Wehrt euch gegen die Werksschließungen und Massenentlassungen bei GM!

29. November 2018

Am Montag kündigte General Motors (GM) an, fünf Werke in den USA und Kanada zu schließen und Anfang 2019 fast 15.000 Produktionsarbeiter und Angestellte zu entlassen. Dieser massive Aderlass ist der Beginn einer Umstrukturierung der globalen Automobilindustrie, die die Arbeitsplätze von Millionen Menschen auf der ganzen Welt gefährdet.

Vor zehn Jahren nutzte die herrschende Klasse der USA und auf der ganzen Welt den Börsenkrach für eine großangelegte Umverteilung der Vermögen von unten nach oben – von der Arbeiterklasse in die Hände der Superreichen. Die Insolvenz von GM und Chrysler im Jahr 2009 war ein zentraler Bestandteil der Offensive der herrschenden Klasse. Unter dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama wurde eine Task Force für die Umstrukturierung der Autoindustrie gegründet, in der eine Clique von Wall Street-Finanziers Zehntausende Arbeitsplätze abbaute, die Löhne der Autoarbeiter senkte und den Arbeitsschutz aushöhlte.

Dies war das Startsignal für ähnliche Angriffe auf die Einkommen und Errungenschaften der gesamten Arbeiterklasse in den USA und weltweit. Im vergangenen Jahr fiel das globale Lohnwachstum auf den niedrigsten Stand seit 2008 und lag damit weit unter dem Niveau vor dem Wall-Street-Crash, wie ein neuer Bericht der International Labour Organization zeigt.

Für die herrschende Klasse ist das jedoch nicht genug. Ihr Motto lautet: „Mehr!“ US-Präsident Donald Trump heuchelte zwar Kritik am Personalabbau bei GM, doch seine Regierung leitet diese erneuten Angriffe auf die Arbeiterklasse an – mit voller Unterstützung der Demokratischen Partei. Während sich die Anzeichen eines erneuten wirtschaftlichen Abschwungs mehren, ist die Unternehmens- und Finanzelite entschlossen, immer größere Summen in die Märkte zu pumpen.

Die Börse feierte die Werksschließungen und die Ankündigung von GM-Managerin Mary Barra, Ausgaben in Höhe von 6,5 Milliarden Dollar einsparen zu wollen. Schließlich werden die Einnahmen aus den Kostensenkungen in Form von Aktienrückkäufen und Dividendenzahlungen in die Portfolios reicher Investoren fließen.

Die Folgen für die Arbeiterklasse werden katastrophal sein. Die Schließung der Werke in Detroit-Hamtramck (Michigan), Lordstown (Ohio) und Oshawa (Ontario) wird verheerende Auswirkungen auf Regionen haben, die schon jetzt von jahrzehntelanger Deindustrialisierung, Armut und sozialem Niedergang betroffen sind. Mehr Familien werden ins Elend getrieben und ihre Häuser zwangsversteigert. Familienkrisen, Selbstmorde und Opioid-Todesfälle werden zunehmen.

Autoarbeiter dürfen das angebliche „Recht“ der Unternehmens- und Finanzelite, diese Werke zu schließen, nicht akzeptieren! Eine umfassende Kampagne ist nötig, um die Arbeitsplätze zu verteidigen – von Demonstrationen und Streiks bis hin zu Werksbesetzungen. Der World Socialist Web Site Autoworker Newsletter hat gestern Abend ein Treffen organisiert, um eine Strategie zur Verhinderung der Werksschließungen zu diskutieren.

Der Kampf kann weder mithilfe der US-Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) noch der kanadischen Unifor geführt werden. Sie sind längst keine Arbeiterorganisationen mehr, sondern ein Arm der Konzernführung. Die privilegierten Gewerkschaftsbürokraten, die vorgeben, die Autoarbeiter zu vertreten, profitieren in Wirklichkeit von den Angriffen auf Löhne und Arbeitsplätze.

Es sind bereits vierzig Jahre vergangen, seit die UAW mit ihrer Politik der Zugeständnisse an die Arbeitgeber begann. Startschuss war 1979 der Bailout bei Chrysler, der angeblich Arbeitsplätze „retten“ sollte. UAW-Vizepräsident Marc Stepp erklärte damals: „Ich glaube, dass das Unternehmen den Betrieb reduzieren muss. Wir haben eine freie Marktwirtschaft in diesem Land. Die Unternehmen haben das Recht, Gewinne zu erzielen.“

Seitdem folgte eine Katastrophe auf die nächste. Die Zahl der Beschäftigten von GM, Ford und Chrysler sank von 702.000 auf 140.000, während sich gleichzeitig die Löhne, Leistungen und Arbeitsbedingungen der Autoarbeiter verschlechterten.

In den letzten Jahren – vor allem 2007, 2009, 2011 und 2015 – behauptete die UAW immer wieder, dass die Arbeiter keine andere Wahl hätten, als mehr Opfer zu bringen, weil die Gewinnmaximierung der Konzerne und die internationale Wettbewerbsfähigkeit angeblich ihre Arbeitsplätze sichern würden. Auch Unifor begründete so die Durchsetzung von schlechteren Tarifverträgen für kanadische Autoarbeiter.

Diese Argumente haben sich jetzt als Lügen entpuppt. Die einzigen, die von den endlosen Zugeständnissen an die Arbeitgeber profitiert haben, waren die Konzernchefs, die Finanzhaie an der Wall Street und die UAW-Bosse selbst, die Milliarden an Unternehmensaktien kontrollieren und ihre Golftrips, Luxusressorts und Designerkleidung mit gewaschenen Geldern bezahlen, die sie den Arbeitern gestohlen haben.

Die Arbeiter brauchen eine neue Strategie, um sich zu wehren:

Erstens müssen sich die Autoarbeiter auf ihre eigenen Kräfte verlassen. Das bedeutet, dass sie in jedem Werk Betriebskomitees aufbauen müssen, die völlig unabhängig von der UAW und Unifor sind. Diese Komitees dienen dazu, nicht nur GM-Mitarbeiter, sondern alle Arbeiter in der Auto- und Zuliefererindustrie in den USA und Kanada zu verbinden. Die Arbeiterklasse, die den gesamten Reichtum der Gesellschaft produziert, verfügt über eine immense Stärke und Wirkungsmacht. Ein Streik in einer großen Fabrik könnte eine Branche, die auf eine ununterbrochene globale Lieferkette und Just-in-Time-Lieferung angewiesen ist, schnell stilllegen.

Zweitens müssen sich die Autoarbeiter über alle nationalen Grenzen hinweg zusammenschließen. Es liegt in der Natur der Sache, dass der Kampf einen internationalen Charakter hat. Die Arbeiter müssen das nationalistische Gift zurückweisen, das seit langem von den Gewerkschaften verbreitet wird, um die Arbeiter zu spalten. GM-Arbeiter in Korea und Autoarbeiter bei Vauxhall und Opel (beide früher GM) in Großbritannien, Deutschland und anderen Ländern sehen sich mit Werksschließungen und Massenentlassungen konfrontiert. Die anderen großen Autokonzerne werden mit Sicherheit dem Beispiel von GM folgen. Wenn die globalen Autoriesen eine internationale Strategie haben, um die Arbeiter gegeneinander auszuspielen, müssen auch Autoarbeiter eine internationale Strategie entwickeln, um dagegen zu kämpfen.

Drittens ist es angesichts der dramatischen sozialen Folgen, die diese Werksschließungen haben werden, notwendig, dass sich die Autoarbeiter an alle Arbeiter im ganzen Land wenden und sie für einen gemeinsamen Kampf mobilisieren. Die gleiche herrschende Klasse, die die Autoarbeiter angreift, steht auch hinter der sozialen Katastrophe in Detroit, Lordstown und anderen Städten in den Vereinigten Staaten.

Die Betriebskomitees der Autoarbeiter müssen ihren Kampf mit anderen Teilen der Arbeiterklasse verbinden, darunter UPS-Arbeiter, Lehrer, Ölarbeiter, Stahlarbeiter und Servicemitarbeiter sowie Arbeitslose und Studierende. Die Arbeitskämpfe münden in ihrer Logik in einen Generalstreik, der gegen den Arbeitsplatzabbau und die Angriffe auf die sozialen Errungenschaften der Arbeiterklasse gerichtet ist.

Und schließlich ist dies ein politischer Kampf, der die Arbeiterklasse nicht nur mit diesem oder jenen Arbeitgeber, sondern dem gesamten kapitalistischen System und den beiden von Unternehmen kontrollierten Parteien, den Demokraten und Republikanern, konfrontiert. Ein grundlegender und revolutionärer Wandel der gesellschaftlichen Verhältnisse ist nur möglich, wenn sich die Arbeiter im Kampf um die Macht als unabhängige politische Kraft verstehen.

Arbeiter können nicht gegen Werksschließungen und Lohnkürzungen kämpfen, wenn sie den kapitalistischen Markt als unantastbares Heiligtum akzeptieren. Die Socialist Equality Party betont, dass eine Gegenoffensive der Arbeiter von einer sozialistischen Strategie geleitet werden muss, die darauf abzielt, den Würgegriff der Banken und Großkonzerne zu durchbrechen und die Weltwirtschaft so umzugestalten, dass sie den menschlichen Bedürfnissen und nicht dem privaten Profit entspricht. Anstatt den Reichen als private Spielwiese zu dienen, sollten riesige Konzerne wie GM in öffentliche Unternehmen umgewandelt werden, die sich im kollektiven Besitz und unter demokratischer Kontrolle der Arbeiter befinden.

Jerry White

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