Srilankische SEP organisiert Demonstration für die Freilassung tamilischer Sozialisten

26. August 1998

Am 18. August organisierte die Socialist Equality Party (Partei für Soziale Gleichheit, SEP) Sri Lankas in der Hauptstadt Colombo eine Demonstration und eine öffentliche Versammlung, um die Freilassung ihrer drei Mitglieder zu fordern, die zur Zeit von den Liberation Tigers of Tamil Eelam (Befreiungstiger von Tamil Eelam, LTTE) gefangengehalten werden.

Thirugnana Sambandan, Kasinathan Naguleshwaran und Rajendran Sudarshan waren in Kilinochchi verhaftet worden, einem Gebiet im Norden des Landes, das unter Kontrolle der LTTE steht. Diese separatistische Guerillaorganisation führt zur Zeit im Norden und Osten des Landes Krieg gegen die Zentralregierung. Sambandan und Naguleshwaran waren am 26. Juli verhaftet worden, als sie SEP-Plakate geklebt hatten. Sudarshan hatte man am 2. August vor seinem Haus verhaftet.

Über 100 Mitglieder und Sympathisanten der Partei nahmen an einer Protestkundgebung vor dem Hauptbahnhof Colombos teil. Tausende Arbeiter, aus dem öffentlichen Dienst wie aus der Privatwirtschaft, sahen die Demonstration auf dem Weg von der Arbeit nach Hause, und viele blieben stehen, um die Plakate zu lesen und sich über die Verhaftungen zu informieren.

Zu der später an diesem Tag abgehaltenen öffentlichen Versammlung kamen fast 200 Teilnehmer, darunter Arbeiter aus der Stadt und von den Plantagen, Lehrer, Fischer, Hausfrauen und Jugendliche aus vielen Teilen des Landes. Geleitet wurde die Versammlung von K. Ratnayake, dem Chefredakteur von Kamkaru Mawatha, der Zeitung der SEP. Es sprachen M. Aravindam, ein Mitglied des Zentralkomitees und Wije Dias, der Generalsekretär der Partei. Die Reden wurden auf singalesisch und tamilisch gehalten.

Von der Mutter Rajendran Sudharshans, einem der verhafteten SEP-Mitglieder, wurde eine Erklärung verlesen. Nachdem sie in einer Radiosendung von der Verhaftung ihres Sohnes gehört hatte, war sie von Kayts im Norden der Insel nach Colombo gereist. Ihre Erklärung lautete folgendermaßen:

"Mein Name ist Singamany Rajendran.

Ich fordere die Führung der LTTE nachdrücklich auf, meinen Sohn Rajendran Sudharshan und die zwei anderen Leute, die mit ihm politische Arbeit gemacht haben, Thirugnana Sambandan und Kasinathan Naguleshwaran, sofort freizulassen.

Soweit ich weiß, haben mein Sohn und die beiden anderen als Mitglieder der Socialist Equality Party dafür gekämpft, die demokratischen Rechte der Tamilen zu verteidigen.

Mein Sohn Sudharshan ist Vater von drei Kindern. Er hat 1990 sein Dorf Paruthiyadaippu in Kayts verlassen, als die damalige UNP-Regierung den zweiten Krieg in Eelam begonnen hat. Seitdem hat er mit seiner Familie unter ärmlichen Verhältnissen in Vanni, im Kilinochchi-Gebiet gelebt.

Ich habe meinem Sohn oft gesagt, daß er doch nach Kayts zurückkommen und bei uns bleiben solle. Trotz seiner Schwierigkeiten hat er nicht auf mich gehört. Ich habe verstanden, daß er diese Entscheidung getroffen hat, um seinen Kampf für sozialistische Politik fortsetzen zu können.

Mein Sohn und seine Freunde haben sich niemals an Raub, Mord oder irgendwelchen anderen Verbrechen beteiligt. Daher sehe ich keinen Grund für ihre Festnahme und ihre Inhaftierung.

Ich weiß, daß sie trotz aller Schwierigkeiten, denen sie ausgesetzt waren, politisch aktiv waren. Dabei ging es ihnen um die enorme Not, die die Bauern, Jugendlichen und Flüchtlinge auf der nördlichen Halbinsel leiden müssen. Die LTTE behauptet, in den von ihr kontrollierten Gebieten für die Befreiung des tamilischen Volkes zu kämpfen. Wie können wir ihr das angesichts dieser Verhaftungen noch glauben?"

Nachdem Wije Dias diese Erklärung verlesen hatte, stellte er die Frage: "Nachdem wir nun Sudharshans Mutter gehört haben, wie können wir da noch den Worten der LTTE, die nun im Internet verbreitet werden, Glauben schenken, daß unsere Mitglieder wegen illegaler Aktivitäten verhaftet worden sind? Jeder weiß, daß die Genossen wegen ihrer sozialistischen Überzeugungen und der Politik, für die sie gekämpft haben, festgehalten werden.

Wije Dias fuhr fort: "Im Gegensatz zu der Erklärung von Sudarshans Mutter sind die Kommentare auf der Unterstützer-Web Site der LTTE, die man als Erklärung der LTTE selbst auffassen kann, anonym. Gleichzeitig hat die LTTE-Führung seit zwei Wochen hunderte von Briefen aus Sri Lanka und der ganzen Welt nicht beantwortet. Die LTTE kann ihr brutales Vorgehen nicht rechtfertigen. Sie fühlt, daß sie der Weltöffentlichkeit nichts erklären kann, geschweige denn dem tamilischen Volk, das sie angeblich befreien will. Kann man von einer solchen Bewegung erwarten, daß sie die demokratischen Rechte der Bevölkerung verteidigt?"

Der Einfluß der SEP ist in der Region von Kilinochchi erheblich gewachsen, und die Einwohner in der Gegend sind in großer Sorge über das Schicksal der inhaftierten SEP-Mitglieder. Ihre Verhaftung war die Reaktion der LTTE-Führung auf die wachsende politische Unterstützung, die die Kampagne der SEP zur Vereinigung der singalesischen und tamilischen arbeitenden Massen auf der Grundlage einer internationalen sozialistischen Perspektive in der tamilischen Bevölkerung gefunden hat.

Am 28. Juli hatten Verwandte von Sambandan und Naguleshwaran mit Theepan, dem zuständigen LTTE-Vertreter der Region, gesprochen. Er sagte, daß er die Verhaftungen angeordnet habe, weil die Politik der SEP die Aktivitäten der LTTE zunehmend behindere. Theepan fügte hinzu, er habe die beiden SEP-Mitglieder an Pottu Amman übergeben, den dortigen Polizeichef der LTTE. Amman ist für seinen brutalen Umgang mit politischen Gegnern der LTTE berüchtigt.

Aus der ganzen Welt sind Briefe, Faxe und e-mails geschickt worden, die gegen die Verhaftung protestieren.

In Australien haben Delegierte der Lehrergewerkschaft, die Schulen der gesamten westlichen Vorstädte Sydneys vertreten, die Verhaftung der drei SEP-Mitglieder durch die LTTE "scharf verurteilt" und ihre sofortige Freilassung verlangt. Die monatliche Versammlung der St. Marys-Mt. Druitt Teachers Association, an der ca. 20 Delegierte teilnahmen, verabschiedete eine Resolution, in der die Verhaftungen als "fundamentaler Angriff auf demokratische Rechte" verurteilt werden.

Ein Krankenhausarbeiter und Mitglied der Communications, Electrical and Plumbing Union aus Sydney hat ebenfalls ein Fax geschickt, in dem die Freilassung der drei SEP-Mitglieder gefordert wird. Darin wies er auch auf den langen und prinzipiellen Kampf der SEP (ehemals RCL) zur Verteidigung der demokratischen Rechte des tamilischen Volkes hin.

Die World Socialist Web Site ruft ihre Leser, alle Arbeiter- und Menschenrechtsorganisationen und alle, die grundlegende demokratische Rechte verteidigen, dringend auf, Faxe und Briefe an die LTTE zu schicken, in denen die Verhaftung der SEP-Mitglieder in Kilinochchi verurteilt und ihre sofortige und bedingungslose Freilassung gefordert wird.

Faxe können geschickt werden an:

The LTTE c/o Eelam House (London)
Telefon: 0044-171-403-4554
Fax: 0044-171-403-1653

Postadresse:

The LTTE
c/o Eelam House
202 Long Lane
London SE1 4QB
Großbritannien

Kopien bitte an:

Partei für Soziale Gleichheit
Postfach 100 105
45001 Essen

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Fax: 0201 / 870 13 33
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