Der Krieg im Jemen und Amerikas Streben nach Weltherrschaft

31. März 2015

Der Kriegskurs der USA hat zur Entstehung eines weiteren Kriegsschauplatzes geführt. Saudi-Arabische Flugzeuge greifen seit letztem Mittwoch strategische Ziele und Wohngebiete im Jemen an. Die Obama-Regierung unterstützt das saudische Vorgehen, obwohl es gegen das Völkerrecht verstößt.

Bisher kamen mindestens 39 Zivilisten ums Leben, darunter sechs Kinder. Die Zahl der Todesopfer wird sich in den kommenden Tagen zweifellos stark erhöhen. Die USA unterstützen diese Angriffe logistisch, indem sie Kampfflugzeuge und Bomben bereitstellen.

Zeitgleich mit den Luftangriffen steht auch ein Angriff mit Bodentruppen unter der Führung von Saudi-Arabien und Ägypten bevor. Saudi-Arabien hat ungefähr 150.000 Soldaten mobilisiert und an der Grenze zum Jemen Truppen und schwere Artillerie zusammengezogen. Der von den USA unterstützte ägyptische Diktator Abdel Fattah al-Sisi hat angedeutet, dass seine Regierung bereit sei, Truppen in den Jemen zu schicken und sich an dem Angriff zu beteiligen. Zuvor hatte Ägypten bereits Kriegsschiffe im Roten Meer stationiert.

Das Ziel des Kriegs ist die Zerschlagung der Houthi-Rebellen, die vom Iran unterstützt werden, und der Truppen, die auf der Seite des langjährigen Diktators Ali Abdullah Saleh kämpfen und einen Großteil der westjemenitischen Provinzen erobert haben. Washington hofft, seine Marionette, den bedrängten Präsidenten Abd Rabbuh Mansur Hadi, wieder an die Macht bringen zu können. Hadi war letzte Woche aus dem Land geflohen, nachdem die Houthi seinen Wohnkomplex im südjemenitischen Aden angegriffen hatten.

Die USA wollen außerdem den Luftwaffenstützpunkt Al Anad zurückerobern, der als Basis für Drohnenangriffe innerhalb des Jemen benutzt wurde. Bei diesen Angriffen wurden seit 2009 mehr als eintausend Menschen getötet. Der Luftwaffenstützpunkt wurde vergangene Woche am Mittwochmorgen von Houthi-Rebellen erobert, kurz bevor Saudi-Arabien seine Luftangriffe begann.

Bereits vor dem Ausbruch des Kriegs im Jemen hatte sich der amerikanische Imperialismus jahrelang massiv in die Angelegenheiten des Landes eingemischt. Die Regierung unter Hadi, die 2012 die Nachfolge des amerikanischen Marionettenregimes unter Saleh antrat, wird von der Bevölkerung wegen ihrer Zusammenarbeit mit den USA bei den Drohnenangriffen verachtet. Als sich das Marionettenregime aufzulösen begann, brachen im ganzen Land religiös motivierte Konflikte zwischen verschiedenen Milizen und Stellvertreterkräften aus.

Die religiös motivierten Kämpfe im Jemen können sich zu einem Konflikt ausweiten, der den ganzen Nahe Osten, Zentralasien und Nordafrika umfasst. Saudi-Arabien wird in seinem Kampf gegen die Houthi unter anderem von Marokko, dem Sudan, Jordanien, Bahrain, Kuwait, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar unterstützt. Auf der anderen Seite stehen der Irak, Syrien und der Iran, die sich gegen Militäroperationen aussprechen.

Die Entwicklungen im Jemen haben wieder einmal die Behauptung der USA als Lüge entlarvt, ihre Außenpolitik diene der Förderung von Demokratie und Menschenrechten und dem Kampf gegen den Terrorismus. Die USA unterstützen den Krieg, der von Saudi-Arabien und Ägypten angeführt wird. Die saudische Monarchie lässt ihre eigenen Untertanen enthaupten und finanziert Al Qaida und andere sunnitische Extremisten; die blutrünstige Militärdiktatur in Ägypten verhängt Massentodesurteile und lässt demonstrierende Arbeiter erschießen.

Warum ist die amerikanische Regierung daran interessiert, den Jemen zu kontrollieren? Die Antwort ist einfach: wegen Öl.

Die Meerenge Bab el-Mandeb, die zusammen mit dem ägyptischen Suezkanal das Mittelmeer mit dem Indischen Ozean verbindet, liegt zwischen dem Jemen auf der Arabischen Halbinsel und Dschibuti und Eritrea am Horn von Afrika. Ein Großteil des Öls, das vom Persischen Golf nach Europa, in die USA und Asien exportiert wird, muss durch diese Meerenge transportiert werden. Sie ist damit ein wichtiger Knotenpunkt für den Welthandel.

Der einflussreiche Politikstratege Anthony Cordesman von der Washingtoner Denkfabrik Center for Strategic and International Studies erklärte die strategischen Erwägungen der amerikanischen herrschenden Klasse. Er wies vor kurzem in einem Artikel darauf hin, dass im Jahr 2013 3,8 Millionen Barrel Öl und Rohbenzin durch die Meerenge Bab el-Mandeb transportiert wurden. Zu den Interessen, die dort auf dem Spiel stünden, gehörten „die Kosten und die Sicherheit der gesamten Fracht, die durch den Suezkanal befördert wird; die Sicherheit amerikanischer und verbündeter Kriegsschiffe, die den Kanal durchqueren; die wirtschaftliche Stabilität Ägyptens; und die Sicherheit von Dschidda, der wichtigsten Hafenstadt in Saudi-Arabien und wichtigsten Ölexporteinrichtung außerhalb des Persischen Golfes.“

Mit anderen Worten, es geht in diesem Krieg um geostrategische Vorteile und um Weltmacht.

Cordesman fügte hinzu, die USA hätten zwar bereits logistische und geheimdienstliche Unterstützung zugesagt, allerdings „könnte die Lage im Jemen weitere Unterstützung erfordern, unter anderem auch militärische“ - d.h., eine direkte amerikanische Militärintervention

Die amerikanische Bevölkerung wird hinter ihrem Rücken in einen weiteren völkerrechtswidrigen Krieg mit unabsehbaren Folgen hineingezogen, ohne dass auch nur zum Schein darüber öffentlich diskutiert wurde, geschweige denn, dass sie gefragt wurde.

Die Militärintervention des amerikanischen Imperialismus im Jemen ist nur die jüngste in einer ganzen Reihe, die den Nahen Osten und Zentralasien verwüstet haben. Fünfzehn Jahre nach Beginn des „Kriegs gegen den Terror“ herrschen in der ganzen Region Chaos und Zerstörung.

Auf den Einmarsch in Afghanistan im Jahr 2001 folgten der Einmarsch und die Besetzung des Irak 2003, bei denen mehr als eine Million Menschen getötet und eine ganze Gesellschaft zerstört wurden. Auf den Irakkrieg folgte die Bombardierung Libyens 2011, in deren Verlauf Präsident Muammar Gaddafi gestürzt und ermordet und das ganze Land in einen religiös motivierten Bürgerkrieg gestürzt wurde.

In Syrien schüren die USA seit 2011 einen Bürgerkrieg, um Präsident Baschar al-Assad zu stürzen. Dabei unterstützte die CIA mit Al-Qaida verbündete Aufständische und andere radikale Islamisten, von denen einige den Islamischen Staat (IS) gegründet haben. Der Bürgerkrieg hat bisher mehr als 200.000 Todesopfer gefordert und Millionen Menschen zu Flüchtlingen gemacht.

Momentan führen die USA einen neuen Krieg im Irak und in Syrien gegen den IS, indem sie in einem de facto Bündnis mit dem Iran sind und mit ihren Bomben schiitische Milizen unterstützen, die in Tikrit kämpfen.

Außerhalb des Nahen Ostens ist die Ukraine dabei auseinanderzubrechen. Hier hat die Intervention der USA zu einem von Faschisten angeführten Putsch geführt und eine rechtsradikale, anti-russische Regierung an die Macht gebracht. Die Politik der USA hat zu einer massiven Militarisierung Osteuropas geführt, durch die ein Atomkrieg mit Russland droht. Gleichzeitig versuchen die USA, China, im Rahmen einer Politik, die sie als „Pivot to Asia“ (Schwerpunktverlagerung nach Asien) bezeichnet, durch ein Netzwerk von Militärbündnissen und Provokationen einzukreisen.

Die USA treiben rücksichtslos und kurzsichtig von einem verheerenden Abenteuer zum nächsten. Jede katastrophale Intervention wird zur Rechtfertigung für den nächsten Krieg. Das einzige, was immer gleich bleibt, ist die Entschlossenheit der amerikanischen herrschenden Klasse, ihre Interessen zu wahren und ihre Herrschaft in jedem Teil der Welt durchzusetzen.

Der Grund für diese immer neuen Kriege und Militärinterventionen ist die Wahnvorstellung von der globalen Hegemonie, die seit der Auflösung der Sowjetunion die amerikanische Außenpolitik bestimmt. Seit einem Vierteljahrhundert versucht der US-Imperialismus, den Niedergang seiner Stellung in der Weltwirtschaft auszugleichen, indem er seine militärische Überlegenheit einsetzt, um Regimes, die er als Gefahr für seine globalen Ambitionen ansieht, zu bedrohen und zu vernichten und seine imperialistischen „Verbündeten“ einzuschüchtern.

Die amerikanische Wirtschafts- und Finanzaristokratie riskiert mit ihrem wahnhaften Streben nach Weltherrschaft einen dritten Weltkrieg, durch den der Menschheit der atomare Holocaust droht. Die einzige Kraft, die den amerikanischen Imperialismus und seinen Kriegskurs aufhalten kann, ist die internationale Arbeiterklasse. Dazu muss sie auf der Grundlage eines revolutionären, sozialistischen Programms organisiert werden.

Niles Williamson