IYSSE-Veranstaltung an der Uni Bonn

Die Aktualität des Marxismus

Von unserem Korrespondenten
9. Juni 2018

Am Mittwoch setzten die International Youth and Students for Social Equality (IYSSE) ihre Veranstaltungsreihe zur „Aktualität des Marxismus“ mit einer Versammlung an der Uni Bonn fort. Nach erfolgreichen Veranstaltungen an den Universitäten Berlin, Bochum und München kamen auch in Bonn bei hochsommerlichen Temperaturen mehr als 100 Teilnehmer, um über die Grundfragen des Marxismus und über seine große aktuelle Bedeutung zu diskutieren.

Die Veranstaltung an der Uni Bonn

Der Sprecher der IYSSE an der Uni Bonn, Aaron, begrüßte die Teilnehmer der bislang größten Veranstaltung der IYSSE in der ehemaligen Hauptstadt. Er betonte, dass der Marxismus durch die internationale politische Entwicklung und die sich ständig verschärfende Krise des Kapitalismus eine sehr konkrete Bedeutung gewinnt. Die weltweite soziale Ungleichheit von historischem Ausmaß und die Gefahr eines Dritten Weltkriegs machten dies deutlich.

Die große Bedeutung von Marx bestehe jedoch nicht allein darin, dass er diese Entwicklungen zum ersten Mal wissenschaftlich analysierte. Gleichzeitig versetzte Marx‘ Analyse „den Menschen zum ersten Mal in seiner Geschichte in die Lage, die Gesetzmäßigkeiten der historischen Entwicklung zu verstehen und dadurch bewusst in den historischen Prozess einzugreifen“, erklärte Aaron. Das Ziel der IYSSE bestehe darin, den Marxismus an den Universitäten wiederzubeleben.

Peter Schwarz, der Chefredakteur der deutschen Ausgabe der World Socialist Web Site, ging dann in einem ausführlichen Vortrag darauf ein, wie Marx seine Weltanschauung entwickelte und wie sich diese Entwicklung vom 19. Jahrhundert bis heute fortgesetzt hat.

Im letzten Teil seines Vortrags erläuterte Schwarz, dass der Marxismus heute hochaktuell sei. Mit Statistiken zur sozialen Ungleichheit, die auf der ganzen Welt ständig anwachse, könne man „einen eigenen Abend füllen“. Die herrschende Klasse in Deutschland und Europa reagiere auf die Kriegsdrohungen und Strafzölle von US-Präsident Trump, indem sie selbst ein militaristisches Programm vorantreibe. Im Koalitionsvertrag habe die Bundesregierung die Verdoppelung der Militärausgaben beschlossen.

Im Anschluss an den Vortrag stellten die Zuhörer zahlreiche Fragen. Die Einschätzung der Marxisten des chinesischen und des nordkoreanischen Regimes, die sich beide als „sozialistisch“ und „kommunistisch“ bezeichnen, interessierte die Anwesenden genauso wie die Haltung der Marxisten zum Staat, zur Planwirtschaft und zur sozialen Marktwirtschaft.

Ein Student fragte, wie der Sozialismus denn genau aussehen werde. Schwarz erklärte, dass Marxisten es nicht als ihre Hauptaufgabe sehen, die zukünftige Gesellschaft in allen Einzelheiten auszuarbeiten. Die Verfügungsgewalt über die Wirtschaft müsse der kleinen, steinreichen Elite entrissen werden, damit diese in den Dienst der gesamten Gesellschaft gestellt werden könne.

Mehrere Fragen brachten zum Ausdruck, dass die Zuhörer zwar die bedrohlichen Entwicklungen wie die wachsende soziale Ungleichheit, die Flüchtlingshetze, den Aufbau autoritärer Strukturen und die Kriegsgefahr, auf die Schwarz in seinem Vortrag eingegangen war, anerkannten. Aber, so gleich mehrere Fragen, wie lässt sich dagegen eine „Massenbewegung hervorrufen“, wie soll sich die „Revolution in Deutschland entwickeln“?

Schwarz antwortete, dass die Revolution durch die Widersprüche der kapitalistischen Gesellschaft hervorgerufen werde, und nannte als Beispiel die ägyptischen Revolution 2011. Die Aufgabe von Marxisten sei es, die Arbeiterklasse auf diese Erhebungen vorzubereiten, indem eine internationale sozialistische Führung aufgebaut werde. „Was der Arbeiterklasse und der Jugend in Ägypten fehlte“, so Schwarz, „war eine bewusste revolutionäre sozialistische Partei, die sich auf die Lehren des 20. Jahrhunderts stützt. Das ist die Aufgabe, die wir uns international stellen.“

Die Diskussionen wurden noch lange nach dem offiziellen Schluss der Veranstaltung am Büchertisch und den Fluren der Universität weitergeführt. Viele interessierten sich für den Marxismus und deren heutige Vertreter.

Zarah, die in Bonn Agrarökonomie studiert, sagte, Marx’ Ideen seien höchstaktuell: „Die Ungleichheit in der Gesellschaft, die Marx damals angeprangert hat, ist immer noch da, unverändert.“ Zarah machte auch das Anwachsen der Rechten, wie der AfD, Sorgen. „Ich hoffe mal, dass es nicht soweit kommt wie 1933.“

Sie und ihre Freundin wollen wie viele andere am kommenden Mittwoch (13. Juni) um 18 Uhr zum Nachfolgetreffen im Hörsaal XVII (Regina-Pacis-Weg) kommen, um die aufgeworfenen Fragen weiter zu diskutieren.

 

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