Im Fall der verhafteten Sozialisten in Sri Lanka bleibt die LTTE die Antwort auf eine Anfrage des Internationalen Roten Kreuzes schuldig

Von der Redaktion
28. August 1998

Am 17. August reichte die Mutter eines der drei tamilischen Sozialisten, die von den Befreiungstigern von Tamil Eelam (LTTE) verhaftet worden waren, eine offizielle Beschwerde in Colombo beim Sekretär des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes ein. Sie forderte das IKRK darin auf, Druck auszuüben, damit ihr Sohn und zwei weitere Mitglieder der Socialist Equality Party von Sri Lanka unverzüglich freigelassen würden. Thirugnana Sambandan, Kasinathan Naguleshwaran und Rajendran Sudarshan sind von der LTTE in Kilinochchi verhaftet worden, einem Gebiet im Norden der Insel, das von der separatistischen Guerrillabewegung kontrolliert wird.

Eine Woche später, am 25. August, als die SEP-Führung sich über den Stand der Beschwerde erkundigte, erklärte das IKRK, es habe umgehend mit der LTTE über ihr Büro in Mallavi, im Distrikt Vanni, wo die Verhaftungen stattgefunden hatten, Kontakt aufgenommen, aber die LTTE habe auf seine Fragen nicht reagiert.

Dieses Verhalten der LTTE ist nichts Neues. Offiziell gibt es von seiten der LTTE keine Angaben, weder über den Verbleib und das Befinden der drei tamilischen Sozialisten, noch darüber, welche Beschuldigungen überhaupt gegen sie erhoben worden seien. Und das, obwohl bereits eine Welle von Fragen und Protesten aus der ganzen Welt eingetroffen sind.

Vor kurzem wurde jedoch eine Erklärung in Leserforen des Internet verbreitet, die alle Merkmale eines LTTE-Kommuniqués trägt. Darin wird die SEP ihre internationale Kampagne zum Vorwurf gemacht, und es heißt, daß die Angelegenheit "viel schneller bereinigt werden könnte, wenn eine anerkannte Organisation wie das IKRK oder selbst die Eltern der betroffenen Personen das Gespräch mit der LTTE gesucht hätten".

Aber nun, da das IKRK sich an die LTTE gewandt hat, bleibt die Organisation einmal mehr die Antwort schuldig. Dies unterstreicht, daß die LTTE-Führung ihre Taten nicht rechtfertigen kann, und daß sie die Verhaftungen nur ausgeführt hat, um die politischen Ansichten der SEP zu unterdrücken. Am 28. Juli, als die Angehörigen von Sambandan und Naguleshwaran mit Theepan, dem verantwortlichen lokalen LTTE-Funktionär, sprachen, erklärte dieser, er habe die Verhaftungen angeordnet, weil die Politik der SEP zum Hindernis für die Ziele der LTTE geworden sei.

Im Internet-Kommuniqué der LTTE heißt es über die Verhaftungen der SEP-Mitglieder, sie seien "verdächtig, in illegale Aktivitäten verwickelt zu sein". Aber es gibt keinerlei Erläuterungen, worin diese illegale Tätigkeit bestehen soll. Laut neuen Informationen des World Socialist Web Site trifft es zu, was die SEP der LTTE vorwirft, daß nämlich ihre Mitglieder nur deshalb verhaftet wurden, weil sie politische Gegner der LTTE sind, und weil die LTTE jegliche politische Tätigkeit zensiert, die nicht offiziell von ihr genehmigt ist - seien es Versammlungen, Demonstrationen, oder auch nur die Verbreitung politischer Literatur.

Sambandan und Naguleshwaran wurden am 26. Juli verhaftet, als sie Plakate mit einer Erklärung der SEP in ihrem Dorf anschlugen. Auf diesen Plakaten wurde der reaktionäre Charakter des "Devolutions-Pakets" entlarvt (Devolution - eine Art begrenzte Autonomie), welches die sri-lankische Volksallianzregierung von Präsidentin Chandrika Kumaratunga vorgeschlagen hatte. In dieser Erklärung heißt es, daß das Versprechen der Volksallianzregierung auf mehr politische Rechte für die Tamilen im Norden und Osten ebenso verlogen sei, wie die Zusicherung, sie würde den Krieg beenden, die sie vor den letzten Wahlen abgegeben hatte.

Die SEP-Erklärung auf dem Plakat lautete weiter, daß "von den Imperialisten über die singhalesischen und tamilischen Kapitalisten bis zu den alten linken Parteien" alle den Devolution-Plan der Volksallianzregierung unterstützen.

Die Erklärung richtete sich an die tamilischen Arbeiter und Bauern und erklärte, die demokratischen Grundrechte könnten nicht verteidigt werden, solange das Profitsystem bestehe, sondern nur durch einen revolutionären Kampf der Massen für Sozialismus unter Führung der Arbeiter. "Die Geschichte der Region", heißt es darin, " - von Indien über Pakistan bis Sri Lanka - zeigt, daß die kapitalistische Klasse unfähig ist, den unterdrückten Massen demokratische Grundrechte zu garantieren." Die Erklärung schloß mit einer Aufforderung, die Socialist Equality Party aufzubauen, denn sie sei die "Führung, die für eine sozialistische Republik von Sri Lanka und Eelam kämpft, als Bestandteil einer Union der sozialistischen Republiken des Indischen Subkontinents."

Das einzige Verbrechen, das die SEP-Mitglieder begangen haben, ist ihr Kampf, die tamilischen und singhalesischen Arbeiter gegen die Volksallianzregierung auf der Grundlage eines internationalen sozialistischen Programms zu vereinen. Die LTTE-Führung ist beunruhigt, weil die SEP unter den Tamilen immer mehr Einfluß gewinnt. Viele Tamilen werden sich mehr und mehr darüber bewußt, in welche Sackgasse der nationale Separatismus der LTTE sie geführt hat. Die LTTE-Führung versucht, ihre politischen Gegner mit Repressionen zum Schweigen zu bringen.

Das wsws führt eine internationale Kampagne, um die Befreiung der sri-lankischen SEP-Mitglieder zu erreichen. Bei den LTTE-Büros in London gehen bereits große Mengen von Protestbriefen aus den USA, Kanada, Großbritannien, Deutschland, Japan, Rußland und Australien ein. Erst vor kurzem haben zwölf Fahrer des Öffentlichen Nahverkehrs von New York, Mitglieder des Ortsverband 100 der Transportarbeitergewerkschaft, den Büros der LTTE in London einen Brief gefaxt, um gegen die Inhaftierungen zu protestieren. Der jüngste Protest aus Deutschland stammt vom AntiDiskriminierungsBüro im Internationalen Begegnungszentrum Bielefeld.

Das wsws ruft alle seine Leser, alle Arbeiter- und Menschenrechtsorganisationen und alle, denen die Verteidigung demokratischer Grundrechte wichtig ist, dringend dazu auf, Faxe und Briefe an die LTTE zu schicken, die Inhaftierung der SEP-Mitglieder in Kilinochchi zu verurteilen und ihre sofortige und bedingungslose Freilassung zu verlangen.

Die Briefe sollten an folgende Adresse geschrieben und gefaxt werden:

LTTE, c/o Eelam House
202 Long Lane
London SE1 4QB
Großbritannien

Telephon: 0044-171-403-4554
Fax: 0044-171-403-1653

Schicken Sie bitte Kopien aller Briefe an die

Partei für Soziale Gleichheit
Postfach 100 105
45001 Essen

Tel.: 0201 / 870 130
Fax: 0201 / 870 13 33

e-mail: info@gleichheit.de