Das Bindunewewa-Massaker in Sri Lanka

WSWS-Untersuchung deckt Lügen und Falschdarstellung der Medien auf

Von unserem Korrespondenten
3. Januar 2001

Am 25. Oktober verschaffte sich eine Bande singhalesischer Extremisten Zugang zum staatlichen Straflager in Bindunewewa in Sri Lanka und attackierte die unbewaffneten tamilischen Lagerinsassen. 29 der Jugendlichen wurden getötet - 27 von ihnen starben noch vor Ort, nachdem man auf sie geschossen oder sie zu Tode geprügelt hatte. Zwei weitere erlagen ihren Verletzungen kurze Zeit später. Weitere 12 Jugendliche trugen Verletzungen, zum Teil auch schweren Grades, davon.

Die srilankische Volksallianz-Regierung und die Medien in der Hauptstadt Colombo reagierten auf das Massaker mit Lügen und bewusster Falschdarstellung mit dem Ziel, eine chauvinistische Stimmung gegen die Tamilen zu schüren. In den ersten Zeitungsberichten hieß es, singhalesische Dorfleute aus der Gegend hätten sich als Reaktion auf eine Protestaktion der Lagerhäftlinge spontan zusammengetan, seien in das Lager vorgedrungen und hätten dort die Morde verübt.

Weitere Presseberichte und Leitartikel schmückten das Bild noch weiter aus und behaupteten, die "versteckte Hand" der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) wäre mit im Spiel gewesen. Die meisten der Gefangenen waren "LTTE-Verdächtige", die bereits seit geraumer Zeit ohne Gerichtsverhandlung unter dem berüchtigten Antiterrorismusgesetz festgehalten wurden.

In einem Leitartikel der regierungsnahen Daily News vom 30. Oktober heißt es, ein "harter Kern an LTTE-Kadern" innerhalb des Lagers habe "die Mitinsassen zu einer Gefangenenrevolte aufgerufen", um ganz bewusst eine Attacke zu provozieren. Als angebliches Motiv führt der Artikel an: "Da alle Häftlinge sich freiwillig ergeben hatten, wollte die LTTE sie als Strafe für die gegenüber ihrer Organisation begangene Fahnenflucht vernichten."

Für keine dieser Behauptungen konnten Beweise angeführt werden. Die Dorfleute aus der Gegend verneinten, dass sie irgend etwas mit der Sache zu tun hätten und wiesen darauf hin, dass viele der Angreifer in Fahrzeugen an den Ort des Geschehens gekommen waren.

Die Argumentation des Leitartikels ist ein primitiver Versuch, die Opfer selbst für ihren Tod verantwortlich zu machen. Sie gründet sich auf die Annahme, dass die Gefangenen kein Recht hatten, gegen ihre willkürlich Festnahme oder die schlechten Bedingungen im Lager zu protestieren.

Inzwischen kommt das Thema in Regierungskreisen oder Medien kaum mehr zur Sprache. Eine "Untersuchung auf höchster Ebene", die stark in der Öffentlichkeit bekannt gemacht wurde, zog sich über lange Zeit hin, brachte aber keine Ergebnisse. Etwa 16 Polizeibeamte, darunter zwei Polizeiinspektoren, wurden "festgenommen" und befinden sich im Gewahrsam einer Polizeistation in Colombo. Auch fünf Zivilisten hat man festgenommen. Keiner der Betroffenen wurde jedoch gerichtlich verurteilt.

Der folgende Bericht basiert auf Informationen, die Korrespondenten der World Socialist Web Site in Colombo, Bindunewewa und der nächstgelegenen größeren Stadt Bandarawela gesammelt haben. Herangezogen wurden Zeugenberichte, unter anderem von verwundeten Häftlingen, Quellen vor Ort, Informationen aus der Hand von unabhängigen Rechtsanwälten sowie Ergebnisse der Erstuntersuchung durch den Friedensrichter und ein Zwischenbericht, den die regierungsernannte Human Rights Commission (Menschenrechtskommission) herausgegeben hat.

Im Gegensatz zu dem von den Medien und den Regierungssprechern vermittelten Bild deuten alle Anzeichen darauf hin, dass das am 25. Oktober an den jungen tamilischen Häftlingen im Rehabilitationslager Bindunewewa verübte Massaker vorsätzlich geplant war und von einer singhalesischen rassistischen Bande mit aktiver Beteiligung der Polizei und anderer Sicherheitskräfte durchgeführt wurde.

Selbst die Human Rights Commission (HRC) sah sich in ihrem Zwischenbericht vom 1. November gezwungen festzustellen, dass es sich bei dem Angriff auf das Lager nicht "um einen plötzlichen Ausbruch von Banden-Gewalttätigkeiten als Reaktion auf eine Provokation durch die Lagerinsassen" gehandelt habe. Wie der Bericht erklärt, trägt der Vorfall "vielmehr Anzeichen eines vorbereiteten und geplanten Übergriffs".

Bindunewewa liegt im zentralen Hochland Sri Lankas, in der Nähe der Stadt Bandarawela, 210 Kilometer östlich der Hauptstadt Colombo. Das Lager war ursprünglich ein Ausbildungszentrum für staatliche Beschäftige (Rural Development Officers) und anschließend für Rekruten der Home Guards (einer Hilfseinheit der Polizei). Während der Terrorherrschaft der United National Party gegen die singhalesische Jugend Ende der 80er Jahre diente die Anlage der Unterbringung angeblicher Mitglieder der Janatha Vimukthi Peramuna (JVP).

Das Lager ist eines der vielen Häftlingslager und Gefängniseinrichtungen landesweit, in denen vor allem junge Tamilen über sehr lange Zeit festgehalten werden. Das Lager in Bindunewewa war für die Rehabilitation von "LTTE-Verdächtigen" oder LTTE-Mitgliedern gedacht, die sich der Armee stellten. Viele der Insassen haben jedoch keinerlei Verbindung zur LTTE.

Das Lager wurde vom staatlichen National Youth Council betrieben, von einer Präsidentensondereinheit überwacht und von der HRC koordiniert. Der zuständige Beamte, Hauptmann Y.P. Abeyratna, und sein Assistent, Leutnant A. Abeyratna, gehören beide der Freiwilligentruppe der Armee an. Es gab nur wenig Personal - einen Polizeibeamten der Reserve, zwei Home Guards, zwei Sicherheitsassistenten und vier Zivilangestellte - und das Sicherheitsniveau war relativ niedrig. Allerdings waren die Sicherheitsbeamten mit T 56-Automatikgewehren und einer Schrotflinte bewaffnet.

Mitunter erhielten die Gefangenen die Erlaubnis, das Lager zu verlassen. Zwei Häftlinge, die dem Massaker entkommen konnten, befanden sich zum Zeitpunkt des Übergriffs an ihrem jeweiligen Arbeitsplatz in einem Laden bzw. einem Imbiss in der Nähe. Man hatte sie "freigelassen", aber da die Regierung ihnen keine Mittel zur Verfügung stellte, um in ihr Heimatdorf zurückzukehren, waren sie gezwungen noch weiter im Lager zu verbleiben. Wir sprachen mit vielen Dorfleuten, einem ehemaligen Häftling und einem der Verletzten. Alle beschrieben die Beziehung mit der lokalen singhalesischen Bevölkerung als gut und sogar herzlich. Das von den Medien in Colombo verbreitete Gerücht über Spannungen zwischen Lagerinsassen und der Dorfbevölkerung, die entstanden seien, weil Lagerinsassen einigen der Dorfmädchen nachgestellt hätten, wiesen sie zurück.

Die meisten Häftlinge kamen aus dem Norden und Osten Sri Lankas, wo die Armee den 17jährigen Krieg gegen die separatistische LTTE weiterhin fortsetzt. Zwei der Lagerinsassen waren Tamilen aus den Städten Maskeliya und Kotagala im Teeplantagen-Distrikt von Nuwara Eliya. Einige waren nicht älter als 11 Jahre und bereits seit 15 Monaten im Lager.

Über die Anzahl von Lagerinsassen werden sehr unterschiedliche Angaben gemacht. Das zeigt zum einen die erschreckende Gleichgültigkeit, die dem Leben der Opfer beigemessen wird, und ist zum anderen der Versuch, die wahre Zahl der Todesopfer zu verschleiern. Der vor Gericht gemachte Polizeibericht gibt die Anzahl der Lagerinsassen zum Zeitpunkt des Übergriffs mit 41 an - 25 Toten und 16 Verletzten. Die HRC kommt aufgrund ihrer eigenen Unterlagen jedoch auf eine Zahl von 46 und merkt in ihrem Zwischenbericht an, dass die Angelegenheit noch weiter untersucht würde.

Als wir am 7. November mit dem HRC-Koordinator der Region, Senaka Dissanayaka, sprachen, meinte er: "Im Moment gibt es noch immer Unklarheit über die wirkliche Anzahl der Lagerinsassen im Bindunewewa-Rehabilitationszentrum." Laut Dissanayaka gab der Lagerverantwortliche Abeyratne die Anzahl der Lagerinsassen mit 40, der örtliche Polizeichef wiederum mit 41 an. Als jedoch HRC-Mitglieder das Lager zwei Tage nach dem Massaker, am 27. Oktober, besuchten, fanden sie eine weitere Leiche vor - und man müsste somit von 42 Insassen ausgehen.

"Laut den uns vorliegenden Berichten müssen zum betreffenden Zeitpunkt 46 Insassen im Lager gewesen sein. Wenn irgendeiner der Insassen entlassen worden wäre, hätte man unser Büro im Voraus darüber in Kenntnis setzen müssen. Es scheint, dass Vieles hier im Dunkeln gehalten wird. Wir sind noch dabei, diese Dinge näher zu untersuchen. Man wird sehen, was dabei herauskommt," meinte der HRC-Koordinator uns gegenüber.

Kein Aufstand im Lager

Vor dem Übergriff hatten die Lagerinsassen eine Kampagne gestartet, um gegen die langen Haftzeiten und schlechten Lagerbedingungen zu protestieren. Die Hauptforderung war, Minderjährige und Lagerinsassen höheren Alters unmittelbar freizulassen und die Freilassung aller anderen zu beschleunigen. Die Häftlinge verlangten die Weiteleitung ihrer Briefe per Post und die Erlaubnis, Post und Telefonanrufe von Verwandten zu erhalten. Es war vorgekommen, dass die Lagerinsassen ihre Briefe im Mülleimer wiederfanden. Auch verlangten sie Seife.

Diese Forderungen waren im Vorfeld schon mehrmals gestellt worden, ohne dass die Lagerleitung auf sie eingegangen war. Als Hauptmann Abeyratna sagte, er könne für diese Anliegen keine Lösung anbieten, verlangten die Lagerinsassen ein Gespräch mit seinen Vorgesetzten. Am 24. Oktober sprachen die Häftlinge Abeyratna bei der üblichen Abendversammlung um 18 Uhr erneut auf diese Forderungen an. Es kam zu einem Streitgespräch und einige der Häftlinge standen im Kreis um Abeyratna. Ein Polizeibeamter feuerte mit seinem Gewehr in die Luft, was bei den Insassen eine Wutreaktion auslöste. Laut dem Zwischenbericht der HRC wurden mehrere Neonleuchten und der Polizeiposten beschädigt.

Die Polizei behauptet, dass die Lagerinsassen anschließend gewalttätig wurden, in den Lagerraum vordrangen, sich mit Eisenstangen bewaffneten, Gebäude, Möbel und den Polizeiposten beschädigten und Dokumente verbrannten. Die Medien wiederum stützten sich für ihre Version auf die Polizeiberichte und behaupteten, der zuständige Beamte sei als Geisel genommen worden, und es wäre zu einem Aufstand gekommen, bei dem die Lagerinsassen das Lager unter ihre Kontrolle gebracht hätten.

Diese Versionen sind ein ganz bewusster Versuch, die Tatsachen zu verdrehen, um die nachfolgenden Ereignisse zu rechtfertigen und das Handeln von Polizei und Lagerbeamten zu vertuschen. Im Zwischenbericht der HRC heißt es: "Im Bericht der Polizeibeamten gab es keinerlei Hinweise darauf, das Lagerinsassen diensthabende Beamte des Lagers als Geisel nahmen."

Zu den Behauptungen der Polizei heißt es in dem Bericht: "Im Lagerraum gab es keinerlei Hinweise, die Rückschlüsse auf ein gewalttätiges Eindringen zulassen würden. Die Türen waren intakt und wiesen keinerlei sichtbare Anzeichen von Schäden auf. Lediglich die Glassscheiben einiger Fenster im Büro und in der Unterkunft der Beamten waren zerbrochen und im Büro war eine geringe Menge verkohlter Papierreste und ein wenig Asche vorzufinden, was darauf hindeutete, dass einige Papierseiten verbrannt worden waren. Gleichzeitig mussten wir feststellen, dass Gegenstände wie Fernseher, Radio, Kühlschrank nicht zerstört worden waren."

Die HRC schlussfolgerte, dass der vorgefundene Zustand die Behauptung, dass "Lagerinsassen überall im Gebäude Verwüstungen verursacht und großen Schaden angerichtet" hätten, nicht glaubwürdig erscheinen ließ. Auch die Behauptung eines Polizeibeamten, dass die Häftlinge den Leiter des Lagers, Hauptmann A. Abeyratna, attackiert und verletzt hätten, ließ sich nicht bestätigen: Sowohl der Lagerleiter wie auch sein Assistent befinden sich gegenwärtig in Polizeigewahrsam in Colombo.

Als wir mit einem der verletzten Häftlinge sprachen, erklärte er, dass man in keiner Weise davon sprechen könnte, dass Lagerwachen und Beamten bedroht worden seien, sondern dass vielmehr die Insassen selbst in Gefahr waren. Er sagte: "Am 24. riefen wir das Büro des Internationalen Roten Kreuzes in Batticaloa an und teilen dem Büro mit, dass unsere Situation immer beängstigender werde und unser Leben in Gefahr sei. Wir sagten, dass sie verantwortlich sind, wenn uns etwas zustößt".

Als wir ihm von den Presseberichten erzählten, in denen es hieß, dass die Lagerinsassen einen Aufstand inszeniert und Fluchtversuch unternommen hätten, meinte er: "Wenn wir hätten fliehen wollen, wäre das nicht sehr schwer gewesen, denn es gab kein intaktes Sicherheitssystem."

Nach der Auseinandersetzung auf der Versammlung nahmen die Lagerbeamten Kontakt mit der Polizei in Bandarawela auf. Ein Polizeitrupp von 30 mit T-56er Gewehren bewaffneten Beamten traf gegen 8 Uhr morgens am Lager ein. Später kamen noch weitere 39 Polizeibeamte hinzu, die von anderen Polizeistationen geschickt worden waren. Zusätzlich stieß noch ein Trupp Soldaten vom Armeestützpunkt Diyatalawa in etwa 10 Kilometer Entfernung hinzu.

Der aufschlussreichste Hinweis für die Geschehnisse, die sich im Lager abspielten, war sicherlich die Reaktion von Hauptmann Abeyratna. Laut Polizeiangaben sagte er, dass er keine Probleme habe, das Lager zu beaufsichtigen und bat, niemanden von außerhalb in das Lager hinein zu lassen. Als Reaktion auf den Telefonanruf der Lagerinsassen hatte das Internationale Rote Kreuz Kontakt mit der örtlichen Polizeistelle aufgenommen, die der Organisation gegenüber versicherte: "Die Situation ist unter Kontrolle."

Ein Mob bildet sich

Einer der Überlebenden sagte uns, dass die Lagerinsassen nicht einverstanden waren, dass bewaffnete Polizeibeamte Zugang zum Lager hätten, aber später zustimmten, dass der Head Quarters Inspector (der örtliche Polizeichef) unbewaffnet in das Lager kam. Ihm gegenüber äußerten sie ihren Unmut darüber, dass der Polizeibeamte während der Versammlung in die Luft geschossen hatte. Außerhalb des Lagers neben dem nahe gelegenen Grundstück der Pädagogischen Hochschule hatte sich inzwischen eine Menge von etwas 200 oder 300 Leuten gebildet, und einige begannen die Lagerinsassen mit Steinen zu bewerfen. Weder Polizei noch Armee schritten dagegen ein, sie forderten die Menge lediglich auf, sich zurückzuziehen.

"Als die Situation sich beruhigt zu haben schien, gingen wir schlafen," sagte der Überlebende. Die Armee zog ihren Trupp gegen 1 Uhr morgens ab, laut Polizeiangaben blieben jedoch einige bewaffnete Polizeibeamten weiterhin außerhalb des Lagers.

Es gab jedoch andere, die in dieser Nacht sehr aktiv waren. Laut Berichten von Dorfleuten war bereits Wochen vor dem Massaker eine Petition in der Umgebung zirkuliert worden, die die Behörden aufrief, das Lager aus dieser Gegend abzuziehen. In der Nacht vom 24. Oktober nutzten singhalesische Extremisten die Gelegenheit des Lagervorfalls, um einen Mob zu organisieren. Sie klebten Plakate in Bandarawela und Bindunewewa mit Parolen wie "Vertreibt die Tiger [LTTE], die unser Land zerstört haben" und "Schließt das LTTE-Rehabilitationslager", um die örtliche Bevölkerung gegen die Lagerinsassen aufzuhetzen. Die Polizei musste davon Kenntnis haben, denn einige der Plakate waren direkt vor ihren Augen in unmittelbarer Nähe des Lagers angebracht.

Früh am Morgen begann sich ein Mob zu bilden. Es kann sein, dass einige der Schläger aus den nahen Dörfern stammten. Die Dorfbewohner beobachteten jedoch, dass die meisten von außerhalb mit Fahrzeugen herangekarrt wurden. Presseberichte sprachen von 2.000 bis 3.000 Personen, aber laut der HRC gib es keinen Hinweis für eine derart große Menschenmenge und sie betrachtet diese Zahl als übertrieben.

Der örtliche Polizeichef sagte gegenüber der HRC, er habe um 6.45 Uhr vom im Lager diensthabenden Polizeibeamten die Nachricht erhalten, dass sich vor dem Lager ein Mob sammelte. Weder Polizei noch Armee unternahmen etwas dagegen. Der örtliche Polizeichef erhielt eine weitere Nachricht um 8.14 Uhr vom gleichen Polizeibeamten, die ihn darüber in Kenntnis setzte, dass Leute in das Lager eindrangen und das Lager nun brannte.

Ein mit Eisenstangen, Messern, Äxten und Knüppeln bewaffneter Schlägertrupp drang in das Lager ein und machte sich daran, die tamilischen Häftlinge zu Tode zu prügeln. Einigen Insassen wurden die Schädel zertrümmert. Der Mob setzte die Gebäude in Brand. Überlebende beobachteten, wie einige der Insassen ins Feuer geworfen wurden. Hauptmann Abayratna unternahm nichts, um den Mob zu stoppen und verließ den Ort des Geschehens, sobald der Mob ins Lager eindrang.

Häftlinge von Polizei erschossen

Die Rolle der Polizei ist offensichtlich. Nach der ersten Warnung schickte die Polizei keinerlei Verstärkung und unternahm auch keinen Versuch, die Schläger am Eindringen in das Lager zu hindern. Ein Rechtsanwalt wies darauf hin, dass es keinerlei Hinweise auf ein gewaltvolles Eindringen in das Lager gab. Der Stacheldrahtzahn um das Lager wurde nicht beschädigt. Als einige der Lagerinsassen versuchten, aus dem Lager zu fliehen, um den Schlägern zu entkommen, gaben die Polizisten Schüsse auf sie ab.

Einer der Überlebenden lag mit Schussverletzungen im Krankenhaus. Er berichtete: "Ungefähr fünfzig Polizisten schossen auf uns. Sie machten keinerlei Versuche auf den Mob zu schießen. Der Mob und die Polizei machten gemeinsame Sache. Ein Polizist schoss auf mein Bein. Ich lief zu ihm hin und bat ihn [mich zu schonen]. Er warf mich auf einen Lastwagen. Mein rechtes Bein war verwundet. Im staatlichen Krankenhaus hat man mir die Kugel wieder entfernt." Ein anderer Häftling verlor durch Polizeischüsse zwei Finger.

Als die Häftlinge sich in den Polizei-Lastwägen versteckten, um sich zu retten, attackierte der Mob sie vor den Augen der Polizei. Anstatt die hilflosen Opfer zu schützen, assistierte die Polizei den Mördern. Niemand weiß, wie viele Häftlinge durch Polizeikugeln ums Leben kamen, da nicht alle Leichen richtig untersucht und einige verbrannt wurden. Zehn der Verwundeten wurden ins Militärkrankenhaus Diyatalawa eingeliefert und zwei ins staatliche Krankenhaus in Colombo. Als wir sie besuchten, waren sie an die Krankenbetten angekettet wie Kriminelle.

Die Polizei und später die Armee, unternahmen nichts, um die Schläger festzunehmen. Der Militärhauptmann Charitha Dematampitiya traf nach dem Massaker vor Ort ein. Er berichtete vor dem Schiedsgericht, dass er außerhalb des Lagers an der Straße eine große Menschenmenge und auf der Straße einige Verletzte gesehen habe. Im Lager selbst habe er Menschen angetroffen, die mit unterschiedliche Waffen ausgerüstet waren. Auf Verlangen des örtlichen Polizeichefs habe er die Menge zum Gehen aufgefordert, die diesem Aufruf Folge leistete.

Auf die Frage des Friedensrichters, ob er versuchte habe, die Täter festzunehmen, meinte Dematampitiya, er habe keine Befugnisse gehabt, Zivilisten festzunehmen. Er sagte auch, dass die Polizei keine Festnahmeversuche unternommen habe. (Hier sei angemerkt, dass es heute in Sri Lanka zum routinemäßigen Vorgehen gehört, dass die Armee Leute festnimmt und sie anschließend der Polizei übergibt.) Nach dem Vorfall versammelten die Polizeibeamten mehrere hundert Dorfbewohner, darunter auch Frauen und Kinder, zu einem "Verhör". Zweck dieses Vorgehens war keineswegs, die Mörder ausfindig zu machen. Vielmehr forderte die Polizei 50 Freiwillige auf, Geständnisse abzulegen, um das Massaker unter den Teppich zu kehren und ihre eigene Rolle zu vertuschen.

Keine Organisation hat sich bisher für das Massaker verantwortlich erklärt, aber in der Gegend sind mehrere extremistische singhalesische Organisationen aktiv. Die Organisation Sinhala Veera Vidahana (Forum singhalesischer Helden), die die chauvinistische Partei Sinhala Urumaya Party (SUP) mitbegründete, begann bereits im vergangenen Jahr mit ihrer Agitation. Die SUP kandidierte in den Parlamentswahlen des Landes Ende des Jahres und einige der Kandidaten leben in den an das Bindunewewa-Lager angrenzenden Dörfern.

Die SUP dementiert, mit dem Massaker etwas zu tun zu haben, aber es steht außer Zweifel, dass der von ihr während der Wahlkampagne propagierte antitamilische Chauvinismus mit dazu beitrug, das Klima für die Durchführung des Übergriffs zu schaffen. Organisationen wie die SUP unterhalten enge Verbindungen zu den Sicherheitskräften, bei denen der singhalesische Chauvinismus tief verwurzelt ist. Als wir den SUP-Kandidaten des Distrikts Badulla, Lalith Hettiarachchi, ohne Umschweife fragten, ob er etwas mit dem Übergriff zu tun gehabt habe, war seine Antwort: "Ich hatte nichts damit zu tun. Aber den Job haben sie wirklich gut gemacht."

Die eigentlichen Drahtzieher des Massakers sind auch heute noch nicht bekannt. Aber klar ist, dass das Massaker darauf abzielte, zwei Wochen vor den Parlamentswahlen und in einer äußerst instabilen politischen Situation den Rassenhass weiter zu schüren. Durchgeführt wurde das Massaker von singhalesischen Schlägern aus der nahen und weiter entfernten Umgebung und die örtliche Polizei hat sie dabei aktiv unterstützt. Einige Polizisten, zwei Lagerbeamte und einige Ortsansässige hat man festgenommen und möglicherweise wird auch Anklage gegen sie erhoben.

Viele Fragen jedoch bleiben offen und betreffen die Rolle der Polizeibeamten und des Militärpersonals, die in der Hierarchie weiter oben stehen. Welche Behörden hat der örtliche Polizeichef über die Vorfälle am Vorabend des Massakers unterrichtet? Warum hat man die Armeetruppen und Polizisten in dieser Nacht vom Lager abgezogen, obwohl sich eine bedrohliche Menge eingefunden hatte? Warum unternahm der örtliche Polizeichef nichts, als er hörte, dass ein angriffslustiger Mob sich am Morgen außerhalb des Rehabilitationszentrums sammelte?

Es ist höchst unwahrscheinlich, dass die offiziellen Untersuchungen eine Antwort auf diese Fragen geben werden.

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