Spitze der US-Autogewerkschaft massiver Korruption überführt

28. Juli 2018

Dennis Williams, der erst letzten Monat als Präsident der Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) in Pension ging, hat die illegale Verwendung von Geldern gebilligt, die für gemeinsame Schulungszentren der Gewerkschaft und der Detroiter Autounternehmen vorgesehen waren. Diese Enthüllung bestätigt die Einschätzung der World Socialist Web Site und der Socialist Equality Party, dass die UAW eine arbeiterfeindliche Organisation ist.

Einzelheiten beschreibt Nancy Johnson, die Chefsekretärin des ehemaligen Vizepräsidenten der UAW für Fiat-Chrysler, in einem „Plea Deal“, der am Montag veröffentlicht wurde. (Bei einem „Plea Deal“ bekennt sich ein Angeklagter in einem Strafverfahren für schuldig und erhält im Gegenzug einen Strafnachlass.) Ein hochrangiger UAW-Funktionär, bei dem es sich laut der Zeitung Detroit News um Williams handelt, hat demnach Verhandlungsführer der Gewerkschaft angewiesen, Gelder der Schulungszentren, an denen neben der UAW alle drei großen Autohersteller in Detroit beteiligt sind, für Luxusausgaben zu verwenden: Flugreisen, Golfausrüstung und Golfplatzgebühren, teure Restaurantbesuche und Partys, Autoreparaturen, Designerbekleidung und -schuhe und dergleichen mehr.

Über das Schulungszentrum von UAW und Chrysler wurden Zahlungen des Unternehmens an die Gewerkschaft geschleust. Im Gegenzug unterschrieb die Gewerkschaft Tarifverträge mit Laufzeiten von mehr als zehn Jahren, durch die das Einkommen und die Arbeitsbedingungen der Fiat-Chrysler-Arbeiter drastisch verschlechtert wurden. Dieses Bestechungssystem verstieß gegen Bundesgesetze aus den 1930er Jahren, die die Gründung und Finanzierung von „gelben Gewerkschaften“ verbieten.

In ihrem „Plea Deal“ gibt Johnson zu, dass sie von einem hochrangigen UAW-Funktionär autorisiert wurde, „Reisen, die angeblich ausschließlich gewerkschaftlichen Zwecken dienten, sowie üppige Mahlzeiten und andere Freizeitvergnügungen von hochrangigen UAW-Vertretern und ihren Freunden, Familien und Verbündeten zu bezahlen. Diese Anweisung erging, um die Belastung des UAW-Budgets durch solche Ausgaben zu verringern, da die Mittel der UAW knapp waren.“ Nicht namentlich genannte Beobachter der Ermittlungen berichteten laut Detroit News, dass die Zahlungen nach den Angaben Nancy Johnsons von Williams genehmigt wurden.

Auf dem Gewerkschaftstag der UAW in Detroit im vergangenen Monat, auf dem sich die Gewerkschaftsspitze eine 30-prozentige Gehaltserhöhung genehmigte, erklärte Williams vor den Delegierten: „Eines muss klar sein: Wer Gelder der Schulungszentren falsch zuweist oder missbraucht, hat unser Vertrauen verspielt. Die UAW hat null Toleranz für Korruption oder Fehlverhalten auf irgendeiner Organisationsebene.“

Williams behauptete immer wieder, dass das Bestechungssystem nur vereinzelte „faule Äpfel“ betroffen habe: „Es stimmt einfach nicht, dass die Tarifverhandlungen durch dieses Fehlverhalten in Mitleidenschaft gezogen wurden.“

In Wirklichkeit waren Spitzenfunktionäre an dem Bestechungssystem beteiligt, darunter Johnson, General Holiefield, Virdell King, Keith Mickens und andere, die von 2007 bis 2015 unmittelbar an der Aushandlung und Durchsetzung von Tarifverträgen beteiligt waren. Aus rechtlicher Sicht sollte jeder Tarifvertrag, den diese korrupten Gewerkschaftsvertreter unterzeichnet haben, für ungültig erklärt werden.

Die Quelle dieser allgegenwärtigen Korruption ist nicht nur die Unmoral einzelner Gewerkschaftsfunktionäre, die für die Arbeiter nur Verachtung übrig haben. Sie liegt in der politischen DNA der United Auto Workers, die ebenso wie die anderen etablierten Gewerkschaften das kapitalistische Profitsystem verteidigt und ein nationalistisches Programm vertritt. Die UAW kann nicht reformiert werden, weil sie sich längst in die Struktur der Unternehmensführung und des kapitalistischen Staates integriert hat. Sie bezieht einen Anteil an der Ausbeutung der Arbeiter. Im Gegenzug unterdrückt sie Streiks und setzt den Abbau von Arbeitsplätzen, Löhnen, Sozialleistungen und Arbeitsbedingungen durch.

Mit dieser kriminellen Organisation können Arbeiter unmöglich ihre Interessen verteidigen. Deshalb fordert die Socialist Equality Party (SEP) die Arbeiter auf, neue, demokratische, vom Gewerkschaftsapparat völlig unabhängige Kampforganisationen zu schaffen. Die SEP ruft dringend dazu auf, Fabrikkomitees zu wählen, um die von der UAW unterstützten unternehmerfreundlichen Verträge aufzuheben und alle Autoarbeiter zum Kampf zu rufen. Es geht darum, die Lohnspaltung in den Betrieben zu beenden, alle Lohn- und Leistungskürzungen rückgängig zu machen, Arbeitstempo und Arbeitssicherheit unter Arbeiterkontrolle zu stellen und alle Entlassenen wieder einzustellen, indem die Wochenarbeitszeit auf 30 Stunden bei vollem Lohnausgleich reduziert wird.

Die neueste Enthüllung in der UAW-Korruptionssaga folgt auf eine ganze Serie von Anklagen, in deren Folge sich sieben Personen für schuldig bekannten. Es handelte sich in erster Linie um ehemalige Vertreter von UAW und Fiat-Chrysler, die illegale Schmiergeldzahlungen organisierten, um, wie sich ein Automanager ausdrückte, die UAW-Funktionäre „fett, blöd und zufrieden“ zu halten.

In ihrem „Plea Deal“ erklärt Johnson: „In den Jahren 2014, 2015 und 2016 gaben Spitzenfunktionäre der UAW im kalifornischen Palm Springs UAW-Gelder für extravagante Mahlzeiten, Premium-Liköre, mehrmonatige Aufenthalte in Luxuswohnungen und zahlreiche Golfrunden aus, was wenig bis gar nichts mit gewerkschaftlichen Zwecken oder Verhandlungen mit den Arbeitgebern zu tun hatte.“ Das Unternehmen zahlte auch die Gehälter für angebliche Mitarbeiter des UAW-Chrysler-Schulungszentrums, die dort nie gesichtet wurden, sowie eine monatliche „Verwaltungsgebühr“ von 7 Prozent an die Gewerkschaftszentrale.

Die Staatsanwaltschaft ermittelte außerdem in gemeinsamen Schulungszentren von UAW, General Motors und Ford sowie gegen private Stiftungen von Spitzengewerkschaftern wie der UAW-Vizepräsidentin Cindy Estrada. Laut dem Bericht der Detroit News arbeiten im „Center for Human Resources“ von UAW und GM in Detroit so viele Familienangehörige von Gewerkschaftern, dass die Einrichtung den Spitznamen „Center for Hidden Relatives“ erhielt.

Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Seit ihrer Gründung in den 1980er Jahren dienten die gemeinsamen Schulungszentren und eine Vielzahl anderer korporatistischer Programme als Vehikel für Schmiergeldzahlungen in Milliardenhöhe. Grundlage dafür war ein Gesetz namens Labor-Management Act aus dem Jahr 1978.

Wie viele Arbeiter verloren ihre Häuser, erlitten Arbeitsunfälle oder wurden in den Selbstmord getrieben, weil sie von den bezahlten Lakaien der Autokonzerne in der UAW ausverkauft wurden? In ihren Tarifverträgen führte die UAW unterschiedliche Löhne für verschiedene Gruppen von Arbeitern ein, vergrößerte die Zahl der überausgebeuteten Teilzeitbeschäftigten und führte das verhasste „Alternative Arbeitszeitsystem“ ein, mit dem der Achtstundentag praktisch abgeschafft wurde.

Laut ihrer letzten gesetzlichen Offenlegung verfügte die UAW 2017 über ein Nettovermögen von 1.069.381.389 US-Dollar und hatte Ausgaben von insgesamt 272.055.497 US-Dollar. Mehr als 400 UAW-Funktionäre und teilweise auch ihre Familienmitglieder beziehen ein Jahresgehalt von mehr als 100.000 US-Dollar. Der neue UAW-Präsident Gary Jones bekommt 200.000 US-Dollar – die Vergütung, die er für seine Sitze in verschiedenen Unternehmensvorständen, Trusts usw. bekommt, nicht mitgerechnet.

2015 lehnten die Mitarbeiter von Fiat-Chrysler den von der UAW ausgehandelten Tarifvertrag mit Zweidrittelmehrheit ab – zum ersten Mal seit 30 Jahren. Daraufhin heuerte die UAW für 475.000 US-Dollar eine PR-Firma namens BerlinRosen an, um einen Propagandafeldzug zu starten, in dem sie u. a die World Socialist Web Site der Verbreitung von „Fake News“ bezichtigte, nur weil sie Wahrheit geschrieben hatte. Jewell und andere UAW-Funktionäre griffen zu Lügen, Drohungen und Einschüchterungen, um den Deal in einer zweiten Abstimmung durchzudrücken. Sie drohten Arbeitern sogar, dass sie ihren Arbeitsplatz verlieren würden, wenn sie den Abschluss nicht annehmen würden.

Damals warnte die WSWS, dass der Vertrag vom Management diktiert wurde. Dies hat sich nun im wahrsten Sinne des Wortes bestätigt.

Arbeiter müssen jetzt anfangen, Fabrikkomitees zu organisieren, um das zu tun, was die UAW längst aufgegeben hat: die gesamte Arbeiterklasse in den USA und international zum Widerstand gegen den Krieg von oben zu mobilisieren. Der Aufbau solcher Komitees in allen Betrieben und Wohnvierteln muss mit einer neuen politischen Strategie verbunden werden, die auf einem internationalen sozialistischen Programm basiert. Zu einem solchen Programm gehört die Umwandlung der riesigen Autokonzerne und Banken in öffentliche Unternehmen, die demokratisch kontrolliert werden und kollektives Eigentum der Arbeiterklasse sind.

Shannon Jones

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