufstieg der Rechten. Die Unterstützung für die extreme Rechte kommt nicht von unten, sondern von oben.“

Der Messestand von Mehring Books erregte viel Aufmerksamkeit und Interesse. Während viele Verlagsmanager eilig auf dem Weg zum nächsten Geschäftstreffen vorbei rauschten (Verhandlungen über Buchrechte bilden auf der Messe das Hauptgeschäft), nahmen sich viele ernsthafte Besucher Zeit, die Informationen über „Das Erbe, das wir verteidigen“, „Agents“ und „Warum sind sie wieder da?“ aufmerksam zu lesen. Die Verbindung des Verlags zum Trotzkismus und seine Konzentration auf grundlegende historische Fragen waren unübersehbar.

Am Eröffnungstag informierte sich der Vizepräsident eines japanischen Verlagshauses über das Programm von Mehring Books. Ihm war die Werbetafel des Buchs „Warum sind sie wieder da?“ aufgefallen. Er trat an den Stand und diskutierte über den gefährlichen Aufstieg des japanischen Nationalismus. „Das ist nicht nur ein japanisches Problem. Wir sehen auch in China und Südkorea den Aufstieg von Nationalismus. Offenbar kommt der ganze Schmutz der Vergangenheit wieder hoch.“

David North mit Herausgeber Shogo Tejima

Ein russischer Verlagsmanager schaute sich „Das Erbe, das wir verteidigen“ und David Norths „Verteidigung Leo Trotzkis“ genauer an. Er bezeichnete Trotzki als „die größte Persönlichkeit in der Geschichte, nicht nur, was seine politischen Errungenschaften angeht, die natürlich enorm sind, sondern in Hinblick auf seine gesamte Persönlichkeit“. Weiter erklärte er, dass die Desinformation, die Trotzkis Namen umgibt, dazu führe, dass das Wissen um Trotzki in Russland sehr begrenzt sei. Als Beispiel erwähnte er die jüngste russische Fernsehserie über Trotzki, und er kritisierte ausdrücklich das Schüren von Antisemitismus in dieser Serie.

„Mir scheint, dass ich auf der Londoner Buchmesse auf etwas gestoßen bin, was ich nicht erwartet hatte“, schloss der russische Verlagsmanager.

Wer auf der Londoner Buchmesse nach „sozialistischen“ Ausstellern suchte, fand als einzigen Treffer auf seine Suche Mehring Books. Dagegen beschreiben sich Verso, der 1970 von der New Left Review gegründete Verlag, und Pluto Press, die 1969 von den International Socialists gegründet worden war, als „radical publishers“. Ihre Buchtitel reflektieren im Allgemeinen die Rechtsentwicklung kleinbürgerlicher Radikaler, die mehr an Genderfragen, Hautfarbe und sexueller Orientierung interessiert sind. Sie sind von postmodernistischer Feindschaft gegen den philosophischen Materialismus und die Arbeiterklasse erfüllt.

Am letzten Tag der Londoner Buchmesse stellte Mehring Books seinen Stand in den Dienst der Kampagne zur Verteidigung des WikiLeaks-Herausgebers Julian Assange und der ehemaligen US-Soldatin und mutigen Whistleblowerin Chelsea Manning. Sie war erst vor einer Woche wieder ins Gefängnis geworfen worden, weil sie sich geweigert hatte, gegen Assange auszusagen. Der Twitter Feed von Mehring Books gab folgenden Appell heraus: „Mehring Books twittert den ganzen Tag von der Londoner Buchmesse unter dem #HashtagFree Assange. Besucht unseren Stand mit der Nummer 2A43. Zeigt eure Solidarität mit einem Herausgeber, der mitten in London illegal festgehalten wird, weil er der Welt die Wahrheit sagte!“

Mehring Books unterstützt Julian Assange und Chelsea Manning

Die Reaktion war geteilt. Viele kommerzielle Herausgeber glaubten den Desinformationen und Lügen über Assange und WikiLeaks, die von den Mainstream Medien und staatlichen Nachrichtenquellen verbreitet werden. Eine Vertreterin von Mehring Books besuchte den Medienraum der Londoner Buchmesse und sprach dort, um die Initiative am Verlagsstand bekannt zu machen: „Julian Assange ist vielleicht der weltweit bekannteste Herausgeber, und sein Schicksal sollte den Besuchern der Londoner Buchmesse nicht gleichgültig sein.“ Dieser Appell traf auf unverhüllte Feindschaft. Ein führender Journalist behauptete sogar zu Unrecht, Assange sei gar nicht illegal und willkürlich eingesperrt.

Trotz den Desinformationen stellten sich andere entschlossen auf die Seite von Assange und Manning und waren gerne bereit, ihre Haltung zu dokumentieren. Ein Buchhändler erklärte: „Meinungsfreiheit ist eines der wichtigsten Menschenrechte. Ohne das ist die Welt wie ein Gefängnis.“ Die Messebesucherinnen Anne und Natalie waren gerne bereit, ihre Unterstützung zu Protokoll zu geben. „Chelsea hat starke Überzeugungen. Mehr Menschen sollten darüber Bescheid wissen. Dieses Land ist angeblich doch das Land der Freien und der Mutigen“. Die Erklärungen zur Verteidigung von Assange und Manning wurden mehr als 400 mal weitergeleitet und erhielten mehr als 660 Likes.

Anne und Nathalie

In dieser Woche ist der Mehring Verlag mit einem eigenen Stand auf der Leipziger Buchmesse (21.-24. März) vertreten: Halle 5, Stand K303

Buchvorstellung mit Christoph Vandreier:
„Warum sind sie wieder da? Geschichtsfälschung, politische Verschwörung und die Wiederkehr des Faschismus in Deutschland“
22. März 2019 von 17:00 bis 17:30 Uhr
Forum Sachbuch: Halle 5, Stand F401/G410
https://www.facebook.com/events/434997300581052/

Buchvorstellung mit David North:
„Das Erbe, das wir verteidigen. Ein Beitrag zur Geschichte der Vierten Internationale“
23. März 2019 von 15:00 bis 15:30 Uhr
Forum Sachbuch: Halle 5, Stand F401/G410
https://www.facebook.com/events/1136872546494511/

Zentrale Abendveranstaltung des Mehring Verlags:
„Die Lehren der 1930er und der Kampf gegen die extreme Rechte“
23. März 2019 von 20:00 bis 23:00
Baumwollspinnerei, Halle 18, Gutenberg Verlag und Druckerei (GVD) Spinnereistraße 7, 04179
https://www.facebook.com/events/767874130245894/

 

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