Kämpft gegen die Entlassungen bei Ford! Bildet Aktionskomitees, um die Arbeiter in ganz Europa zu vereinen!

Sozialistische Gleichheitspartei, Socialist Equality Party (UK) und Parti de l’égalité socialiste
15. Januar 2019

Die Ankündigung des Ford-Konzerns, Werke stillzulegen und Tausende Autoarbeiter in ganz Europa zu entlassen, ist der jüngste Schritt einer globalen Offensive der Automobilkonzerne gegen Arbeitsplätze, Löhne und Lebensbedingungen der Arbeiterklasse.

Der europäische Präsident von Ford, Steven Armstrong, sagte der Financial Times am Donnerstag, dass die Entlassungen, die Teil eines internationalen 14-Milliarden-Dollar-Kosteneinsparungsplans sind, einen „erheblichen“ Teil der 53.000 Ford-Arbeiter in den 19 europäischen Werken betreffen würden. Obwohl Ford derzeit plane, den Betrieb in Europa aufrechtzuerhalten, fügte er hinzu, dass „alles möglich ist, wenn wir die Neuaufstellung nicht durchführen können“. Diese Androhung weiterer Kürzungen dient einzig und allein dazu, von den Arbeitern noch in diesem Jahr weitere Zugeständnisse zu erpressen.

Zehntausende Arbeiter und ihre Familien, die für den Konzern die besten Jahre ihres Lebens gegeben haben, werden einfach so weggeworfen. In der Presseerklärung von Ford vom 10. Januar wird dies als „Reduzierung der überschüssigen Arbeitskräfte in allen Funktionen“ umschrieben. Dazu gehört die Schließung des Werks von Ford Aquitaine Industries in Blanquefort im August 2019, dem einzigen Ford-Montagewerk in Frankreich, die die direkte Zerstörung von 900 Arbeitsplätzen plus die von 3000 in der Zulieferindustrie beinhaltet. Eine große Anzahl von Stellen, die Rede ist von bis zu 1.600, soll im Montagewerk im deutschen Saarlouis wegfallen, weil dort die Produktion der C-Max-Modelle eingestellt werden soll.

Mindestens 370 Arbeiter sollen im Motorenwerk Bridgend in Südwales entlassen werden, so die BBC, weitere Entlassungen werden von den mehr als 13.000 Ford-Arbeitern in Großbritannien erwartet. Russische Medien berichten, dass das Schicksal der Ford-Werke im Land „besiegelt“ ist, mit erwarteten Schließungen von Werken in Wsewoloschsk bei St. Petersburg (2.700 Arbeiter) und Nabereschnyje Tschelny (1.000 Arbeiter).

Die Arbeiterklasse darf das angebliche „Recht“ der Konzerne nicht akzeptieren, Werke zu schließen, ganze Stadtgebiete und das Leben Zehntausender Arbeiter zu zerstören! Die illegitimen Vorhaben von Ford sind einzig und allein vom Wunsch motiviert, immer größere Vermögen in die Taschen seiner milliardenschweren Aktionäre und Finanzspekulanten zu stopfen. Letztes Jahr zahlte Ford allein 2,3 Milliarden Dollar an Dividenden aus, das entspricht 43.000 Dollar pro europäischem Fordarbeiter.

Die Arbeiter müssen einen Kampf gegen alle Schließungen, Entlassungen und Zugeständnisse organisieren, indem sie in den Werken in ganz Europa Aktionskomitees bilden, um weltweite Kommunikationswege mit Arbeitern aller Werke aufzubauen und eine gemeinsame Gegenoffensive zu organisieren.

Es darf kein Vertrauen in die Gewerkschaften gesetzt werden. Nichts werden sie tun. Ob die CGT in Frankreich, die Unite Gewerkschaft in Großbritannien, die IG Metall in Deutschland oder sonst wo, sie alle arbeiten als verlängerter Arm des Managements gegen die Arbeiter. Die einzige ehrliche Aussage in Fords Pressemitteilung vom 10. Januar ist, dass sie diese als ihre „Gewerkschaftspartner“ bezeichnet haben, mit denen sie bei der Umsetzung ihrer „umfassenden Transformationsstrategie" zusammenarbeiten werden.

Die Unite Gewerkschaft im Vereinigten Königreich hat bereits deutlich gemacht, dass sie zu „freiwilligen“ Entlassungen aufrufen wird, um Ford zu unterstützen und oppositionelle Arbeiter zu entwaffnen. Der nationale Sekretär von Unite Des Quinn erklärte, dass „die Herausforderung für die Regierung, die Automobilhersteller und die Gewerkschaften“ darin bestehe, „die Umwelt zu erhalten“, um den „Erfolg“ der britischen Fertigung zu sichern - was nichts anderes bedeutet, als dass die Arbeiter im Vereinigten Königreich niedrigere Löhne und ausbeuterischere Bedingungen akzeptieren sollen.

Was die IG Metall betrifft, so wurde ihre Haltung am deutlichsten vom Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrats von Ford, Martin Hennig, im August letzten Jahres in einem Interview zum Ausdruck gebracht. Damals erklärte er, dass die kleinen und mittleren Autos von Ford „gut laufen und wir mit ihnen gutes Geld verdienen“, dass aber nichts vom Gewinn übrig bliebe. Daher müssten „wir die Kosten in den Blick nehmen“. „Das muss die wichtigste Aufgabe des Topmanagements sein.“ Hennig beklagte sich dann über den hohen Krankenstand, den er auf die hohe Zahl der Beschäftigten über 50 Jahre zurückführt. „In dem Alter haben die Mitarbeiter schon Wehwehchen“, sagte er.

Die Gewerkschaften in ganz Europa haben zu keinem Streik aufgerufen, weil sie daran arbeiten, die Kürzungen bei Ford und in der gesamten Branche durchzusetzen. Im vergangenen November gab General Motors die Schließung von fünf Werken in Kanada und den USA sowie von zwei weiteren, noch nicht namentlich benannten Werken außerhalb Nordamerikas bekannt.

Als Ford Massenentlassungen in Europa ankündigte, bestätigte Jaguar Land Rover den Abbau von 4.500 Arbeitsplätzen in diesem und dem nächsten Jahr. Der französische Automobilhersteller PSA schließt nun Werke in ganz Europa und zerstört mehr als 3.700 Vollzeitstellen bei seiner Tochtergesellschaft Opel in Deutschland und Hunderte bei Vauxhall in Großbritannien. In Deutschland plant Volkswagen den Abbau von 7.000 Arbeitsplätzen an den Standorten Hannover und Emden.

Während sie gemeinsam mit den Konzernen diese Angriffe planen, arbeiten die Gewerkschaften daran, die Arbeiter in verschiedenen Ländern und verschiedenen Unternehmen gegeneinander auszuspielen. Im globalen Wettlauf nach unten drängen sie die Arbeiter in jedem Land, niedrigere Löhne und Bedingungen zu akzeptieren, um „international wettbewerbsfähig“ zu bleiben.

Der Weg vorwärts für die Arbeiter besteht darin, sich aus dem organisatorischen Würgegriff der Gewerkschaften zu befreien und einen unabhängigen, internationalen Kampf zu organisieren. Sie müssen in allen Werken neue Organisationen aufbauen – Aktionskomitees, die demokratisch kontrolliert werden – um sich zu vereinen und Arbeiter weltweit zur Verteidigung ihres sozialen Rechts auf einen Arbeitsplatz zu mobilisieren.

Ein solcher Kampf der Autoarbeiter würde in der Arbeiterklasse angesichts der wachsenden Opposition gegen soziale Ungleichheit, Militarismus und Austerität sowie die Politik der Großunternehmen und ihrer kapitalistischen Regierungen auf internationaler Ebene gewaltige Unterstützung finden. Im Jahr 2018 kam es zu einem ersten Ausbruch des Kampfes der Arbeiterklasse auf internationaler Ebene, beginnend mit den Massenstreiks von Lehrern in den Vereinigten Staaten, bis hin zu den weiter andauernden Demonstrationen der Gelbwesten in Frankreich, die von tiefer Wut über die soziale Ungleichheit und die wirtschaftsfreundliche Politik der Macron-Regierung befeuert werden.

Am vergangenen Dienstag haben die Arbeiter von GM in Oshawa, Kanada, in einem von der Gewerkschaft Unifor unabhängig eingeleiteten wilden Sitzstreik die Arbeit niedergelegt, nachdem GM die geplante Schließung des Werks Ende 2019 bestätigt hatte. Am 9. Dezember nahmen Autoarbeiter aller drei US-Hersteller, andere Arbeiter und junge Menschen an einer Veranstaltung in Detroit, Michigan, teil, die vom WSWS Autoworker Newsletter und der Socialist Equality Party organisiert wurde. Sie beschlossen dort einstimmig den Aufbau unabhängiger Aktionskomitees, um einen Kampf gegen die geplanten Entlassungen von General Motors zu organisieren.

Die kritische Aufgabe, vor der die Arbeiter stehen, besteht darin, einen unabhängigen politischen Kampf, im Gegensatz zu allen Parteien und Organisationen, die den Kapitalismus verteidigen, zu entwickeln. Die herrschenden Klassen in jedem Land bieten der Bevölkerung heute eine Zukunft der Sparprogramme, der Handelskriege und „Großmachtkonflikte“, wachsende soziale Ungleichheit und eine Hinwendung zu polizeilicher Repression und Diktatur zur Unterdrückung der weit verbreiteten Opposition.

Die Antwort ist der Kampf für Arbeiterregierungen im Rahmen des Kampfes für die Vereinigten Sozialistischen Staaten von Europa. Die Arbeiterklasse muss das gesamte Wirtschaftsleben neu ordnen, damit es der Befriedigung sozialer Bedürfnisse anstatt privater Profite dient. Dazu gehört auch die Umwandlung der riesigen Automobilkonzerne in öffentliche Unternehmen unter der demokratischen Kontrolle der Arbeiter. Die europäischen Sektionen des Internationalen Komitees der Vierten Internationale nutzen die Europawahlen, um für diese Perspektive zu kämpfen.

Die Sozialistischen Gleichheitsparteien und die World Socialist Web Site werden den Arbeitern, die einen Kampf gegen die Entlassungen in der Autoindustrie organisieren und sich mit ihren Kollegen international vernetzen wollen, jede erdenkliche Unterstützung zukommen lassen. Wir rufen Arbeiter auf, noch heute mit uns Kontakt aufzunehmen.

 

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