Faschisten schänden Grab von Karl Marx

Von Chris Marsden
19. Februar 2019

Die Socialist Equality Party verurteilt den feigen Akt des Vandalismus gegen das Grab von Karl Marx auf dem Londoner Highgate Cemetery.

Der Granitsockel, der eine große Bronzebüste von Marx trägt, wurde am Freitagabend mit antikommunistischen Slogans beschmiert. Es ist der zweite Angriff von Faschisten in den letzten zwei Wochen.

Karl Marx' geschändetes Grab nach dem jüngsten Übergriff (Foto: Highgate Cemetary)

Die Slogans, darunter „Memorial to Bolshevik Holocaust“ („In Gedenken an den bolschewistischen Holocaust“), wurden in großen roten Buchstaben über die vorhandenen Goldinschriften gemalt, namentlich Marxens unsterbliche Worte „Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!“ und „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert. Es kommt aber darauf an, sie zu verändern.“

Die Farbe wird derzeit entfernt, aber ein früherer Angriff – von Gärtnern bemerkt, die auf dem Gelände am 4. Februar arbeiteten – zerstörte Teile des ursprünglichen Grabsteins. Diesen hatte Marx für seine geliebte Frau Jenny von Westphalen gekauft, die 1881 starb; nach seiner eigenen Bestattung 1883 wurde der Grabstein errichtet. 1954 wurden die Leichen von Karl und Jenny exhumiert und an einen prominenteren Ort im östlichen Teil des Friedhofs gebracht. Die Kopfbüste wurde in das 1956 am neuen Ort vorgestellte Denkmal integriert.

Es wird angenommen, dass bei der ersten Attacke ein Metallgegenstand oder Hammer verwendet wurde, um den Namen von Marx auf dem Marmorstein zu vernichten. Der Geschäftsführer des Friends of Highgate Cemetery Trust, Ian Dungavell, sagte, das Denkmal werde „nie wieder dasselbe sein“, selbst nach Spezialreparaturen nicht.

Der Bereich des Marmorsteins, der beim ersten Angriff zerstört wurde

Es gab keine Verhaftungen wegen dieser Fälle von kulturellem Vandalismus. Es gibt auch keine Sicherheitskameras am Grab, das seit 1999 unter Denkmalschutz steht.

Der Betreiber des Friedhofs Highgate brandmarkte den neuesten Angriff mit dem Titel „Sinnlos. Dumm. Ignorant.“ Aber es ist mehr als das, es ist ein politisch motiviertes Verbrechen, begangen von rechtem Abschaum, von Leuten die Marx mit solcher Angst und solchem Hass betrachten, dass sie sogar sein Grab als Ziel wählen. Der letzte große Angriff war in den 1970er Jahren erfolgt, als eine Rohrbombe das Gesicht der Büste beschädigte, obwohl ein gesonderter Versuch, das gesamte Denkmal zu sprengen, fehlschlug. Auch kleinere Akte von Vandalismus wie Graffiti und das Beschmieren mit Hakenkreuzen wurden in den letzten Jahrzehnten beobachtet.

Foto des Grabs am vergangenen Sonntag, nach Beginn der Reparaturen

Der Angriff auf dem Highgate-Friedhof ist nur das jüngste Beispiel dafür, wie rechtsextreme Kräfte durch einen endlosen Strom offizieller antikommunistischer Propaganda aufgestachelt wurden. Ein Bericht über den Angriff auf der rechtsextremen Website Breitbart News zum Beispiel rief einen Schwall von schmutzigen faschistischen Antworten sowohl aus den USA als auch aus Großbritannien hervor.

Die Verunstaltung des Grabes von Marx bestätigt nur, dass politische Reaktionäre auf der ganzen Welt die Ideen des Mannes fürchten, den Friedrich Engels zu Recht als den „größten lebenden Denker“ der Welt bezeichnet hat. Allein in der vergangenen Woche kam es zu großen Streiks in Belgien, Frankreich, Portugal, Südafrika, Deutschland und den USA.

Zum Auftakt des letzten Jahres erklärte das Internationale Komitee der Vierten Internationale (IKVI): „Das Jahr 2018, das Jahr des 200. Geburtstags von Karl Marx, wird in erster Linie durch eine enorme Verschärfung der sozialen Spannungen und durch eine weltweite Zuspitzung des Klassenkampfs gekennzeichnet sein. Seit mehreren Jahrzehnten, insbesondere seit der Auflösung der Sowjetunion 1991, wird der Widerstand der Arbeiterklasse gegen die kapitalistische Ausbeutung niedergehalten. Doch die wesentlichen Widersprüche des kapitalistischen Systems treiben heute rasch auf den Punkt zu, an dem sich die Massenopposition der Arbeiterklasse gegen den Kapitalismus nicht mehr unterdrücken lässt. Diese Widersprüche bestehen zwischen einer global verflochtenen Wirtschaft und dem archaischen bürgerlichen Nationalstaatensystem, zwischen der weltweit vernetzten, Milliarden Arbeiter einbeziehenden gesellschaftlichen Produktion und dem Privateigentum an den Produktionsmitteln, und zwischen den Grundbedürfnissen der Massengesellschaft und dem eigennützigen Geldscheffeln einzelner Individuen.“

Marx' Prognose wird durch die Kämpfe von Millionen von Menschen in der Praxis bestätigt. Unter Bedingungen des kapitalistischen Zusammenbruchs kehrt das Interesse an seinen Schriften aufs Neue zurück.

Marx stellte den Sozialismus auf wissenschaftliche Grundlagen und legte damit das politische und intellektuelle Fundament für eine revolutionäre Massenbewegung der internationalen Arbeiterklasse. In seiner berühmten Trauerrede auf dem Highgate Cemetary für seinen lebenslangen Genossen und Freund erklärte Engels, warum Marx bis heute von den herrschenden Klassen auf der ganzen Welt so gehasst wird:

„Denn Marx war vor allem Revolutionär. Mitzuwirken, in dieser oder jener Weise, am Sturz der kapitalistischen Gesellschaft und der durch sie geschaffenen Staatseinrichtungen, mitzuwirken an der Befreiung des modernen Proletariats, dem er zuerst das Bewusstsein seiner eigenen Lage und seiner Bedürfnisse, das Bewusstsein der Bedingungen seiner Emanzipation gegeben hatte – das war sein wirklicher Lebensberuf. Der Kampf war sein Element. Und er hat gekämpft mit einer Leidenschaft, einer Zähigkeit, einem Erfolg wie wenige [...]

Und deswegen war Marx der bestgehasste und bestverleumdete Mann seiner Zeit. Regierungen, absolute wie republikanische, wiesen ihn aus, Bourgeois, konservative wie extrem-demokratische, logen ihm um die Wette Verlästerungen nach. Er schob das alles beiseite wie Spinnweb, achtete dessen nicht, antwortete nur, wenn äußerster Zwang da war. Und er ist gestorben, verehrt, geliebt, betrauert von Millionen revolutionärer Mitarbeiter, die von den sibirischen Bergwerken an über ganz Europa und Amerika bis Kalifornien hin wohnen, und ich kann es kühn sagen: Er mochte noch manchen Gegner haben, aber kaum noch einen persönlichen Feind.

Sein Name wird durch die Jahrhunderte fortleben und so auch sein Werk!“

 

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