Autoarbeiter demonstrieren in Detroit gegen GM-Werksschließungen und Entlassungen

Von Niles Niemuth
12. Februar 2019

Mehr als 100 Arbeiter und Unterstützer aus dem Mittleren Westen demonstrierten am Samstag in Detroit gegen die Pläne von General Motors, Werke zu schließen und tausende Arbeiter in den USA und Kanada zu entlassen. Die Demonstration wurde vom WSWS Autoworker Newsletter und dem Steering Committee of the Coalition of Rank and File Committees, dem Leitungsgremium der Aktionskomitees, organisiert.

GM hatte Ende letzten Jahres angekündigt, fünf Werke zu schließen, darunter große Montagewerke in Detroit-Hamtramck, Lordstown, Ohio und Oshawa, Ontario, und die Arbeitsplätze von 14.000 Arbeitern und Angestellten zu vernichten. Mit den ersten Entlassungen begann GM letzte Woche, als das Unternehmen 4.250 Angestellte feuerte.

Ein Ausschnitt der Demonstration vor der GM-Zentrale

Die Demonstration am Samstag – die erste und einzige organisierte Opposition gegen die Schließungen und Entlassungen – wurde ausgerufen auf der Grundlage des Kampfes für die Vereinigung der Arbeiterklasse auf internationaler Ebene durch die Bildung von Aktionskomitees, unabhängig von den Gewerkschaften. Die unternehmensfreundlichen Gewerkschaften, die UAW in den USA und Unifor in Kanada, tun nichts, um die Schließungen zu stoppen, sondern verbreiten das Gift des Nationalismus, indem sie die Arbeiter in Mexiko beschuldigen.

Die Kundgebung und die anschließende Veranstaltung in der Second Baptist Church of Detroit wurden von Arbeitern aus aller Welt über Social Media verfolgt. Der Protest erhielt starke Unterstützungsbekundungen von Vertretern der Maruti-Suzuki-Arbeiter in Indien, der Teeplantagenarbeiter in Sri Lanka und von streikenden Arbeitern aus der Zulieferindustrie in Matamoros, Mexiko. Grüße wurden auch von Arbeitern aus der Türkei, Deutschland, Großbritannien und Australien übermittelt.

Ein anderer Ausschnitt der Demonstration

Arbeiter und junge Menschen aus ganz Michigan, Illinois, Iowa und dem Bundesstaat New York marschierten eine Stunde lang vor der GM-Zentrale im Renaissance Center am Flussufer in der Innenstadt von Detroit. Die IYSSE hatte Studierende von der Wayne State University und von der University of Michigan in Ann Arbor mobilisiert.

Die Demonstranten sangen Slogans, darunter: „Same struggle, same fight! Workers of the world, unite!“, „Detroit, Oshawa, Lordstown, we won't let them shut you down!“ und „Wage cuts and job losses! The union's working with the bosses!“

Die Demonstranten hielten Schilder mit der Aufschrift „Keine Entlassungen! Kein Zugeständnisse! Kämpft gegen die Werksschließungen bei GM“ hoch. Andere forderten die Abschaffung des verhassten zweistufigen Lohn- und Bonussystems riefen zur Bildung von Aktionskomitees in jedem Werk auf. Andere trugen Schilder mit der Aufschrift „Keine Zugeständnisse mehr! Hier hören die Konzessionen auf“, „Kämpft gegen die unternehmensfreundliche UAW“, „Kämpft für Arbeiterkontrolle über die Fabriken“ und „Kämpft für den Sozialismus! Für soziale Bedürfnisse, gegen privaten Profit“.

Die Kundgebung wurde von Lawrence Porter, einem ehemaligen Chrysler-Arbeiter und dem stellvertretenden nationalen Sekretär der Socialist Equality Party, und Jerry White, dem Herausgeber des WSWS Autoworker Newsletter, auf den Stufen vor dem Renaissance Center durchgeführt.

Ein Teil der Demonstration

„Diese Demonstration hat gezeigt, dass die Arbeiterklasse ein Zeichen gesetzt hat“, sagte Porter. „Ein Zeichen gegen die Pläne von General Motors. Ein Zeichen gegen niedrige Löhne. Ein Zeichen gegen Versuche, Arbeiter von ihren Brüdern und Schwestern auf der ganzen Welt zu trennen. Und ein Zeichen gegen die Gewerkschaften, die sich mit der Unternehmensleitung zusammengeschlossen haben. Diese Demonstration zeigt, dass die Zeit für Rückschläge und Zugeständnisse vorbei ist. Die Arbeiter suchen nach einem Weg, um zu kämpfen!“

White verurteilte die Entscheidung von GM, die Werke zu schließen und das Leben von Arbeitern zu zerstören, die auf sie angewiesen sind. „Wir sind heute hier versammelt, um zu sagen, dass wir diese illegitime Entscheidung nicht akzeptieren. Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie ein weiterer krimineller Angriff von Konzernen die Arbeiter auf die Straße wirft, die Milliarden und Abermilliarden an Gewinnen für diese Konzerne produziert haben!“

„Seit der ersten Rettungsaktion von Chrysler im Jahr 1979“, erklärte White, „haben die United Auto Workers den Autoarbeitern Jahr für Jahr gesagt, dass sie Lohn- und Leistungskürzungen akzeptieren müssten, um ihre Arbeitsplätze zu retten. Und was hat das gebracht? 600.000 Arbeiter haben ihren Arbeitsplatz verloren, ältere Arbeiter wurden rausgeworfen, und eine neue Generation junger Autoarbeiter fängt zu Armutslöhnen an, mit Teilzeitarbeit ohne jegliche Rechte, obwohl sie weiterhin Beiträge an die UAW zahlen. Eine Organisation, die Bestechungsgelder von Konzernen annimmt und Aktien über 100 Millionen Dollar von General Motors besitzt, wird nichts tun, um die Autoarbeiter zu verteidigen.“

Jerry White spricht vor der GM-Konzernzentrale

White erklärte, dass das Leitungsgremium der Aktionskomitees auf einer Sitzung am 9. Dezember von Autoarbeitern, Amazon-Arbeitern und Lehrern gebildet wurde, um den Kampf den Händen der von den Unternehmen kontrollierten Gewerkschaften zu entreißen und die Arbeiterklasse gegen das kapitalistische System zu mobilisieren.

Nach den Reden zogen die Demonstranten dann durch die Innenstadt von Detroit zur Second Baptist Church, einer Kirche, die vor dem amerikanischen Bürgerkrieg als Zwischenstation der Underground Railroad für entflohene Sklaven diente. Auf der Veranstaltung sprachen Jerry White, der Chefredakteur der WSWS und Vorsitzender der amerikanischen SEP, David North, sowie der nationale Sekretär der SEP, Joseph Kishore, und der WSWS-Redakteur Eric London.

North begann mit einem Hinweis auf den historischen Zusammenhang der Demonstration mit der Geschichte der Kirche: „Man kann sich höchstens vorstellen, wie diejenigen, die in den 1850er Jahren in diese Kirche kamen, die Verhältnisse sahen. Wer hätte sich 1855 vorstellen können, dass die Sklavenhaltung innerhalb eines Jahrzehnts nicht mehr existieren würde?“

David North

Über die Demonstration sagte North: „Hier wurde die Opposition organisiert.“ Er erklärte, die Demonstration habe „den Bestrebungen einer Klasse bewusst Ausdruck verliehen, deren soziales Bewusstsein und Verständnis für die Welt, in der sie lebt, sich entwickelt“. Die Demonstration habe die kommende Entwicklung vorweggenommen, sagte er.

„Die Forderungen, die wir heute aufgestellt haben, sind Slogans, die in der kommenden Zeit von Millionen und Abermillionen aufgegriffen werden“, erklärte North. „Wir kämpfen darum, die Arbeiterklasse ins politische Leben zu bringen, darum, den Massen eine politische Orientierung zu geben.“

White sprach nach North und erklärte: „Wir kämpfen für Emanzipation, um der modernen Sklaverei, der Lohnsklaverei, ein Ende zu setzen, um dem Kapitalismus ein Ende zu setzen, der ein Maß an sozialer Ungleichheit geschaffen hat, das die Pharaonen erröten lassen würde.“ Er verlas auch eine Grußbotschaft von Jitender Dhankar, Mitglied des provisorischen Komitees der Maruti Suzuki Workers Union in Indien.

Nachdem die Arbeiter gegen die Betriebsgewerkschaft rebelliert hatten, um ihre eigene unabhängige Organisation zu gründen, wurden dreizehn Führer der neuen Gewerkschaft für den Tod eines Managers in einer vom Unternehmen inszenierten gewaltsamen Konfrontation zu lebenslanger Haft verurteilt. „Es ist notwendig, dass wir unsere Einheit aufbauen und den Kampf nicht auf ein Unternehmen oder eine Nation stützen, sondern die Arbeiter der Welt mobilisieren“, erklärte Dhankar in seinem Brief. (Die Grüße werden vollständig auf der WSWS veröffentlicht werden.)

Eric London sprach von der immensen Bedeutung der anhaltenden Kämpfe der Arbeiter in Mexiko, die, wie London unter Beifall feststellte, „mit einem altmodischen Fall von Streikfieber einhergingen.“ Die Streiks wurden gegen die Gewerkschaften organisiert. „Arbeiter in verschiedenen Ländern sprechen vielleicht nicht die gleiche Sprache, haben unterschiedliche Hautfarben, aber sie gehören alle derselben Arbeiterklasse an [...] Der Kampf für die internationale Einheit der Arbeiterklasse ist nichts für Sonntagsreden, sondern eine strategische Notwendigkeit.“

London trug Unterstützungsbotschaften von Arbeitern in Mexiko und Migranten in den Vereinigten Staaten vor, die von der Trump-Regierung verfolgt wurden. Eine dieser Arbeiterinnen, Griselda, eine Vorsitzende des Aktionskomitees von Fisher Dynamics in Matamoros, unterstützte „die Forderung nach einem Generalstreik in Kanada, den USA und Mexiko, um Entlassungen und Missbrauch zu beenden und faire Löhne zu bekommen. Wir müssen zusammenstehen. In unserem Kampf gibt es keine Grenzen. Wir stehen hier gemeinsam.“

Joseph Kishore, der letzte Redner, sagte, dass die Demonstration eine Strategie festgelegt habe – dass die Arbeiterklasse unabhängig von den Gewerkschaften organisiert werden müsse, dass sie auf der Einheit aller Arbeiter basieren müsse und dass sie nicht den Profiten der Unternehmens- und Finanzelite untergeordnet werden dürfe.

Kishore sprach über die Bedeutung der Erklärung von Donald Trump in seiner Rede zur Lage der Nation, Amerika werde „nie ein sozialistisches Land sein“. Die herrschende Klasse sei verängstigt, sagte Kishore, über das Wachstum der Opposition der Arbeiterklasse, nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auf der ganzen Welt. Er erklärte, dass beide Parteien, Demokraten und Republikaner, einig sind in ihrer Opposition zur Arbeiterklasse.

Joseph Kishore

Die Taten von GM, sagte Kishore, veranschaulichten die Natur des Kapitalismus. „Wenn du wissen willst, was Kapitalismus ist: es ist GM, das fünf Werke stilllegt und dann Milliarden von Dollar an seine Investoren an der Wall Street aushändigt.“

„Die herrschende Klasse hat Angst vor der Arbeiterklasse“, sagte Kishore. „Diese Idee, die Idee des Klassenkampfes, die Idee der sozialen Revolution, die Idee einer Gesellschaft, die auf der Grundlage der Interessen der Arbeiterklasse geführt wird, die auf Gleichheit und nicht auf Profit basiert, diese Idee, sobald sie die Massen erfasst hat – und sie erfasst die Massen! – ist die mächtigste Kraft auf dem Planeten.“

Nick, ein Autoarbeiter, der gefeuert worden war, weil er Kolleginnen verteidigt hatte, die von Gewerkschaftsfunktionären sexuell belästigt wurden, sprach über die Erfahrungen der Autoarbeiter in den letzten Jahren und erklärte die Bedeutung und Rolle der WSWS, die den Arbeitern Informationen und eine Stimme gab. Er sagte zu den Zuhörern: „Wir machen ihnen Angst, und sie haben zu Recht Angst. Wir werden handeln, aber wir werden das nicht als Einzelne tun, sondern durch die Socialist Equality Party.“

North schloss das Treffen mit der Feststellung, dass die Führung der herrschenden Klasse „bei lebendigem Leibe verfault. Es sind nicht die Donald Trumps, geschweige denn die erbärmlichen Bürokraten in den Gewerkschaften oder ihre Verbündeten in der Demokratischen Partei, die für die tiefsten Prozesse der historischen Entwicklung sprechen. Es ist diese Partei“, die Socialist Equality Party. Er rief die Teilnehmer auf, sich der SEP anzuschließen und eine sozialistische Führung in der Arbeiterklasse aufzubauen.

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