Nordamerika: GM entlässt 4250 Mitarbeiter

Von Shannon Jones
4. Februar 2019

Heute beginnt General Motors mit den ersten 4250 Entlassungen in Nordamerika. Im Rahmen umfassender Umstrukturierungspläne sind die Schließung von fünf Werken und der Abbau von 15.000 Stellen geplant, darunter die Entlassung von 15 Prozent der 54.000 Beschäftigten in Nordamerika.

Laut einem Pressebericht wird sich der massive Arbeitsplatzabbau bis zum Ende des Monats hinziehen. Bis Ende des Jahres sollen Montagewerke in Lordstown (Ohio), Detroit-Hamtramck und Oshawa (Ontario, Kanada) sowie Warren Transmission (Michigan) und ein Antriebswerk in Maryland geschlossen werden, was ganze Städte ins Elend stürzen wird.

Laut einem anderen Bericht will das GM-Management mit den Entlassungen schon beginnen, bevor das Unternehmen am Mittwoch seinen Bericht für das vierte Quartal 2018 und den Jahresbericht für 2018 veröffentlicht, die vermutlich einen Gewinnrückgang zeigen werden. Offenbar treibt die Wall Street GM und die anderen großen Autokonzerne dazu an, die Kosten zu senken und die Angriffe auf die Arbeiter zu verschärfen, um die Aktienkurse und Spekulationsgewinne der Banken, Hedgefonds und Großinvestoren in die Höhe zu treiben. GM will mit den Kostensenkungen und Werksschließungen jährlich sechs Milliarden Dollar einsparen. Allerdings hat das Unternehmen seit 2015 schon 10,6 Milliarden Dollar für den Rückkauf seiner eigenen Aktien ausgegeben, um die Portfolios der Finanzoligarchen zu mästen.

Die Kürzungen rufen große Wut und den Widerstand der Autoarbeiter in den USA und Kanada hervor. Ohnehin haben sie sich nie von dem Stellenabbau und den Zugeständnissen erholt, die ihnen die Obama-Regierung und die Autokonzerne mit Hilfe der Gewerkschaften aufzwangen, als GM in die Zwangsinsolvenz ging und umstrukturiert wurde. Die angedrohten Kürzungen werden ganze Regionen in den USA und Kanada, die schon von jahrzehntelanger Deindustrialisierung verwüstet sind, weiter ins Elend stürzen.

In Kanada veranstalteten die Arbeiter im Montagewerk Oshawa letzten Monat eine fünfstündige Sitzblockade, nachdem GM-Vorstandschefin Mary Barra angekündigt hatte, sie werde nicht von ihrer Entscheidung abrücken, das Werk zu schließen. Die Arbeiter organisierten diese Aktion unabhängig von Unifor, was die Gewerkschaftsfunktionäre erschreckte und dazu brachte, die Rebellion schnellstmöglich zu unterdrücken.

Detroit, 9. Februar: Demonstration gegen Werksschließungen von GM

Am 9. Februar wird eine Demonstration vor der GM-Zentrale in Detroit stattfinden, um gegen die Entlassungen und Werksschließungen zu demonstrieren. Dazu aufgerufen haben der World Socialist Web Site Autoworker Newsletter und das Leitungskomitee der Coalition of Rank-and-File Committees (Bündnis der Aktionskomitees). Die Arbeiter sind aufgerufen, den Kampf um ihre Arbeitsplätze und ihren Lebensstandard unabhängig von UAW und Unifor aufzunehmen und sich mit den 70.000 mexikanischen Autoarbeitern in Matamoros zu verbünden, die seit drei Wochen einen spontanen Streik führen. Matamoros befindet sich genau gegenüber Brownsville (Texas), auf der anderen Seite der amerikanisch-mexikanischen Grenze.

Die Demonstration ist nicht als Appell an GM und die Konzernbosse gedacht, sondern als Aufruf an die Arbeiter, ihre Stärke und Kampfbereitschaft zur Bildung von Aktionskomitees zu nutzen, um unabhängig von den wirtschaftsfreundlichen Gewerkschaften, Politikern und Parteien handeln zu können. (Siehe auch: „9. Februar: Demonstration gegen die Schließung von Autowerken in Detroit. Das Programm und die Strategie zur Verteidigung von Arbeitsplätzen“)

Der Aufruf stößt auf großes Interesse und Unterstützung. Ein zentrales Thema bei dieser Aktion ist die Einheit der US-amerikanischen, mexikanischen und kanadischen Arbeiter gegen Arbeitsplatzabbau und Zugeständnisse sowie gegen alle Versuche, die Arbeiter nach Nationalitäten zu spalten.

Das erfordert einen unerbittlichen Kampf gegen den Wirtschaftsnationalismus, den die Gewerkschaften verbreiten. Die Reaktion der United Auto Workers und der kanadischen Unifor auf die Werksschließungen besteht darin, nationalistisches Gift zu verspritzen. Letzte Woche kündigte die UAW an, sie beteilige sich an einem Boykott von GM-Fahrzeugen aus mexikanischer Produktion, zu dem Unifor zuvor aufgerufen hatte.

Die gleichen Organisationen lehnen jeden Arbeitskampf der GM-Arbeiter gegen die Entlassungen ab. Stattdessen werden sie die Drohung mit Werksschließungen benutzen, um die Arbeiter zu neuen Zugeständnisse zu zwingen, welche die Autokonzerne in den Tarifverhandlungen im Laufe des Jahres fordern werden.

Der Aufruf zum Boykott, der sich gegen die Arbeitsplätze mexikanischer Arbeiter richtet, ist ein Versuch, die Arbeiter vom Kampf gegen den wirklichen Feind abzulenken: die transnationalen Autokonzerne und das Profitsystem an sich. Stattdessen sollen sie ihre Wut gegen ihre Kollegen südlich des Rio Grande richten. Damit stellen sich die Gewerkschaften hinter die faschistischen Angriffe der Trump-Regierung auf Immigranten aus Mexiko und Mittelamerika.

GM hat die Werksschließungen in einer Situation angekündigt, die von wachsender Militanz unter den Arbeitern auf der ganzen Welt geprägt ist. Das zeigt sich zum Beispiel im Autoarbeiterstreik in Ungarn, an den „Gelbwesten“ in Frankreich, in einem Generalstreik in Indien und dem Ausstand von 30.000 Lehrern in Los Angeles.

Als besonders besorgniserregend empfinden UAW und Unifor den Streik der Maquiladora-Arbeiter in Matamoros. Sie haben den Kampf gegen die Ausbeuterbedingungen in den Montagewerken aufgenommen, welche die Auto- und andere Industrie beliefern. Bisher hat die UAW noch kein Wort über den heldenhaften Kampf der Arbeiter in Matamoros verloren, die ihre Streiks unabhängig von und gegen den Widerstand der offiziellen Gewerkschaften begonnen haben.

Ein Arbeiter im Ford-Werk Sterling Axle bei Detroit reagierte auf den anti-mexikanischen Boykott der UAW gegenüber der WSWS mit den Worten: „Das ist nicht die Schuld der mexikanischen Arbeiter. Verantwortlich sind die Konzerne mit ihrer Gier. Sie wollen immer mehr Profit.“

Über den UAW-Präsidenten sagte der Arbeiter: „Von Gary Jones haben wir seit seiner Wahl kein Wort gehört. Er will die Autokonzerne nicht verärgern, weil er seine Privilegien nicht verlieren will. Sie [die Gewerkschaft] ist über den Gesundheitsfonds für Rentner an GM beteiligt.“

Das Stillschweigen der Medien zum Streik in Matamoros kommentierte er mit den Worten: „Sie wollen nicht, dass wir auf dumme Gedanken kommen. Die mexikanischen Arbeiter halten zusammen und sagen: genug ist genug. Die Medien wollen nicht, dass wir das herausfinden, weil sie nicht wollen, dass wir unsere eigenen Forderungen aufstellen.“

Ein General Motors-Arbeiter aus dem Werk Delta Township nahe Lansing (Michigan) sagte, er wolle an der Demonstration am 9. Februar teilnehmen: „Nicht die mexikanischen Arbeiter sind schuld. Sie versuchen nur, für ihre Familien zu sorgen.

GM schließt fünf Werke, obwohl sie Rekordgewinne machen. Sie versuchen, die älteren Arbeiter in die Rente zu zwingen, indem sie sie in andere Werke abschieben, wohin sie große Strecken fahren müssen. Dadurch haben sie kaum Zeit für ihre Familien. Sie können nicht einfach umziehen und neue Häuser kaufen. Also sind sie gezwungen, in Rente zu gehen.

Man hört von der UAW nichts über die Werke, die in Kanada geschlossen werden. Wir sollten darüber nachdenken, wie wir denen eins auswischen können, indem wir zusammenhalten: die mexikanischen, kanadischen und amerikanischen Autoarbeiter alle zusammen.“

Am Donnerstag stellte UAW-Präsident Gary Jones erneut unter Beweis, dass sich die UAW hinter die Trump-Regierung stellt. Er unterstützte das Trumps Dekret mit dem Namen: „Stärkung der ‚Kauft-amerikanisch‘-Präferenzen für Infrastrukturprojekte“. In einer kurzen Stellungnahme erklärte Jones: „Unternehmen wie General Motors haben die Pflicht, dort zu bauen, wo sie verkaufen. Sie müssen aufhören, Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern.“

Die kanadische Gewerkschaft Unifor erklärte derweil, sie wolle beim Superbowl-Spiel am Sonntag Anzeigen für ihren antimexikanischen Boykott schalten. Diese Anzeigen sind sehr teuer. Berichten zufolge kostet ein 30-Sekunden-Spot 5,25 Millionen Dollar, was etwa den monatlichen Mitgliedsbeiträgen von 100.000 Arbeitern entspricht.

Die nationalistischen „Buy American“- und „Made in Canada“-Kampagnen von UAW und Unifor sind reaktionär und absurd. Sie ignorieren den globalen Charakter der Produktion, durch den es unmöglich geworden ist, die „Nationalität“ eines Fahrzeugs zu bestimmen.

Unifor-Präsident Jerry Dias hat die Streiks in Matamoros erst wochenlang ignoriert, und letzte Woche verkündete er dann in einer oberflächlichen Erklärung seine „Unterstützung“ für die streikenden mexikanischen Autoarbeiter an. Zuvor hatten die etablierten Medien, die pseudolinken Gruppen, Unifor und die UAW versucht, alle Nachrichten über den Streik der mexikanischen Autoarbeiter auszublenden.

Der Beginn der Massenentlassungen bei GM zeigt, welche große Bedeutung es hat, dass die Demonstration in Detroit am 9. Februar ein voller Erfolg wird. Die WSWS und die Socialist Equality Party rufen zur größtmöglichen Mobilisierung unter Autoarbeitern und anderen Teilen der Arbeiterklasse wie der Lehrer, der Autozuliefererarbeiter, der Amazon- und UPS-Beschäftigten sowie der Studenten und Jugendlichen gegen Werksschließungen und Entlassungen auf.

Alle Arbeiter weltweit, die eine Solidaritätsbotschaft für die Kundgebung in Detroit am 9. Februar schicken möchten, können dies unter der E-Mail-Adresse autoworkers@wsws.org und über unsere Facebook-Seite tun. Weitere Informationen über die unter wsws.org/auto.

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