Erfolgreiche Veranstaltung zum 80. Jahrestag der Vierten Internationale in Berlin

Von unseren Reportern
5. November 2018

Am Samstag hielt David North im Rathaus Schöneberg in Berlin einen umfassenden Vortrag zum 80. Jahrestag der Gründung der Vierten Internationale. Fast einhundert Arbeiter und Jugendliche folgten gespannt den Ausführungen des Vorsitzenden der Socialist Equality Party (SEP) der USA und Chefredakteurs der World Socialist Web Site. Die Veranstaltung ist Teil einer weltweiten Vortragsreihe, die das Internationale Komitee der Vierten Internationale (IKVI) anlässlich des 80. Jahrestags der Gründung der Vierten Internationale durch Leo Trotzki 1938 organisiert.

Die Veranstaltung in Berlin

North erklärte gleich zu Beginn, dass alle Fragen, die vor 80 Jahren zur Gründung der Vierten Internationale führten, heute auf globaler Ebene wieder aufbrechen. Das gelte für die horrende soziale Ungleichheit, die tiefe Krise des Kapitalismus und die Wiederkehr von Faschismus und Krieg. Das 20. Jahrhundert, das von Revolution und Konterrevolution geprägt war, sei in diesem Sinne nicht abgeschlossen, sondern unvollendet.

In Deutschland habe die Rückkehr des Faschismus eine besondere Bedeutung. „Niemand kann sagen, dass er nicht weiß, wohin das alles führt“, erklärte North mit Blick auf den scharfen Rechtsruck der offiziellen Politik. SPD, CDU und CSU hätten in monatelangen Verhandlungen hinter verschlossenen Türen ein extrem rechtes Programm beschlossen. Mit der horrenden Aufrüstung, der flüchtlingsfeindlichen Politik und den sozialen Angriffen setzten sie die Politik der AfD in die Tat um. Obwohl sie nur knapp zwölf Prozent der Stimmen erhalten habe, dominiere die rechtsradikale Partei die Politik.

Unter diesen Bedingungen seien die sozialistischen Prinzipien, die Trotzki gegen Sozialdemokratie und Stalinismus verteidigt habe, von größter Aktualität. Zuallererst sei das die Verteidigung des marxistischen Internationalismus gegen den Nationalismus der Zweiten und die Theorie vom Sozialismus in einem Land der Dritten Internationale.

North ging ausführlich auf die Erfahrungen der Machtübernahme der Nazis in Deutschland ein, die den Ausschlag für die Gründung der Vierten Internationale gegeben hatten. „Obwohl sich Trotzki über 2000 Kilometer entfernt im Exil auf der türkischen Insel Prinkipo befand, hatte er die klarste Analyse der Ereignisse in Deutschland“, erklärte North. Trotzki habe verstanden, dass der Faschismus im Auftrag des Kapitals das deklassierte Kleinbürgertum für die Zerschlagung der organisierten Arbeiterschaft auf die Beine bringt. Deshalb habe er verstanden, dass der Sieg der Nazis eine Katastrophe für die Menschheit bedeuten würde und scharf davor gewarnt.

Nur die Arbeiterklasse hätte Hitler stoppen können. Doch sie wurde durch die Politik der Führung von SPD und KPD daran gehindert. „Die SPD wollte die Arbeiter nicht mobilisieren und die KPD war politisch unfähig dazu“, erklärte North. Während sich die SPD auf den Staat verlassen habe, habe die KPD die Gefahr des Faschismus kleingeredet und sich geweigert, für eine Einheitsfront der Arbeiterorganisationen zu kämpfen.

Nachdem es auch nach dem Sieg der Nazis keine kritische Diskussion der KPD-Politik innerhalb der Komintern gab, entschied Trotzki, dass eine neue Internationale aufgebaut werden müsse. In deren Gründungsdokument erklärte er die historische Krise der revolutionären Führung zur Grundfrage der Epoche, die es durch die neue Weltpartei zu lösen gelte.

Diese marxistische Perspektive, die sich auf ein objektives Verständnis der historischen Entwicklung und des Klassenkampfs stützt, wird von kleinbürgerlichen Intellektuellen massiv angegriffen. North setzte sich ausführlich mit dem neuen Buch von Chantal Mouffe „Für einen linken Populismus“ auseinander und ging auf den Zusammenhang zwischen den Konzeptionen der Postmoderne und der Dominanz der Identitätspolitik an den Universitäten ein.

North zeigte, wie sich in der Ablehnung einer objektiven Gesellschaftsanalyse die sozialen Interessen einer privilegierten Schicht ausdrücken, die in der Einkommensverteilung zu den oberen zehn Prozent gehört. Anhand von Statistiken wies er nach, wie sich deren Reichtum in den letzten Jahren und Jahrzehnten massiv vermehrt hat, während die Arbeiterklasse einen immer geringeren Anteil des gesellschaftlichen Reichtums erhält.

In der Diskussion wollten viele Zuhörer mehr über den sozialen und politischen Hintergrund von Chantal Mouffe und den politischen Tendenzen erfahren, die sich auf sie stützen. North machte klar, dass Formationen wie Syriza in Griechenland, Podemos in Spanien oder die Linkspartei in Deutschland den Interessen der Arbeiter extrem feindlich gesonnen sind.

Als ein junger Zuhörer fragte, ob man die Nazis nicht auf der Straße bekämpfen müsse, fand North sehr deutliche Worte. Eine solche Sicht unterschätze völlig, dass die Faschisten Ausdruck sehr viel grundlegender gesellschaftlicher Entwicklungen seien. Die einzige Möglichkeit, einen erneuten Rückfall in die Barbarei zu stoppen, sei eine unabhängige Bewegung der Arbeiterklasse. Diese erfordere zuallererst eine Klärung der historischen und politischen Fragen und den Aufbau der Sozialistischen Gleichheitspartei (SGP) und des IKVI.

Die Diskussionen wurden noch lange nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung fortgesetzt. Viele Teilnehmer kauften am Büchertisch Literatur von Leo Trotzki und David North und das aktuell im Mehring Verlag erschienene Buch "Warum sind sie wieder da?".

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