LTTE verhaftet drei tamilische Sozialisten in Sri Lanka

Weltweite Unterstützung für ihre Verteidigung

Von der Redaktion
19. August 1998

In Sri Lanka sind drei Mitglieder der Socialist Equality Party (SEP) von der tamilischen Guerilliaorganisation LTTE verhaftet und an einen unbekannten Ort verschleppt worden.

Zwei der betroffenen SEP-Mitglieder, Thirugnana Sambandan und Kasinathan Naguleshwaran, wurden am 26. Juli auf offener Straße festgenommen, als sie Plakate für die SEP aufhängten. Ort des Geschehens war Kilinochchi, ein von der LTTE kontrolliertes Gebiet im Norden des Inselstaates. Das dritte Mitglied der SEP, Rajendran Sudarshan, wurde am 2. August vor seinem Haus verhaftet.

Die drei Personen befinden sich in akuter Gefahr. Als ihre Familien sich an den für die Region zuständigen LTTE-Vertreter namens Theepan wandten, erklärte dieser unumwunden, daß er ihre politischen Ansichten sehr wohl kenne und daß die Politik der SEP ein Hindernis für die Aktivitäten der LTTE darstelle.

Des weiteren gab er an, die verhafteten SEP-Mitglieder seien an Pottu Amman überstellt worden, den Polizeichef der LTTE. Die Polizei, meinte er, habe vielleicht schon Maßnahmen gegen sie ergriffen. Pottu Amman ist berüchtigt für seine brutalen Methoden, die er gegen politische Gegner anwendet.

Obwohl Theepan den Familien zusagte, daß die jungen Männer nach zwei Vernehmungstagen wieder freigelassen würden, bleiben sie seit dem 26. Juli verschwunden. Nicht einmal ihren engsten Angehörigen wurde mitgeteilt, wo sie sich befinden und Besuche wurden nicht zugelassen.

Danach verstärkte die LTTE die Repression mit der Verhaftung Rajendran Sudarshans am 2. August. Es ist wahrscheinlich, daß sie seinen Aufenthaltsort durch die Vernehmung der beiden zuvor Verhafteten in Erfahrung bringen konnte. Von daher muß mit weiteren Verhaftungen von SEP-Mitgliedern gerechnet werden.

Theepans Äußerungen belegen eindeutig, daß die SEP-Mitglieder deshalb verhaftet worden sind, weil sie für eine sozialistische und internationalistische Politik eintreten. Die SEP in Sri Lanka, die aus der Revolutionary Communist League hervorgegangen ist, tritt als Sektion der Vierten Internationale seit jeher für die Gleichberechtigung der tamilischen Minderheit ein. Die SEP hat als einzige Partei immer die demokratischen Rechte der Tamilen verteidigt, besonders seit 1983, als die srilankische Regierung einen rassistischen Krieg, gegen die tamilischen Gebiete im Norden und Osten des Landes führte.

Die SEP macht die Regierung in Colombo für den gegenwärtigen Bürgerkrieg verantwortlich. Sie lehnt aber die Perspektive der LTTE - die Bildung eines eigenständigen Tamilenstaates - als eine politische Sackgasse ab. Sie wendet sich gegen die staatliche Lostrennung der vorwiegend tamilisch besiedelten Gebiete, weil unter den Bedingungen der Globalisierung die Bildung neuer, ethnisch definierter Zwergstaaten keine "Befreiung" und kein Ende der Unterdrückung bedeuten kann. Daß solche Staaten die sozialen und wirtschaftlichen Probleme nicht lösen können, führen der Palästinenserstaat und die neugegründeten Staaten auf dem Balkan drastisch vor Augen.

Die SEP tritt statt dessen dafür ein, die Tamilen mit den Arbeitern im Süden zu vereinen, um die nationale Unterdrückung im Rahmen einer sozialistischen Föderation von Tamil Eelam und Sri Lanka zu überwinden.

Ohne Zweifel sind die Verhaftungen der SEP-Mitglieder politisch motiviert und stellen einen grundlegenden Angriff auf demokratische Rechte dar.

Das Ziel der separatistischen LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) ist es offensichtlich, zu verhindern, daß die Politik der SEP an Einfluß gewinnt.

Im Norden Sri Lankas hat sie über lange Zeit eine regelrechte Diktatur über die tamilische Bevölkerung errichtet: Niemand konnte eine abweichende Meinung äußern oder gar veröffentlichen, ohne daß er um sein Leben fürchten mußte. Zahlreiche Vertreter anderer politischer Parteien sind von der LTTE umgebracht worden. Selbst vor Massakern an ganzen Bevölkerungsgruppen - wie den moslemischen Tamilen im Osten der Insel - ist sie nicht zurückgeschreckt.

In jüngster Zeit hat die LTTE eine Reihe empfindlicher militärischer Niederlagen hinnehmen müssen. Im Norden kontrolliert sie nur noch wenige Gebiete. Vor zwei Jahren sind Zehntausende Flüchtlinge gegen ihren ausdrücklichen Willen in das von der Regierung eroberte Jaffna zurückgekehrt. Ihr politischer Einfluß unter der tamilischen Bevölkerung ist dramatisch zurückgegangen. Die Hauptaktivitäten der LTTE bestehen praktisch nur noch in gewalttätigen Angriffe gegen die Arbeiterbewegung.

Der wachsende politische Einfluß, den die SEP im Gebiet von Kilinochchi erzielt hat, ist für die LTTE ein Dorn im Auge. Die Verhaftungen sind eine klare Reaktion der LTTE-Führung auf die zunehmende Unterstützung, die die SEP unter der tamilischen Bevölkerung erhalten hat.

Ein deutliches Anzeichen dafür war der Bombenanschlag, den sie am 31. Januar 1996 auf die Zentralbank von Colombo verübte. Die Opfer - über 90 Tote und 1200 Verletzte - waren größtenteils gewerkschaftlich organisierte Arbeiter und Angestellte. Als die LTTE dieses Ziel auswählte, wußte sie sehr genau, daß die dortige Gewerkschaft eine Hochburg der SEP (damals RCL) ist.

Die LTTE bezeichnet sich zwar nach wie vor als "Befreiungs"bewegung, aber ihr Nationalismus nimmt eine immer offenere reaktionäre Färbung an. Das zeigt sich auch daran, daß sie in ihren Publikationen die blutbefleckten nationalistischen Bewegungen auf dem Balkan als Vorbild preist.

Als die SEP in Sri Lanka am 4.August von den Verhaftungen in Kenntnis versetzt wurde, begann sie sofort mit einer Protestkampagne: Sie schrieb einen Protestbriefe an das zentrale Büro der LTTE in London, dasselbe taten alle Parteien der Vierten Internationale in Indien, Europa, USA und Australien.

Seitdem das World Socialist Web Site die Kampagne zur Freilassung der inhaftierten SEP-Mitglieder anführt, gibt es eine Flut von internationalen Protesten. Am 11. August berichtete der BBC World Service ausführlich über die Verhaftungen.

In dieser Sendung kamen Mitglieder der Exilorganisation der srilankischen SEP in Frankreich und Deutschland und der Vorsitzende der britischen SEP, Chris Marsden, zu Wort. Im kanadischen Toronto berichtete Radio Shanti, das von 150.000 tamilischen und singhalesischen Immigranten in der Region gehört wird, eine Stunde lang über den Fall.

Mittlerweile haben sich viele Einzelpersonen, und Organisationen aus Kanada, Großbritannien, Deutschland, Japan, Rußland, Australien usw. mit Protestbriefen an die LTTE gewandt. Eine Gruppe von amerikanischen Arbeitern einer Telefongesellschaft faxte einen Brief an die LTTE, in dem sie sofortige Aufklärung über die Umstände und Freilassung der Inhaftierten fordert.

John Ball schrieb im Auftrag einer australischen Hilfsorganisation für Sri Lanka folgenden Brief an die LTTE nach London: "Ich fordere Sie dringend dazu auf, diesem Bericht nachzugehen und Ihre Verbindungen zur LTTE in Sri Lanka einzuschalten, um die Unversehrtheit der inhaftierten SEP-Mitglieder und ihre sofortige Freilassung zu gewährleisten."

Das World Socialist Web Site und die Sektionen der Vierten Internationale haben Menschen- und Bürgerrechtsorganisationen, Gewerkschaften, Organisationen der Tamilen im Exil und auch Einzelpersonen, die sich für die Verteidigung demokratischer Rechte einsetzen, dazu aufgerufen, Protestschreiben an die LTTE-Führung zu senden, in denen die sofortige und bedingungslose Freilassung der SEP-Mitglieder gefordert wird.

Die gleichheit und die Partei für Soziale Gleichheit ruft eindringlich ihre Leser auf Protestbriefe oder Faxe an die LTTE zu senden, um die Inhaftierung der SEP-Mitglieder in Kilinochchi zu verurteilen und ihre sofortige Freilassung zu verlangen.

Die Europazentrale der LTTE befindet sich an folgender Adresse:

LTTE
c/o Eelam House
202 Long Lane
London SE1 4QB
United Kingdom

Tel.: 0044-171-403-4554
Fax: 0044-171-403-1653

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